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Zum ersten Mal die Fahrleine in der Hand

Zum ersten Mal die Fahrleine in der Hand

Vor 150 Jahren konnte es jeder Pferdeknecht, heute weiß kaum noch jemand, wie das Kutschenfahren geht. Mehr als 30 Teilnehmer wollten es lernen. Eine Anzahl, die Heike Körner überraschte und freute.

"Mit so einer großen Resonanz hätten wir nicht gerechnet", freut sich Heike Körner. Unter dem Motto "RV Limbach Innovativ" fand kürzlich auf der Körnerschen Anlage ein Workshop Kutschenfahren statt. Er ist der Auftakt zu weiteren Schnupper-Maßnahmen rund ums Pferd, die der Verein plant.

Eingeladen waren Interessenten unter dem Motto: "Sie haben noch nie eine Fahrleine in der Hand gehalten? Dann sind Sie bei uns richtig". Mehr als 30 Teilnehmer kamen. Sie wurden von den Ehrenamtlichen des RFV Limbach informiert, unterrichtet und auf ihrer ersten Ausfahrt mit den zur Verfügung gestellten Kutschen begleitet. Als Ausbilder hatten sich der Blieskastler Veterinär Ludwig Klein, erfolgreich bis zur schweren Klasse im Ein- und Zweispänner, sowie Nina Smeets, erfolgreich bis Klasse M, zur Verfügung gestellt. Eine Hand voll Kutschenfahrer stand den Quereinsteigern zu allen Fragen Rede und Antwort, zeigte, erklärte, korrigierte, ermutigte, so dass alle Teilnehmer nicht nur viel lernten, sondern auch viel Spaß hatten.

In vier Stationen bewältigten die angehenden Kutschenfahrer zunächst einmal Theorie und Vorbereitung der Pferde mit Anschirren und Geschirrkunde. Am Fahrlehrgerät demonstrierten die Profis die korrekte Leinenführung und Peitschenhaltung nach Ausbilder-Legende Achenbach, erklärten genau, wie man eine Wendung fährt oder anhält. Dann durften die Teilnehmer an dem mit Gewichten beschwerten Fahrlehrgerät üben und ein Gefühl für die Leinenführung bekommen.

Dicke Stöcke symbolisierten die Peitsche. "Denk dran, wenn Du nach links abbiegen willst, leitest Du die Wendung durch nachgeben der rechten Hand ein und drehst dann erst links ein, je nachdem, wie groß der Radius sein soll", erklärte Christine Gries. Die Einsteiger staunten, was alles gleichzeitig zu beachten ist. Als alle relativ sicher waren, ging es auf die Kutsche, und nach einigen Runden auf dem großen Reitplatz auch auf die Straßen. Tim Pohlemann ist ganz stolz. Zum ersten Mal hat der 57-jährige Unfallchirurg an der Homburger Uniklinik nach über 40 Jahren Pause überhaupt wieder etwas mit Pferden zu tun und ist dann auch gleich selbstständig den steilen Berg hinauf gefahren. "Meine Frau Inga reitet hier, doch Kutschenfahren ist etwas, was wir gemeinsam machen könnten", erklärt er seine Motivation für den Workshop. "Es hat viel Spaß gemacht. Ich könnte mir durchaus vorstellen, mich im Urlaub intensiver mit dem Kutschenfahren zu befassen", erklärt er. Begeistert ist auch Friederike Lammert.

Die 19-jährige Homburgerin reitet zwar in Limbach, hatte aber zum ersten Mal direkten Kontakt mit dem Pferdefahrsport. "Es ist schon ein anderes Gefühl, so weit entfernt hinter dem Pferd zu sitzen", findet sie. Sie hat gelernt: "Was mache ich zuerst, was zuletzt? - Das ist hier viel wichtiger als beim Reiten." Mit Stefanie und Martin Reinhard nahmen auch zwei bereits im Turniersport der Anfangsklasse erfolgreiche Fahrsportler aus Zweibrücken teil. "Wie geht das jetzt mit vier Pferden?" lässt sich Stefanie Reinhard von Ludwig am Fahrlehrgerät zeigen.

Eine ganze Delegation ist aus Dillingen angereist. Früher war dort eine der saarländischen Kutschenhochburgen. "Wir wollen den Pferdefahrsport auch wieder beleben, den Platz und das Gelände für Hindernisse haben wir", erklärt Kassenwartin Silke Amann. Sie und ihre Vorstandskolleginnen waren von der Idee eines solchen Workshops überzeugt und wollen so etwas nach Limbacher Vorbild künftig auch in ihrem Verein anbieten. Für die Veranstalter haben sich damit alle Ziele erfüllt: Den Pferdefahrsport neu beleben, Wiedereinsteiger und Neulinge ans Pferd bringen sowie Engagement und gute Ideen multiplizieren: "Das motiviert uns, auf diesem Weg weiterzumachen."