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Die Sehnsucht nach Sicherheit ist zu spüren

Die Sehnsucht nach Sicherheit ist zu spüren

Die zunehmende Sehnsucht nach Sicherheit sorgte in dieser Woche dafür, dass ausgerechnet das in Erinnerung bleibt, was gar nicht stattfand, sondern ins Wasser fiel. Am Fastnachtssonntag war es wohl noch Petrus höchstpersönlich, der den Straßenfastnachtern in St. Ingbert und Blieskastel schöne Stunden bescherte.

Am Rosenmontag und Veilchendienstag ließen die Sturmtiefs Ruzica und Susanna aber selbst dem Wetterheiligen keine Chance. An beiden Tagen öffneten sich die Himmelsschleusen, die Petrus an guten Tagen dicht hält - und alle Hoffnungen auf Fastnachtszüge waren verwehrt und aufgeweicht.

Spätestens bei Sturmböen im Dauerregen stellte sich die bei katastrophaler Witterung fällige Gewissensfrage: Will man verantwortlich sein, wenn irgendjemanden etwas passiert, weil Warnungen in den Wind geschlagen wurden? Nein, so viel Wagemut war gemeinschaftlicher Frohsinn im Freien dann doch nicht wert. Letztlich haben alle Oberfastnachter richtig entschieden, die sich dem Wetter beugten und die Fastnachtsumzüge absagten.

Zugleich zeigte diese Woche, dass das fröhliche Treiben vor der Fastenzeit nicht nur mit Temperaturen und Niederschlägen, sondern auch mit dem Zeitgeist klar kommen muss. Die politische Großwetterlage fordert ihren Tribut. Und da stellt die Kombination aus einem Volk der Wetterfühligen mit gleichzeitigem Wunsch nach größtmöglicher Sicherheit ein tückisches Gemisch dar. In dem möchte ich momentan auch mit den Meteorologen nicht tauschen. Heute wollen die Bürger auch bei der Wettervorhersage auf Nummer sicher gehen.

Das führt inzwischen zu skurrilen Auswüchsen, wenn wir auf Sonne satt eingestellt sind, am Himmel aber Unbilden drohen. Zum Wochenanfang folgten phasenweise Vorhersagen im Viertelstundentakt. Präzise Prognosen werden im dichten Netz der Wetterstationen nicht mehr für Landstriche, sondern für Straßenzüge gefordert - und scheinbar geliefert. Und trotzdem brauchten die Wetterexperten, als sich am Rosenmontag nachmittags der Himmel kurzzeitig blau statt dunkelgrau zeigte, viel Glück, dass die Fastnachter anschließend doch noch ausreichend Pech mit dem Wetter ereilte.