Von Zaunwicken und Ameisen

Altstadt. Um Myrmekochorie, Leberegel, Hopfen und Gerste, Meerrettich sowie zu guter Letzt um Hybridorchideen drehte sich die pflanzenkundliche Wanderung, zu welcher der Altstadter Naturschutzbund (Nabu) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule des Saarpfalz-Kreises eingeladen hatte

 Auch Gänseblümchen und Bärlauch entdeckten die Wanderer unterwegs. Fotos: dpa/SZ
Auch Gänseblümchen und Bärlauch entdeckten die Wanderer unterwegs. Fotos: dpa/SZ
Von Zaunwicken und Ameisen

Altstadt. Um Myrmekochorie, Leberegel, Hopfen und Gerste, Meerrettich sowie zu guter Letzt um Hybridorchideen drehte sich die pflanzenkundliche Wanderung, zu welcher der Altstadter Naturschutzbund (Nabu) in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule des Saarpfalz-Kreises eingeladen hatte. Das Grünbachtal sowie das Naturschutzgebiet "Badstube" in Mimbach waren die Schauplätze der Exkursion, die sich etwas anders entwickelte als ursprünglich geplant. Als die Teilnehmer nämlich an den Ausgangspunkt zurückkamen, war es bereits stockfinster - stattliche vier Stunden waren sie auf ihrer Natur-Tour gewesen, um unter Anleitung von Willi Hammer die Pflanzenwelt in Augenschein zu nehmen. 1981, genau ein Jahr nach der Gründung des Altstadter Nabu, war die gleiche Strecke letztmalig begangen worden, und zwar ebenfalls unter der Führung des früheren Lehrers am Homburger Mannlich-Gymnasium. "Damals war das Land hier am Eingang zum Grünbachtal noch mit Meerrettich bestellt", ließ der bald 80 Jahre alte Botaniker Revue passieren. Auch wenn sich noch einzelne Exemplare des Gemüses mit der scharfen Wurzel aufspüren ließen, so gab es auf dem Feld aktuell aber Gerste zu begutachten, die gerade die Schossung abgeschlossen hatte - will heißen: Die Blütenstände, die Ähren des Getreides, hatten sich just ausgebildet. Dass am Hang daneben Hopfen in Hülle und Fülle rankte, lenkte die botanische Diskussion zwangsläufig und rasch in Richtung Bierproduktion. "Kein Wunder, wir sind ja auch auf dem Gänseweg", kommentierte Willi Hammer das Vorkommen von Gänsefingerkraut und Gänseblümchen unterwegs. Die beiden Gewächse, die in der traditionellen Heilkunde Verwendung finden, begleiteten die Strecke ebenso wie etwa der Knoblauchhederich oder der noch intensiver duftende Bärlauch, der sich vorderhand in voller Blüte entfaltete. Die Zaunwicke bot dem pensionierten Oberstudienrat schließlich Gelegenheit, auf das Phänomen der Myrmekochorie einzugehen: "Diese Vorgang steht für die die Ausbreitung von Samen durch Ameisen. Die Pflanze führt ihrem Samen nährstoffreiche, ölhaltige Anhängsel zu, die in ihrer Zusammensetzung speziell auf Ameisen und deren Bedürfnisse abgestimmt sind. Diese Samen werden durch die Ameisen auf dem Weg zum Nest, in unmittelbarer Nestnähe und um den Abfallhaufen der Kolonien ausgestreut. So vermehrt sich die Pflanze." Weniger angetan war Willi Hammer indes von den Leberegeln, auf die er plötzlich stieß, als er die Brunnenkresse im kristallklaren Tümpelwasser vorstellen wollte. Die von dem Parasiten ausgehenden Gefahren schilderte er in düstersten Farben. Zum Schluss gab es dann noch die in voller Blüte stehenden Orchideen der "Badstube" zu bewundern. Bei einbrechender Dunkelheit gab insbesondere eine Pflanze Rätsel auf, die der Exkursionsleiter als Hybrid identifizierte. "Zwei verschiedene Ragwurze haben sich hier miteinander verpaart, der Fliegen- und der Hummelragwurz nämlich. Das habe ich erst einmal in meinem Leben gesehen", freute sich Willi Hammer über den Fund, der ihn alle Strapazen der Tour schnell vergessen machen ließ. "Es war eine wunderschöne Wanderung", resümierte der begeisterte Botaniker. bam