Volle Kraft fürs Federvieh

Altstadt

Altstadt. Die sprichwörtliche Frage, was denn wohl zuerst da gewesen war - das Ei oder das Huhn nämlich -, dieses uralte Problem stellt sich beim Altstadter Rassegeflügelzuchtverein unter etwas anderen Vorzeichen: Wurde er vor just 80 Jahren gegründet, um lupenreine Hühnerrassen zu züchten oder war es die Versorgung mit Eiern, die ausschlaggebend dafür war? Die Durchsicht der Vereinschronik anlässlich des anstehenden Jubiläumsfestes jedenfalls lässt den Schluss zu, dass sowohl das eine als auch das andere im Laufe der Geschichte immer eine wichtige Rolle gespielt hat. Aus der Taufe gehoben wurde dieser mit 16 Altstadtern im Herbst 1929, und reibungslos gingen die Vorstandswahlen über die Bühne. "Die alten Protokollbücher, die sich seit 1931 erhalten haben, wissen da einiges von den Schwierigkeiten zu erzählen, die die Gründerväter hatten", blättert Erhard Denne, der neu gewählte Vorsitzende in den angegilbten Kladden. In akribischer Sütterlin-Schrift wurde festgehalten, was den Verein damals bewegte. Ludwig Bach schrieb 30 Jahre lang, solange ließ er sich als Schriftführer wiederwählen. Es kam der Krieg und alles wurde wieder anders. Im Krieg wurden Hühnern und ihren Haltern auf einmal befohlen, Eier "auf Teufel komm 'raus" zu produzieren, um mit zur Versorgung der Bevölkerung beizutragen. Die Zucht des Rassegeflügels wurde damit fast zunichte gemacht, und das ausgerechnet von den sonst so Rasse-Wahnsinnigen - den Nazis. Erst 1949 gelang es dem immer noch amtierenden Vorsitzenden Herbert Weyrich, bei den alliierten Besatzungsmächten die Genehmigung zur Wiederbelebung der Hühnerzucht einzuholen. Die Initiative, in einem "Kleintierzuchtverein" zu den Hühnern auch Hasen zu gesellen, schlug fehl. In Fahrt kam die züchterische Arbeit erst wieder in den fünfziger Jahren: Unter der Federführung des 1952 gewählten Vorsitzenden Paul Marquardt - der heute 90-Jährige amtierte mit Unterbrechungen 32 Jahre als "Rekordvorsitzender" - wurde der erste Brutapparat angeschafft. Viele Ausstellungen oder die "Hahnenessen" in "Bauswirts Saal" bescherten dem Verein bis weit in die 1960er-Jahre eine große Resonanz. Der Wandel des ländlichen Dorfes hin zur reinen Wohn- und Schlafstätte sollte dann aber fatale Konsequenzen für die Vereinsarbeit haben. Als die Landwirtschaft verschwand, als Eier aus den Legebatterien im Supermarkt billiger wurden, als tiefgefrorene Suppenhühner und Brathähnchen die tägliche Arbeit im "Hing'gelsperch" ersparten, da waren die Tage für Hahn und Henne, Ente und Gans gezählt. Der Altstadter Jubiläumsverein rettete sich mit einer speziellen Zuchtanlage außerhalb der Ortschaft über die Zeiten. Seit mehr als 25 Jahren scharren auf eigenem Terrain am alten Sportplatz nach wie vor "glückliche Hühner" im Grünen und unter freiem Himmel.

Auf einen BlickMit der saarpfälzischen Kreisschau und -meisterschaft sowie dem Züchterabend feiert der Altstadter Rassegeflügelzuchtverein am Samstag, 7. November, und am Sonntag, 8. November, sein 80. Jubiläum. Über die beiden Tage hinweg können in der Hugo-Strobel-Halle die vornehmlich jungen Tiere aus den Sparten Große Rassen, Zwerge, Tauben und Wassergeflügel bestaunt werden. Samstagabend ab 19.30 Uhr ist der Kommers angesagt. Auch die Ehrung von Mitgliedern steht auf dem Programm. Bei Unterhaltungsmusik klingt der erste Festtag aus. Sonntags ist von 10 bis 18 Uhr offen, Kaffee und selbstgebackener Kuchen werden angeboten, auch eine reichhaltige Tombola mit 350 Gewinnen lockt. bam

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