Orden nach Maß aus der Heimat

Rohrbach/Homburg/Bexbach/Kirkel. Die heiße Phase der Fastnacht nähert sich ihrem Ende. Kappensitzungen sind über die Bühne gegangen, Ordensmatineen wurden gefeiert, fehlen noch die Umzüge durch die Straßen

Rohrbach/Homburg/Bexbach/Kirkel. Die heiße Phase der Fastnacht nähert sich ihrem Ende. Kappensitzungen sind über die Bühne gegangen, Ordensmatineen wurden gefeiert, fehlen noch die Umzüge durch die Straßen. Bleibt die Frage: Woher kommen überhaupt die Orden, die von den Sitzungspräsidenten oder Tollitäten an verdiente Faasebooze überreicht werden? Ein Großteil der Ehrenzeichen, die in unserer Region um die närrischen Hälse gelegt werden, werden in Rohrbach produziert. Ganz richtig: hier produziert! Und nicht nur bestellt, entworfen und dann in China geordert. Gegen diesen Trend, immer aufwendigere Ehrenzeichen möglichst kostengünstig im Reich der Mitte gießen zu lassen, wehrt sich Stefan Kayser, Chef der Rohrbacher Firma VGS-Heib, entschieden. "Klar, je aufwendiger ein Orden gestaltet wird, desto teurer wird er. Da muss dann eine Vergoldung dran. Eine Kordel reicht nicht, sondern es muss schon eine Kette her. Da werden hier und da noch Steinchen aufgebracht und vielleicht dürfen es noch zwei bis fünf Gesichter mehr sein. Solche Orden kann man hier in Deutschland nicht mehr in einem bezahlbaren Rahmen herstellen. Aber solche Orden müssen es ja nicht unbedingt sein", sagt der 43-jährige Werkzeugmacher und Zinngießermeister. Für ihn gilt: "Ein Orden muss plakativ sein, ein Motto rüberbringen und karnevalistisches Brauchtum vermitteln. Es sei denn, es handelt sich um ein Jubiläum. Dann darf's auch etwas mehr sein." Und damit liegt er goldrichtig. 5000 bis 6000 Orden stellt er in seinem Betrieb jedes Jahr für die "Tollen Tage" her. "Und meine Kunden sind zufrieden. Die haben nicht den Eindruck, minderwertige Ware zu bekommen." Für fünf bis acht Euro pro Stück bekommt man sehr ansprechende Orden bei Kayser. Dass viele seiner Kollegen ihre Entwürfe in China umsetzen lassen, hält er schlicht für unnötig. Den einzigen Grund für diesen Trend vermutet er im Kampf um den Titel "Schönster Karnevalsorden", den der Verband Saarländischer Karnevalsvereine verleiht. "Die, die sich da Chancen ausrechnen, lassen auswärts produzieren, weil's sonst nicht bezahlbar wäre." Er selbst habe bereits Kunden aus diesem Grund verloren. Dabei bietet Kayser seinen Kunden die "Begleitung" ihres Ordens von der Idee bis zum verpackten Endergebnis an. "Das läuft normalerweise so ab, dass der Verein mit einem Motto oder einer Idee kommt - manchmal gibt's nicht einmal eine Idee. Wir setzen uns dann zusammen und entwerfen etwas. Die Kunden können bei uns den Orden von Anfang bis Ende in der Produktion begleiten. Und wenn kurzfristig ein paar Orden fehlen, können wir ganz schnell Abhilfe schaffen. Ich denke nicht, dass das bei den chinesischen Orden auch so unkompliziert funktioniert." "Die Kunden können bei uns den Orden in der Produktion begleiten." Stefan Kayser