Warten auf die kleine Welle

Homburg/Bexbach/Kirkel. Wo sind sie denn nun alle hin? Im Vorjahr haben im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur Neunkirchen gut 1500 junge Menschen mit Hochschulreife die Gymnasien verlassen - eine gewaltige Welle Richtung Arbeits- und Ausbildungsmarkt durch das Aufeinandertreffen des ersten Jahrgangs G8 (Abitur in acht Jahren) und des letzten Jahrgangs G9 (Abitur in neun Jahren)

Homburg/Bexbach/Kirkel. Wo sind sie denn nun alle hin? Im Vorjahr haben im Zuständigkeitsbereich der Arbeitsagentur Neunkirchen gut 1500 junge Menschen mit Hochschulreife die Gymnasien verlassen - eine gewaltige Welle Richtung Arbeits- und Ausbildungsmarkt durch das Aufeinandertreffen des ersten Jahrgangs G8 (Abitur in acht Jahren) und des letzten Jahrgangs G9 (Abitur in neun Jahren). Wo sie alle hin sind, weiß keiner so ganz genau. Belastbare Zahlen fehlen, hören wir im Gespräch bei der Arbeitsagentur mit Joachim Gölzer, Teamleiter Berufsberatung, Marlene Lenz-Wagner, Beraterin für akademische Berufe, und Hans Karmann, Teamleiter Arbeitgeberservice: "Aber nach Gefühl, gesundem Menschenverstand und Erfahrung kann man schon vermuten, dass es glimpflicher abgelaufen ist als befürchtet." Zusätzliche Studienplätze und Ausbildungsplätze beim Land hätten einen Teil abgefedert. Und der Ausbildungsmarkt habe durch Rückgang der Schülerzahlen insgesamt (demografischer Wandel) mehr Abiturienten aufnehmen können. Und das, ohne wie befürchtet Bewerber mit anderen Schulabschlüssen zu verdrängen. Dennoch seien viele Abiturienten des Vorjahres erstmal "irgendwo hängen geblieben": Geld verdienen, ins Ausland gehen, ein freiwilliges soziales Jahr absolvieren, was ausprobieren. "Die Welle wegen G8/G9 hat uns nicht dermaßen überrollt, wie wir auf sie vorbereitet waren", sagt Gölzer im Rückblick. Zwar wurde in den Schulen mehr beraten, aber die individuellen Folgeberatungen in der Arbeitsagentur hielten sich im Rahmen der Vorjahre. In diesem Jahr nun sollten die übrig gebliebenen Abiturienten des Doppeljahrgangs wieder auftauchen. Gölzer: "Objektiv müsste jetzt noch eine kleine Welle auf uns kommen. Aber aus den Erfahrungen der großen Welle, die dann doch nicht kam, sehen wir dem gelassen entgegen." Event-Management als berufliches Ziel sei derzeit besonders gefragt, berichtet Marlene Lenz-Wagner von ihren Beratungsstunden bei den Elftklässlern. Neben Lehrer und Arzt. Technische Berufe dagegen fänden kaum Interessenten. Den Gegensatz zwischen Angebot und Nachfrage schildert auch Hans Karmann bei der betrieblichen Ausbildung: "Besetzungsprobleme gibt es bei Bäcker, Metzger oder Koch. Ins Büro wollen viele, aber die Perspektiven sind hier eher rückläufig." Karmanns Eindruck: "Die Arbeitgeber legen mehr Wert auf gute Noten als auf den Bildungsabschluss." Also größere Chancen bei einer guten mittleren Reife als bei einem schwachen Abitur. Die Wirtschaftslage überlagert alles. Karmann: "Es sieht aus, als könnten die Betriebe ihr Ausbildungsniveau halten. Aber es gibt auch Probleme."