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Neue Töne für die deutsche Geschichte

Neue Töne für die deutsche Geschichte

Altstadt. Wie sich die drei Musiker da vorne in der Altstadter Martinskirche gruppiert hatten, war nur auf den ersten Blick verwunderlich

Altstadt. Wie sich die drei Musiker da vorne in der Altstadter Martinskirche gruppiert hatten, war nur auf den ersten Blick verwunderlich. Mit Taufbecken, Altar, Predigtpult und großem Kreuz als Kulisse, klaffte zwischen Amby Schillo und Michael Marx einerseits sowie Nino Deda viel weiter rechts eine zunächst rätselhafte Lücke Aber nicht unüberbrückbare Animositäten waren der Grund für diese Distanzierung, sondern allein der Aktionsradius, den der Mann am Akkordeon hatte. Wenn er sich ins Zeug legte und sich seinem Instrument mit konzentrierter Innigkeit hingab, dann brauchte er eben reichlich Platz und Sicherheitsabstand. "Lieder der Poesie" hatte das Trio das Konzert überschrieben, zu dem der Förderverein der Martinskirche zusammen mit der Kirchengemeinde auf den Galgenberg eingeladen hatte. Leider war nur knapp die Hälfte der Kirchenbänke besetzt. Pfarrer Wolfgang Glitt führt dies auf das schöne Wetter zurück. Dass die Kirche über eine exzellente Akustik verfügt, dokumentierte sich bei dieser Gelegenheit einmal mehr. Ohne Mikrofone und ohne elektrischen Verstärker brachten Schillo, Marx und Deda ihr Programm "Neue Töne für deutsche Gedichte" stilgerecht unplugged zu Gehör. Ein Streifzug durch gut eineinhalb Jahrhundert deutschsprachiger Lyrik von höchsten Niveau wurde dem Publikum im Verlauf des knapp eineinhalbstündigen Programms kredenzt. Rainer Maria Rilke, Joseph von Eichendorff, Heinrich Heine, Hermann Hesse, Kurt Tucholsky, Erich Mühsam, Erich Kästner, Erich Fried, Joachim Ringelnatz - Autoren, die zur Crème de la Crème deutscher Poesie in den vergangenen 150 Jahren zählen, hatte sich das Terzett ausgesucht und deren kunstvolle Verse in Melodien verpackt. Es war beileibe kein simpel-eingängiger Mainstream, mit dem die hochklassige Literatur zu Gehör gebracht wurde. Anspruchsvolle und abwechslungsreiche Klangteppiche, in denen vielerlei Instrumente zum Einsatz kamen, betteten die wohl gewählten Dichterworte ein. Ganz gleich, ob Amby Schillo den Bass bediente oder die gleichzeitig als Sitzgelegenheit verwendete Cajon betrommelte, ob Michael Marx Gitarre spielte oder sich an das Duduk - ein flötenähnliches Instrument armenischen Ursprungs mit einer weiten, zylindrischen Bohrung und einem extrem großen Doppelrohrblatt - wagte, ob Nino Deda mit seinem Akkordeon brillierte: Immer wieder hatte es den Anschein, als ob ein jeder für sich eigenen Tonfolgen nachhing, die im Zusammenspiel dann aber doch zur gemeinsamen Melodie zusammenkamen. bam