"Wenn Steine sprechen könnten"

Altstadt. Die Atmosphäre eines vorderpfälzischen Winzerhofes, gepaart mit einem Schuss mediterranem Flair, dazu Sonne, schöne Töne und eine gehörige Portion Laisser-faire: Das Ambiente, das die Besucher des Altstadter Kunststalls empfing, war so sicherlich kaum zu erwarten

 Das Gebäude, in dem sich seit 1977 der Kunststall in Altstadt befindet, ist 200 Jahre alt. Die historische Ansicht zeigt das damalige Gehöft Schleppi im Jahr 1937. Foto: SZ/Baus

Das Gebäude, in dem sich seit 1977 der Kunststall in Altstadt befindet, ist 200 Jahre alt. Die historische Ansicht zeigt das damalige Gehöft Schleppi im Jahr 1937. Foto: SZ/Baus

Altstadt. Die Atmosphäre eines vorderpfälzischen Winzerhofes, gepaart mit einem Schuss mediterranem Flair, dazu Sonne, schöne Töne und eine gehörige Portion Laisser-faire: Das Ambiente, das die Besucher des Altstadter Kunststalls empfing, war so sicherlich kaum zu erwarten. Dass das Gehöft in der Turmstraße genau 200 Jahre alt ist, war für die Inhaber des Kunst- und Kulturzentrums vor kurzem Anlass, alle Register zu ziehen und zu zeigen, was darin an Malerei und Musik geboten wird (wir berichteten). Seinen Teil trug auch das Bläserquintett Art'marillis dazu bei, das in internationaler Besetzung klassische Klänge in völlig ungewöhnlicher Manier und Instrumentierung intonierte. "Wenn denn Steine sprechen könnten, dann hätte dieses Haus eine ganze Menge zu erzählen", meinte Landrat Clemens Lindemann, der Schirmherr des Jubiläums. Auf dem Schlussstein über der alten Eingangstür jedenfalls berichtet die Jahreszahl 1810 über das Baujahr des Anwesens - zur gleichen Zeit wurde an Altstadt und Limbach vorbei die napoleonische Kaiserstraße angelegt. Der Einnehmer der "Mairie Limbach", Johann Karl Ludwig Braun mit Namen, war der Erbauer. Im späten 19. Jahrhundert wegen seiner vielen permanent bellenden Hunde als "Hundshof" in Verruf, wurde in der Nazi-Zeit ein "Erbhof" daraus. 1972 schließlich erwarb der Homburger Künstler Willi Spiess das Gehöft, richtete erst sein Atelier darin ein und dann die Galerie "Kunststall". Eine Ausstellung, in der kleinformatige Grafiken und Aquarelle, aber auch größere Gemälde zu sehen waren, auf denen Willi Spiess die Eindrücke seiner Gänge festhielt, war nun ein Mosaikstein des Jubiläumsfestes. Kirkels Bürgermeister Frank John hob hervor, dass der Kunststall sich mit seinen Ausstellungen, Konzerten und der Musikschule zu dem Kulturzentrum in Kirkel überhaupt entwickelt habe und längst ein Aushängeschild der Gemeinde sei. Galeristin Sybille Spiess-Deckert ließ indes die Anfänge der Galerie Revue passieren, die ihr Vater als Forum speziell für junge Künstler angelegt habe. "Dieser Linie wollen wir weiter treu bleiben", versprach sie.Art'marillis war denn ein erstes Beispiel dafür, wie nachhaltig mit dieser Vorgabe gearbeitet wird. Klassik, wie etwa Modest Mussorgskijs passendes "Bilder einer Ausstellung", interpretierten die fünf jungen Musiker so modern wie intensiv. Aber auch das Duo Chris und Albert, das Evergreens wie "Heart of Gold" von Neil Young oder "Blind Willie McTell" von Bob Dylan coverte, fand bei seinem Auftritt auf dem Hof viel Applaus. Afrokubanisch-jazzig kam die Formation La Llama Azul daher, während die Hausband Falconmill hart zur Sache ging und Rock abseits des Mainstreams demonstrierte. Ein ganzer Tag gehörte schließlich den Eleven der Musikschule, und obendrein gab es Kunsthandwerk von Erika Geiger, Petra Hein und Beate Reuter-Petry. red

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