Kolumne Apropos Das Schnüffelstück im Nudelwasser

Das kann ja jeder; da sieht man wen in der Stadt oder sonst wo, der sich auf irgendeine Art sonderbar verhält und denkt so bei sich: „Na hoffentlich hilft dem an der nächsten Ampel jemand über die Straße.“ Ich bin so jemand.

 Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

Kommentarkopf, Foto: Robby Lorenz

Foto: Robby Lorenz

Also jemand, über den man das denken kann. Jetzt ist es zwar nicht so, dass ich einen Kinderwagen voller Mandarinenschalen vor mir herschiebe, denen ich Lieder von Helene Fischer vorträllere. Und ich fuchtele auch nicht permanent wild mit beiden Armen in der Luft herum, mache dabei unbeholfene Kung-Fu-Tritte und vergrabe meinen Kopf in der Kapuze, in die hinein ich Gedichte von Prostetnik Vogon Jeltz vom Galaktischen Hyperraum-Planungsrat murmele. Nein, so weit ist es noch nicht. Aber ich unterhalte mich mitunter sehr laut. Oder besser gesagt: Ich brülle jemanden an, der offenkundig nicht anwesend ist. Das passiert immer dann, wenn ich auf der Vespa unterwegs bin und unterm Helm die Earpods, also diese Mini-Kopfhörer, in den Ohren habe. Ruft dann wer an, kann ich per Tipp auf die Uhr ran gehen und mich mit dem- oder derjenigen anbrüllen. Toll. Klar, ich weiß, dass ich da mit wem rede, weshalb ich an Sätzen, die ich offenbar ins Nichts schreie, auch nichts weiter finde. Ich kann aber aus Erfahrung sagen, dass zufälliges Publikum auf vermeintlich einseitige Konversationen wie „Nein, Achim, du kannst nicht im Ernst das Nudelwasser auffangen und damit die Felgen polieren“, oder „Was? Wie meinsten das, die hatten schon zu? Nur bis sechs? Verdammt! Und wo krieg ich jetzt auf die Schnelle ein neues Schnüffelstück her?“ mit verhaltenem Unbehagen reagiert und sich vermutlich denkt: „Na, hoffentlich hilft dem an der nächsten Ampel jemand über die Straße.“