Alles eine Frage des Gefühls

Die Woche nach Weihnachten hat sich ganz schön hingezogen. Es war ziemlich ruhig in unserer Redaktion, weil so viele der sonstigen Kontaktpersonen frei oder besseres zu tun hatten. So rein vom Gefühl her, das ja in postfaktischen Zeiten an Bedeutung kaum noch unterschätzt werden kann, dauerte die Strecke mit Werktagen zwischen den Jahren diesmal irgendwie länger als sonst. Aber auch Fakten belegten das imaginäre Zeitgefühl, wie ein genauerer Blick in alte Kalender zeigte. Silvester und Neujahr fielen letztmals 2005 auf ein Wochenende.

Die gefühlte Langeweile hat aber auch ihre guten Seiten, sie lässt Zeit für spezielle Grübeleien. Oder für ausgedehnte Routinerecherchen. Etwa die zum Jahresrückblick. An der Bilanz der vergangenen Monate nagt aber oft ein unangenehmes Gefühl. Wurde nicht doch ein wichtiges Ereignis, das in Erinnerung bleiben sollte, unterbewertet oder vergessen?

Aber auch die aktuelle, kommunalpolitische Gefühlslage wurde kurz vorm Jahresende noch bedient - mit der Stellungnahme der Kommunalaufsicht in Sachen Pascal Rambaud und der anhaltenden Diskussion über Beitragszahlungen von Bürgern im St. Ingberter Blumenviertel. Beide Themen zeigen bespielhaft, wie es um die Grundstimmung in der Mittelstadt steht. Wenn weiter Fehler immer nur bei den anderen gesucht werden, wird der Wunsch nach weniger Streit und mehr Sachlichkeit auch im neuen Jahr ein frommer bleiben. Und das sagt mir nicht nur das Gefühl.