Verwunschenes Reich der Stille

Wo 1956 zum letzten Mal ein Grab ausgehoben worden ist, herrscht heute weit mehr als nur der Traum von Ruhe und Idylle. Im Kirchengarten hinter der Elisabeth-Kirche in Limbach können Gehetzte ihren Stress für einen Moment ablegen.

Nicht nur für Besucher auf zwei Beinen ist der Kirchengarten ein Idyll.

Auf der Jagd? Vielleicht. Aufmerksam? Auf jeden Fall. Den Kirchengarten hinter der Elisabeth-Kirche hat die hübsche, grau-schwarz gestreifte Katze genau im Blick. Immerhin: Für den Fotografen wirft sie sich kurz in Pose - dann macht sie sich weiter auf ihrem Streifzug durch dieses wunderschöne Örtchen inmitten von Limbach . Ein kurzer Sprung, und sie sitzt mitten auf einem der Grabmäler, die sich entlang einer der Einfriedungsmauern der grünen Idylle aufreihen. Nein, dieses Fleckchen macht keinen Hehl daraus, was es früher einmal war, ein Friedhof.

"Bis 1956 wurde hier noch beerdigt", erzählt Dieter Hock, der ehrenamtliche Kirchendiener der Elisabeth-Kirche. Er ist an diesem Morgen gerade damit beschäftigt, den beliebten Mittwochstreff abzuwickeln. Der ist seit vielen Jahren während der Sommerferien fester Bestandteil im Limbacher Leben. Nun liegt der letzte gemeinsame Abend hinter Dieter Hock und den anderen Helfern. Deren Arbeit sorgt seit langem dafür, dass sich die Menschen in den Sommerwochen hinter der Kirche treffen, einige Hundert sind es an jedem Mittwoch. Das ist nun für dieses Jahr Geschichte.

Auch der Limbacher Maimarkt und der Nikolausmarkt haben ihren Platz im Kirchengarten. Der lockt mit Schatten spendenden Bäumen, sattem Grün, dem Blick auf die schmucke Elisabethkirche und mit zwei Bank-Garnituren, die einfach dazu einladen, für eine Weile auszuspannen. Bei Radfahrern, Wanderern und Spaziergängern ist der Platz beliebt, erzählt Dieter Hock. Dass man sich eigentlich auf einem früheren Friedhof bewegt, das stört niemanden. Die Grabmäler und Grabstelen geben dem Ort vielmehr einen leicht verwunschenen Charakter. Dem hat man in der Vergangenheit Rechnung getragen und mit einigem finanziellen Aufwand die beeindruckenden Grabmäler restauriert. Darunter auch eines der Familie Weber - eben jener Webers, deren Name untrennbar mit der Homburger Karlsberg-Brauerei verbunden ist. Man wandelt also auf geschichtsträchtigem Grund, wenn man im Kirchengarten der Elisabeth-Kirche eine Auszeit nimmt.

Eben die Kirche ist stark verwurzelt in der Vergangenheit Limbachs, der denkmalgeschützte Bau, mit viel Herzblut saniert, weist tief in die Geschichte des Orts. Auf einer Infotafel vor der Kirche ist zu lesen: "Ein kulturhistorisches Kleinod unter den Dorfkirche im Westrich ist die Elisabeth-Kirche in Limbach . Als kleine Kapelle um 1250 auf dem rechten Bliesufer erbaut, war sie jahrhundertelang Filialkirche der Mutterkirche St. Martin, die auf der linken Bliesseite, der alten ‚Dorfstatt Lympach' (heute Altstadt), im Bereich des heutigen Friedhofs stand."

Es lohnt sich also durchaus, nicht nur dem Kirchengarten mit seiner malerischen Schönheit zu frönen, sondern, sofern sie offen ist, auch einen Blick hinein in die Kirche zu werfen. Überhaupt: Das ganze Ensemble mit Kirchenbau , früherem Pfarrhaus und Pfarrgarten ist mehr als einen zweiten oder dritten Blick wert. Alles fügt sich zusammen, alles passt. Und wenn man nur lange genug dort verweilt, dann überhört man sogar irgendwann den Dauerverkehr auf der Hauptstraße unmittelbar vor der Elisabeth-Kirche.

Doch so viel Idyll will gepflegt sein: Kirchenrenovierung und Instandhaltung des Kirchengarten kosten Geld, zuletzt musste eine Mauer im hinteren Teil der Anlage repariert werden, da eine Baumwurzel diese beschädigt hatte. Und auch die Bäume selbst sind immer wieder Anlass für umfangreiche Pflege-Arbeiten - ein Aufwand aber, der sich in jedem Fall lohnt.

Mehr von Saarbrücker Zeitung