Vereine in Kirkel werben für Nachwuchs

Wir im Verein mit Dir : Vereine auf der Suche nach Nachwuchs

370 Schüler aus Kirkel-Neuhäusel und Limbach informierten sich in der Burghalle über die sportlichen Angebote.

Wie bringt man in der heutigen Zeit zusammen, was eigentlich schon immer zusammengehört hat: Kinder und Vereine. Wer sich heute den Terminplan der Kleinen anschaut, der stellt mitunter schnell fest, dass Schule, angeschlossene Nachmittagsbetreuung, Lernen und Hausaufgaben die Zeitfenster für Vereinsaktivitäten durchaus haben kleiner werden lassen oder verschoben haben. Doch Kinder brauchen Vereine, um sich sportlich und kulturell zu betätigen, die Vereine brauchen den Nachwuchs, um überhaupt lebensfähig zu sein.

Vor diesem Hintergrund ergibt es natürlich Sinn, schon früh Kinder und Vereine zusammenzuführen, um den Jungen und Mädchen zu zeigen, was es überhaupt an Möglichkeiten gibt. Und für Vereine ist es sinnvoll und nützlich, sich in ihrer ganzen Bandbreite zukünftigen Mitgliedern präsentieren zu können. Eine Plattform, die beides seit 2001 leistet, ist der Verein „Wir im Verein mit Dir“, eine gemeinsame Initiative der saarländischen Landesregierung zusammen mit dem Landessportverband, hier konkret mit dem Aktionsprogramm „Grundschulkinder in Sportvereine“.

In der vergangenen Woche gab es da eine große Veranstaltung in Kirkel, 370 Schüler der Grundschulen aus Limbach und Kirkel-Neuhäusel hatten in der Burghalle die Möglichkeit, die Angebote von insgesamt zehn Vereinen und Vereinssparten kennenzulernen, das Angebot der Vorführungen reichte dabei von Kinderturnen und Turnen über Volleyball, Fechten, Fußball und Tennis bis zu Voltigieren und der Trendsportart „Jugger“. Ganz kindgerecht wurden die Vorführungen ergänzt durch eine Zaubershow und Musik, verantwortlich zeichneten hier Martin Mathias als deutscher Meister im Zaubern für Kinder, der Trommellehrer „Ibou“ aus dem Senegal und der bestens als Eddi Zauberfinger bekannte Liedermacher Dennis Ebert.

Die Kinder bekamen also einiges geboten über den Vormittag hinweg – und man konnte deutlich sehen und hören, wie viel Spaß sie an dem hatten, was „Wir im Verein mit Dir“ zusammen mit der Gemeinde Kirkel da auf die große Bühne gestellt hatte. Bernhard Schmitt, der Landesbeauftragte für Prävention im Saarland und stellvertretender Direktor des Landesinstituts für präventives Handeln erläuterte in seiner Funktion als Geschäftsführer von „Wir im Verein mit Dir“ die Hintergründe dieses Projektes, das seit seinem Start im ganzen Saarland unterwegs ist – mit einem klaren Ziel: „Es geht um gesunde Bewegung, es geht um den sozialen Aspekt. Vereine leisten ganz wertvolle soziale Arbeit. Wir versuchen, die Kinder an die Vereine zu bringen, denn die brauchen Nachwuchs einerseits. Wir wollen den Kindern andererseits aber auch zeigen, welche Angebote es vor Ort in den Gemeinden gibt.“

Schmitt verdeutlichte hier, dass die Wege für die Kinder zu den Vereinen immer länger würden, Stichwort: verfügbare Angebote. Dies mache die Situation nicht leichter, „man muss aber sagen, dass wir im Saarland immer noch eine große Dichte an Vereinen haben. Aber es wird gerade im ländlichen Bereich schwerer. Deswegen versuchen wir zu zeigen: Wer ist da, wer macht was, wer macht Jugendarbeit?“ Ziel sei es aber zudem auch, Vereinen, die bislang keine Jugendarbeit leisteten oder bei denen dieses Angebot eingebrochen sei, die Möglichkeit zu bieten, bei Veranstaltungen wie der in Kirkel in der vergangenen Woche Nachwuchs wieder oder erstmals zu gewinnen.

Gefragt, ob Kinder heute überhaupt noch genügend Zeit hätten, sich in Vereinen zu engagieren, fiel Schmitts Antwort differenziert aus. Zwar sei „Wir im Verein mit Dir“ in der Zusammenarbeit mit dem Landessportbund eben auf Sport ausgerichtet, ihm seien aber kulturelle Vereine oder die Jugendarbeit der so genannten Blaulicht-Organisationen genauso wichtig. Zum Teil konkurrierend sehe er in der Tat die Nachmittagsbetreuung, so Schmitt, „die Zeiten verlagern sich. Wir versuchen aber im ganzheitlichen Ansatz Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen herzustellen. Die Vereine sollen dabei aber kein Ersatz sein für eine schulische Freizeitgestaltung.“ Vielmehr sollte den Kindern Sport nahe gebracht werden, um so vielleicht den einen oder die andere zum Eintritt in einen Verein zu bewegen. Gerade der Sportverein, war sich Schmitt sicher, liefere auch mit seinem Wettkampfaspekt wichtige Lernimpulse. „Sich messen, gewinnen, verlieren – das gehört zur Charakterbildung dazu.“ So würden sich Kinder selbstwirksam erleben, „wenn sie diese Facetten mitbekommen. Deswegen versuchen wir, Kontakte herzustellen – und im Nachhinein als Partner der Vereine und der Schulen Hilfe zu geben.“ Hier biete man auch die Möglichkeit, Vereins-Ehrenamtliche pädagogisch zu schulen, denn: „Nicht jeder, der Übungsleiter ist, hat auch eine entsprechende pädagogische Ausbildung.“

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