Steinerne Zeugen der Geschichte

Homburg. "Es sind vor allem die Farben der Fassaden, die mich immer wieder hierherziehen." Karl Soziak ist an diesem Morgen in der Homburger Altstadt unterwegs. "Ich schaue immer mal wieder hier durch die Gassen, wenn ich in der Nähe bin", erzählt der Mainzer

Ganz gleich ob historisch-echt oder neuzeitlich "hinzugedichtet": Die Homburger Altstadt bietet auch im Detail genug Anlass für einen ausgedehnten Rundgang.

Homburg. "Es sind vor allem die Farben der Fassaden, die mich immer wieder hierherziehen." Karl Soziak ist an diesem Morgen in der Homburger Altstadt unterwegs. "Ich schaue immer mal wieder hier durch die Gassen, wenn ich in der Nähe bin", erzählt der Mainzer. Obwohl selbst in seiner Heimatstadt mit einem prächtigen Dom und einer schmucken und belebten Altstadt "gesegnet", ist er ein Fan des alten Homburgs. "Hier ist nicht alles so steril auf 'schöne Altstadt' getrimmt. Oft sind es kleine Zeichen des Verfalls, Gelebtes und Verlebtes, die die Homburger Altstadt immer wieder anders und für mich immer wieder neu machen." Sprichts, wirft noch einen Blick über die Häuserfronten am historischen Marktplatz, steigt in sein Auto und macht sich auf nach Saarbrücken. Ein Termin drängt den Handelsvertreter. So wie Soziak sehen viele die Altstadt am Fuße des Schlossbergs. Dominiert durch die beiden großen Stadtkirchen, zentral organisiert nach Vauban'schem Muster um den historischen Marktplatz, strahlt die Homburger Altstadt für Besucher wie Karl Soziak Leben und Geschichte aus, mal schön, mal nicht weniger dramatisch schrecklich. Zeugt der Marktplatz mit seiner schmucken Umbauung von historischer Bedeutung, kann man hier und dort, wie an der ehemaligen Wirtschaft Cappel, mit Hinweistafeln in die Geschichte blicken, so zeugt nur einen guten Steinwurf davon entfernt die Ruine der ehemaligen Synagoge von den dunklen Jahren in der Homburger Geschichte. Beiden Bauwerken ist gemein: Sie künden in Stein von den Höhen und Tiefen der Stadt. In den zurückliegenden Jahren haben sich viele Engagierte wieder bewusster mit der Baugeschichte und damit mit den Ereignissen längst vergangener Jahre befasst. Sebastien Le Prestre de Vauban, der große Baumeister Ludwig XIV., wurde als Ikone der Bauhistorie wieder mehr ins Bewusstsein der Homburger und ihrer Gäste gerückt. Nicht zuletzt die zahlreichen organisierten Stadtrundgänge unter ganz unterschiedlichen Themenschwerpunkten sollen die Geschichte Homburgs, heute meist in Stein manifestiert, wieder zum Leben erwecken. Dabei ganz vorne mit dabei: der Barock-Experte Klaus Friedrich, Initiator zahlreicher Veranstaltungen zur wechselvollen Geschichte Homburgs. Mit seinen Führungen rund um die Zeit des Barock, die Medizingeschichte - nicht unerheblich am Standort eines Universitätsklinikums - oder zur Vauban'schen Vergangenheit der ehemaligen Festungsstadt hat sich Friedrich über die Grenzen Homburgs hinaus einen Namen gemacht. Doch auch wer abseits geführter Stadtrundgänge die Homburger Altstadt erkunden will, kann auf seine Kosten kommen. Immer wieder weisen die schon erwähnten Informationstafeln an besonderen Orten auf die geschichtliche Bedeutung des einen oder anderen Bauwerkes hin. Und wer noch ein bisschen genauer hinschaut, der entdeckt im Detail viel Sehenswertes, seien es Relikte der bayerischen Vergangenheit Homburgs, verspielte Details wie ein alter Briefkasten oder anmutige Baustrukturen des Barock. Immer wieder lohnend dabei: der Blick nach oben. Hier bieten die Fassaden, gerade rund um den historischen Marktplatz, mit ihren architektonischen Zitaten vergangener Bauepochen, ihren Farbgebungen und ihren teils üppigen Formen genug "Futter" für lange Betrachtungen "über den Dächern von Homburg". Tamara Lambert lebt gern in Homburg, weil alle ihre Freunde in der Nähe wohnen und es viele Plätze gibt, an denen sie sich treffen können. Bildautor: Christian Schäfer/SOL.DE

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