Regenwasser in neuen Bahnen

Nach rund zweijähriger Bauzeit verfügt Kirkel-Neuhäusel über ein modernisiertes Regenwasserabführsystem. Staukanal, Drosselbauwerk und Regenüberlaufbecken sorgen für einen geregelten Abfluss.

Nach rund zwei Jahren Bauzeit konnte der Entsorgungsverband Saar (EVS) am Mittwoch gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern von Kirkel-Neuhäusel die neu gebaute Regenwasserbehandlung für die Ortslage offiziell in Betrieb nehmen. Rund drei Millionen Euro investierte der EVS in die Maßnahme, die durch ihre Lage in einem Wasserschutzgebiet besonderen wasserrechtlichen Anforderungen genügen muss.

Neuer Staukanal

In einem ersten Bauabschnitt wurde durch den Umbau eines Regenüberlaufbauwerkes im Bereich des Kirkeler Schwimmbades die bisherige Entlastungsleitung zu einem Staukanal umfunktioniert. Gleichzeitig wurde in einem Teilstück des Hauptsammlers, das vom Schwimmbad bis in Höhe der Teichanlage des Angelsportvereins verläuft, ein Drosselbauwerk gebaut. So wurde zusätzlich Stauvolumen von insgesamt 1000 Kubikmetern geschaffen. 1325 Kubikmeter Stauvolumen wurden darüber hinaus durch den Neubau eines Regenüberlaufbeckens in unmittelbarer Nähe der Teichanlage des Angelsportvereins gewonnen.

In einem zweiten Bauabschnitt begannen im August 2014 die Bauarbeiten an der Blieskasteler Straße. Hier wurde das bestehende Regenüberlaufbauwerk komplett erneuert sowie die alte Regenauslassleitung zurückgebaut und durch einen offenen Graben ersetzt. Im Januar 2015 wurde mit dem letzten Bauabschnitt begonnen, der die Sanierung des Stauraumes am Kirkeler Schwimmbad beinhaltet.

Obwohl mit dem Bau des Regenüberlaufbeckens eine neue Einleitstelle in den Kirkeler Bach geschaffen wurde, bleibt auf Wunsch der Gemeinde die alte Einleitstelle auch weiterhin in Funktion, um die jährliche Leerung des Naturfreibades weiterhin zu ermöglichen.

Ein Regenüberlauf ist ein Bauwerk innerhalb der Mischwasserkanalisation, das bei Starkregen der Entlastung des Kanals von Regenwasser dient. Kläranlagen sind üblicherweise auf den zwei- bis dreifachen Schmutzwasserzufluss und eine bestimmte Menge Fremdwasser ausgelegt, das heißt, diese Zuflussmengen können von der Anlage bewältigt werden. Da bei Starkregen der Regenwasserabfluss bis zum Tausendfachen des Schmutzwasserabflusses ausmachen kann, ist eine Begrenzung des Kläranlagenzuflusses notwendig. Hierzu dient der Regenüberlauf, der den Kanal hydraulisch entlastet. Bei Regen wird dann ein Vielfaches des normalen Schmutzwassers weiter zur Kläranlage geleitet. Durch die Weiterleitung dieses hohen Mischwasserabflusses ist auch gewährleistet, dass es bei kleineren Regenereignissen nicht zu Abschlägen in das Gewässer kommt. Das bei Starkregen ins Gewässer abgegebene Mischwasser ist so stark verdünnt, dass eine Einleitung absolut unkritisch ist.

Da der Kläranlagenzufluss unmittelbar vor der Kläranlage auf den zwei- bis dreifachen Schmutzwasserzufluss begrenzt werden muss, wird spätestens hier eine weitere Drosselung erforderlich. Diese wird wiederum durch ein Regenüberlaufbecken bewirkt, das nicht nur über einen Überlauf, sondern auch über ein hohes Speichervolumen verfügt.

Steuerung des Abflusses

Das hier gespeicherte Abwasser wird nach Abklingen des Regenereignisses mithilfe einer Abflusssteuerung dosiert über den Hauptsammler in Richtung Kläranlage abgegeben.