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Bildinterpretationen lassen die Gedanken fliegen

Bildinterpretationen lassen die Gedanken fliegen

Wer ein Bild hat, das er erklären kann, braucht nichts durch die Blume zu sagen. Das war diese Woche beim Neujahrsempfang in der Stadthalle zu erleben. So hatte Oberbürgermeister Hans Wagner bei einem Foto vom neuen Altbau des Leibniz-Gymnasiums wohl noch seine Äußerungen über die Finanzlage der Stadt im Hinterkopf. Da war der Weg nicht weit zu der kleinen Spitze am Rande, der Kreis könne sich solche Vorzeigeprojekte ja auch wegen der Umlage leisten, die er von den Kommunen kassiert. Beim Stichwort Kreisumlage kam bei manchen alten Hasen, der die St. Ingberter Empfänge schon öfter miterlebt hatte, die Erinnerung hoch, so etwas an gleicher Stelle schon mal gehört zu haben. Insbesondere Alt-Landrat Clemens Lindemann , der beim Empfang zu den Gästen zählte, hatte vielleicht ein Déjà-vu-Erlebnis. 2006 war es, als Ex-OB Georg Jung in seiner Neujahrsrede alle Vorbehalte gegen die Kreisumlage in die Frage kleidete "Wozu hat die Stadt den Kreis im vergangenen Jahr denn gebraucht?" und Clemens Lindemann die Provokation mit einer langen Liste des vielfältigen Tuns des Kreises in St. Ingbert kontern musste. Sein Nachfolger Theophil Gallo wird die aktuelle Anspielung auf die üppige Beteiligung der Stadt an den Ausgaben des Kreises lockerer sehen. Und das nicht nur, weil es auch viel Lob für Funktion und Aussehen des Leibniz-Gymnasiums gab, dessen Bauten St. Ingbert ja tatsächlich schmücken, sondern auch wegen eines aktuellen Projektes, das das entspannte Verhältnis von Stadt und Kreis unterstreichen wird. Das im alten Arbeitsamt in der Spitalstraße geplante Familienhilfezentrum macht Fortschritte und soll bis zum Jahresende fertig sein.

Wie Fotos den freien Lauf der Gedanken anregen, war aber auch bei Nico Ganster zu erkennen. Er assoziierte etwa mit dem Motiv des im Vorjahr eröffneten DHL-Paketverteilzentrums in St. Ingbert neue Arbeitsplätze, aber auch ein Symbol für den so dynamischen, für konventionelle Läden gleichsam bedrohlichen Onlinehandel. Schlagfertig nutzte der Vorsitzende von Handel und Gewerbe die Gunst der Stunde, um ganz nebenbei auch noch einige Einzelhändler am Ort aus der "Komfortzone" zu wünschen. Auch diese Bildinterpretation war hohe Kunst.