1. Saarland
  2. Saarpfalz-Kreis
  3. Kolumnen

Ein Heimtrainer weckt gemischte Gefühle

Ein Heimtrainer weckt gemischte Gefühle

Als ich vergangene Woche meine kleine Tochter zur Tagesmutter gebracht habe, musste ich beim Anblick dieses Heimtrainers neben den dort abgestellten Fahrrädern im Hinterhof doch schmunzeln. So sehr, dass ich noch einmal kehrt machte, um dieses Bild festzuhalten. Weil es so stolz da steht, das Möchtegern-Fahrrad, gerade, aufrecht - und zwischen den Rädern fast wie ein kleines Kind inmitten der Großen wirkt.

Seit einer Woche mache ich mir so meine Gedanken, die immer wieder eine andere Richtung einschlagen: Wer kommt auf die Idee, seinen Heimtrainer zu den Drahteseln im Hinterhof zu stellen? Und warum? Dass es dem Besitzer in seiner Wohnung vielleicht zu klein geworden ist und er ihm im Wege stand, ist mir irgendwie zu einfach. Anzunehmen, dass er dann vielleicht in den Keller gestellt oder gar entsorgt worden wäre.

Vielleicht ist es der Besitzerin oder dem Besitzer mittlerweile auch einfach nur zu gefährlich im städtischen Verkehr, sodass sie oder er nur noch im geschützten aber grauen Hinterhof ihre imaginären Touren drehen? Vielleicht frustriert sie aber der tägliche Anblick eines nicht genützten Trainingsgeräts, das sie beim morgendlichen Gang ins Bad jedes Mal aufs Neue an ihre Trägheit erinnert.

Netter ist der Gedanke, dass das Trainingsgerät in der Wohnung zunehmend vereinsamte, sodass man sich vielmehr gezwungen sah, eine räumliche Nähe zu seinen vermeintlichen Artgenossen herzustellen.

Nur mit jedem weiteren Tag, an dem ich den Heimtrainer dort sehe, stellt sich mir die Frage: Ist die Situation jetzt wirklich besser? Oder gar brutaler? Weil ihm nun jedes Mal, wenn einer seiner Nachbarn ausgefahren wird, bewusst wird, gehandicapt zu sein, niemals den Fahrtwind und somit echte Freiheit spüren zu können. Welch grausamer Gedanke, bei dem mir das Herz blutet.

Es gibt mir eine gewisse Ruhe, dass der Heimtrainer wohl nicht weiß, was er verpasst, weil er dieses Gefühl - da selbst nie erlebt - nicht nachempfinden kann.

Ja, wenn Heimtrainer reden könnten, hätte ich dieses Bild vermutlich nie gemacht, so aber werde ich wohl noch den ein oder anderen Gedanken daran verschwenden - jeden Morgen, wenn ich meine Tochter zu ihrer Tagesmutter bringe.

Sollte auch Ihren Weg ein Bild kreuzen, das sie bewegt, ob skurril, lustig, traurig oder befremdlich: schreiben Sie Ihre Gedanken dazu auf und schicken Sie es uns doch einfach: redigb@sz-sb.de.