Theaterprojekt: Offene Türen für das situative Theater

Theaterprojekt : Offene Türen für das situative Theater

20 Laiendarsteller haben sich in Limbach auf ein neues Projekt eingelassen. Gemeinsam mit Regisseur Eugen Georg haben sie ein Theaterstück geprobt.

Was in den zurückliegenden Wochen mitten in Limbach geschehen ist, das war für die Burggemeinde an sich etwas völlig Neues: Als Teil des Projektes „Kultur + im Saarpfalz-Kreis“ residierte der Saarbrücker Künstlers und Regisseur Eugen Georg in Kirkel. Seine Aufgabe: Mitten im Ort und aus dem Ort heraus ein situatives Theaterstück zu entwickeln, mit Geschichten, Akteuren und Aktiven eben aus dem Ort. Entstanden ist das Theaterstück „Das Storchennest“ – ein Werk, das in den zurückliegenden acht Wochen in einem aktiven Miteinander zwischen Georg und den rund 20 Teilnehmern des einzigartigen Projektes entstanden ist.

Schauplatz dieses Schaffensprozesses war der ehemalige Schlecker-Markt in der Limbacher Ortsmitte, heute das Zuhause der Familie Nägle – und schon seit langem ein Ort ungewöhnlicher Projekte mit kulturellem und gesellschaftlichem Hintergrund.

Genau dort trafen wir gestern Morgen Eugen Georg, inmitten einer gegenwärtig zur Theaterwerkstatt umfunktionierten Kreativ-Landschaft. Sägespäne, Farben, Teile der Kulisse für die Aufführung am Samstagabend in der Limbacher Dorfhalle – all das zeugt davon, das hier in den zurückliegenden Wochen mit viel Engagement gearbeitet wurde.

Dabei war der zentrale Gedanke des Projektes: Es sollte allen Interessierten auf niedrigschwellige Art offenstehen, wer mitmachen wollte, gleich in welcher Funktion, der konnte einfach mittwochs um 18 Uhr in der Theaterstunde im Studioraum vorbeischauen, sich einen Eindruck verschaffen und sich dann ganz individuell einbringen. Ein zweiter wichtiger Aspekt: „Es ging darum, dieses Theaterprojekt ‚1 bis 2 Stunden‘ als Künstlerresidenz zu präsentieren. Das bedeutet, dass der Künstler vor Ort ist, auch in der Gemeinde für den Projektzeitraum wohnt, er ist hautnah erlebbar“, erläuterte Georg gestern. So sei es auch in keinem Moment der Zweck der gemeinsamen Proben gewesen, etwas im stillen Kämmerlein zu erschaffen und es dann einfach einmal einem Publikum zu präsentieren, „sondern es geht eben genau um die Offenheit der Produktion, die wir auch mit der Wahl des Studio-Ortes darstellen wollten. Es sollte ein Kommen und Gehen provoziert werden“. Für ihn selbst sei die Kombination aus „Künstlerresidenz“ und „Theaterproduktion“ in dieser Form eine Premiere, „das war etwas Neues für mich“. Dabei unterscheide sich seine Erwartungshaltung schon von dem, was nun entstanden sei. „Das bin ich vom Theater gewohnt. Dort, aber auch in der Kunst im Allgemeinen, hat man eine Vorstellung – und das, was am Schluss rauskommt, ist doch immer anders.“ Dabei gebe es auch immer eine emotionale Talfahrt, „das ist immer so. Am Anfang ist man euphorisch.“ Gerade beim Projekt in Kirkel habe er dann aber durchaus Schwierigkeiten gehabt, den Menschen die Idee hinter „1 bis 2 Stunden“ nahe zu bringen. „Da habe ich einen gewissen Widerstand bemerkt. Das ist nicht schlimm, Widerstand und Kritik sind in Ordnung – es hätte einfach ein bisschen weniger sein können. Ich hätte mir gewünscht, dass die Tür des Theater-Studios öfter aufgegangen wäre, egal ob die Menschen dann mitmachen oder nicht. Mir war aber durchaus klar, dass das keine Riesen-Truppe wird.“

Mit dem, was nun am morgigen Samstag in der Limbacher Dorfhalle aufgeführt werden soll, sei er dabei aber zufrieden. Auch, weil das Amateurtheater mit seiner Ehrlichkeit einen ganz besonderen Reiz habe, „die Direktheit ist viel stärker als bei Profis und bei aufgeblasenen Produktionen. Das fasziniert mich und das will ich auch dem Publikum mitgeben. Ich will zeigen, was möglich ist.“

Bei dem nun entstandenen Theaterstück „Das Storchennest“ greife man auf ganz unterschiedlichen Ebenen den Begriff Heimat auf – das Werk stehe aber auch für den Entwicklungsprozess des Theaterstücks selbst. Grundsätzlich, so Eugen Georg, stehe seine Künstlerresidenz und das so entstandene Theaterstück auch für seine Botschaft, dass Theater und Kunstwerke auf Beteiligung basieren sollten. „Wir leben in einer Konsumgesellschaft. Und wir wollen, dass nicht mehr konsumiert, sondern mehr selbst produziert wird.“

So sei es bei dem Projekt vor allem auch darum gegangen, die Menschen aus der Rolle des Konsumenten rauszuholen und sie zum Produzenten zu machen. „Wenn man sieht, was man selbst gemacht hat, dann bekommt man ein ganz anderes Gefühl.“

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