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Nach dem Wahlsieg wartet der Alltag"Die Schmach von 2000 ist getilgt"

Nach dem Wahlsieg wartet der Alltag"Die Schmach von 2000 ist getilgt"

Kirkel. Montagmorgen, neun Uhr, ein entspannter Wahlverlierer Armin Hochlenert. Auf die Frage nach der Stimmungslage, meint er gegenüber unserer Zeitung: "Die ist bestens, ich habe keine Probleme mit dem Wahlausgang. Ich habe mein Bestes gegeben, es hat nicht gereicht

Kirkel. Montagmorgen, neun Uhr, ein entspannter Wahlverlierer Armin Hochlenert. Auf die Frage nach der Stimmungslage, meint er gegenüber unserer Zeitung: "Die ist bestens, ich habe keine Probleme mit dem Wahlausgang. Ich habe mein Bestes gegeben, es hat nicht gereicht." Dennoch macht er auch keinen Hehl daraus, dass er durchaus enttäuscht ist: "Ich wäre den erfolgreichen Weg für die Gemeinde gern weitergegangen, aber es scheint jetzt wieder Kirchturmpolitik nach alten Konzepten gewünscht zu sein. Hoffentlich gehen wir in Kirkel jetzt nicht zurück in die achtziger Jahre."Wie geht es nun weiter? "Ich werde meine Aufgabe als Bürgermeister wie bisher zum Wohl der Bürger bis zum Ende der Amtszeit am 30. Juni fortführen und meinem Nachfolger eine erfolgreiche Gemeinde mit einem ausgeglichenen Haushalt übergeben." Definitiv steht allerdings fest, dass Hochlenert anschließend - nach 38 Jahren öffentlicher Dienst - in Ruhestand gehen wird. "Ich freue mich, dass ich dann mehr Zeit mit meinem Enkel Ben, der am 6. Dezember zwei Jahre alt wird, verbringen kann." Erstmal wird Hochlenert ab heute für acht Tage in Urlaub fahren, bevor er seine letzten Amtsmonate in Angriff nehmen wird.Derweil war der Wahlsieger Frank John (36, SPD) auf dem Weg nach Saarbrücken. Dort wurde er am frühen Nachmittag in der Landespressekonferenz vorgestellt. Bis Mitternacht wurde am Sonntag der Sieg gefeiert, erzählt John. Nach dem Abstecher in die Landeshauptstadt beginnt für ihn bereits wieder der Alltag. Am gestrigen Abend tagte der Limbacher Ortsrat. Ab heute sitzt er wieder an seinem Schreibtisch im Landratsamt - das Leben geht weiter. Und an Urlaub ist vorerst nicht zu denken. "Der Kreis stellt bis Jahresende auf doppelte Haushaltsführung um (Stichwort: Doppik), da muss ich meine freien Tagen auf das kommende Jahr verschieben." Was will er ab Juli verändern in der Gemeinde? "Ich werde wieder mehr auf die Wünsche der Ortsräte und des Gemeinderates eingehen. Die Verwaltung muss die Leute vor Ort auch schneller und umfangreicher informieren." Diese Änderungen sollen aber nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. "Alle Veränderungen brauchen Zeit, und ich will sie gemeinsam mit den Leuten in der Verwaltung angehen", so John.SPD-Fraktionssprecher Peter Voigt im Gespräch mit unserer Zeitung: "Ich bin wahnsinnig glücklich darüber, dass unser Mann gewonnen hat. Die Kirkeler Bürger wollten den Wechsel." Jetzt gelte es, das Wahlergebnis in die Kommunalwahlen zu transportieren. Kirkel-Neuhäusels Ortsvorsteher Hans-Peter Schmitt (SPD): "Die Anstrengungen der letzten 14 Tage haben sich ausgezahlt. Was meinen Ort betrifft, hat Frank John an den Haustüren einiges an Zuspruch erhalten." Gegenüber dem ersten Wahlgang habe John in Kirkel-Neuhäusel zugelegt, "Hochlenert war hier nicht zu toppen". Altstadts Ortsvorsteher Rudi Enkler (SPD) überraschte das Ergebnis letztlich nicht mehr - "das hat sich abgezeichnet, die Hausbesuche in Altstadt sind sehr gut angekommen". CDU-Fraktionssprecher Hans-Josef Regneri, der auch Gemeindewahlleiter war, hielt sich mit Äußerungen eher zurück: "Emotionen gehören nicht in die Politik. Wir müssen das Ergebnis akzeptieren und dann analysieren." Große Enttäuschung bei CDU-Wahlkampfmanager Markus Frank, der von einer reinen "Kirchturmwahl" sprach. Dennoch werde die CDU-Fraktion weiterhin konstruktiv im Gemeinderat ihre Ideen vorantreiben. Kirkel. Ein knappe Stunde nach der Wahl von Frank John zum neuen Kirkeler Bürgermeister hatten sich Sieger und Verlierer des Urnenganges in ihre Wahlstützpunkte zurückgezogen - um entweder ausgiebig zu feiern oder Wunden zu lecken. In "Wasems Eck" in Limbach waren es die Anhänger von Frank John, die ihren erfolgreichen Kandidaten bis spät in den Abend feierten. Den aktiven Wahlhelfern war die Erleichterung über den Sieg deutlich anzumerken. "Mit diesem Erfolg hat sich die ganze Arbeit gelohnt", freute sich auch Axel Schott, der an den zurückliegenden Wochenende die Samstage meist an Wahlständen verbracht hatte. Auch immer wieder Thema an diesem Abend bei der Siegesfeier: Die verlorene Ur-Wahl der SPD im Jahr 2000. Schott: "Damals waren wir an der Niederlage selber Schuld. Mit dem Sieg heute ist die Schmach von damals getilgt." Auch SPD-Landeschef Heiko Maas feierte in Limbach den Sieg von Frank John - nicht verwunderlich, hatten die Sozialdemokraten den Entscheid in Kirkel doch auch zum Richtungszeichen für die kommende Landtagswahl erklärt. "Frank John gehört zu den jungen Nachwuchskräften der SPD im Saarland. Der Sieg in Kirkel ist für ihn und uns ein großer Erfolg." Und weiter: "Es passiert nicht so häufig, dass ein amtierender Bürgermeister abgewählt wird. Mit der CDU geht's landesweit bergab, mit der SPD Schritt für Schritt bergauf. Kirkel war dabei ein wichtiger Mosaikstein." Philipp Weis von den Jusos: "Es ist einfach ein schönes Gefühl, wenn man einen jungen Bürgermeister hat." Für Weis war es zudem vor allem die Präsenz von John in den Vereinen und Gremien, die den Kandidaten auszeichnet. Tristesse herrschte hingegen im CDU-Hauptquartier im Altstadter Dorfbrunnen. Um kurz nach 20 Uhr harrten nur noch wenige Anhänger bei einem Bier aus, betrieben Wahlanalyse und zogen ein erstes Resümee. "Im Wahlkampf wurden tiefe Gräben zwischen den Ortsteilen gezogen. Es wird in den kommenden Jahren schwierig werden, für die Gemeinde als Gesamtheit zu arbeiten", war sich der Vorsitzende der Kirkeler CDU, Andreas Kondziela, sicher. Armin Hochlenerts Nachfolger wünschte er dennoch ein "glückliches Händchen", stellte aber aus seiner Sicht auch klar: "Frank John kann sich in ein gemachtes Bett legen." thwMeinung

Rückenwind für die SPD

Von SZ-RedakteurPeter Neuheisel Dass Frank John auch die Stichwahl gewinnen würde, war für viele keine Überraschung mehr. Doch herrschte bis Auszählung des letzten Wahlbüros im Feuerwehrhaus, wo die Ergebnisse zusammenliefen, fast schon Totenstille. Dann brachen alle Dämme, unbeschreiblicher Jubel brauste auf. Als Außenstehender konnte man nur erahnen, welche Last von den Sozialdemokraten gefallen ist. Die Schmach von 2000, als ein politischer Neuling die SPD-Hochburg Kirkel nach der Selbstzerfleischung der Genossen eingenommen hatte, war riesengroß, die Wunden bis Sonntag noch immer nicht verheilt. Jetzt scheint die Welt am Fuße der Burg für die Sozialdemokraten wieder in Ordnung. Gleich steigt auch der Optimismus hinsichtlich der Kommunalwahl 2009. Hier gilt es, die absolute Mehrheit zurückzuholen. Und in der Tat scheinen die Chancen dafür so schlecht nicht zu stehen. Aber - zuvor ist Überzeugungsarbeit in Kirkel-Neuhäusel angesagt. Dort ist die SPD ins Hintertreffen geraten - eine Mammutaufgabe für Frank John. Die Wahlverlierer von der CDU dürfen sich nicht allzu lange ihre Wunden lecken. Das Ergebnis vom Sonntag ist so schlecht nicht, wenngleich man im Moment nicht weiß, ob es in die Kommunalwahlen übertragbar ist. Es könnte spannend bleiben in Kirkel. Auch für die Grünen, die nach der Schlappe für Axel Leibrock im ersten Wahlgang derzeit nicht wissen, wo sie stehen.