Museum in Jägersburg erinnert an die Herzöge von Pfalz-Zweibrücken

Jägersburg : Ein Jagdschloss, das bewegte Zeiten überlebte

Ein Museum in Jägersburg bei Homburg erinnert an die große Zeit der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken, die im 18. Jahrhundert hier jagten.

Naherholung gab es nicht im 18. Jahrhundert. Allein das Wort hätte schon ein gewisses Erstaunen hervorgerufen. Zumal sich die armen Leute – und das waren fast alle –, ohnehin nicht erholen konnten, auch nicht in der Nähe. Und die Reichen, wenn sie sich denn erholten, darunter eher eine erfolgreiche Jagd verstanden als einen Familienausflug mit Tretbootfahren.

Womit man schon beim Thema wäre, denn heute ist das Waldgebiet um den kleinen Ort Jägersburg, der zu Homburg gehört, tatsächlich ein Naherholungsgebiet. Spaziergänger lieben die idyllisch gelegenen Weiher, die wunderbaren Spazierwege, den Kletterpark und die Tretboote auf dem Brückweiher.

Bis zur französischen Revolution lag hier das bevorzugte Jagdgebiet der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken. Auch sie liebten den Wald, die Weiher und die idyllische Lage, ganz ohne Kletterpark und Tretboot. Die Spielzeuge des damaligen Adels waren nämlich bedeutend teurer: Pferde, Gemälde, Schlösser. Eines davon stand in Jägersburg – ein hufeisenförmig angeordnetes Schloss mit zwei Pavillons davor. Herzog Christian IV. von Pfalz-Zweibrücken ließ das Schloss durch den Pariser Hof­architekten Pierre Patte nach dem Vorbild des Grand Trianon in Versailles errichten, Madame Pompadour soll sogar die Pläne dafür zur Verfügung gestellt haben. Kein Wunder, sie galt als eine gute Freundin des Zweibrücker Herzogs.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Schloss von Revolutionstruppen und von Einheimischen zerstört – es soll einer der bedeutendsten Bauten des Frühklassizismus in Deutschland gewesen sein.

Herzog Christian IV. hatte zusätzlich 1751 einen der führenden deutschen Gartenarchitekten seiner Zeit, Ludwig Petri, mit dem Bau einer Park­anlage zum Schloss Jägersburg beauftragt, in die auch ein kleines Jagdschloss integriert werden sollte. Der Originalplan verbrannte im Zweiten Weltkrieg, doch man hat noch Kopien.

Eine davon hängt heute im Museum der Jägersburger Gustavsburg. Und bei dieser Gustavsburg handelt es sich just um jenes Jagdschlösschen, das als einziges Relikt der Schlossanlage die Revolution überlebt hat und heute noch steht. Vom großen Schloss blieb fast nichts übrig: ein Stück Wasserleitung aus Ton, ein paar Bodenplatten und eine Meerschaumpfeife. Diese bescheidenen Relikte künden kaum von der einstigen Pracht, sondern wirken eher wie eine Ironie der Geschichte. Heute sind diese wenigen Teile in einer Vitrine im Jagdschlösschen Gustavsburg zu sehen.

Die Gustavsburg am Jägersburger Schlossweiher ist damit eines der wenigen noch erhaltenen Zeugnisse aus der Zeit der Wittelsbacher Herzöge aus dem Hause Pfalz-Zweibrücken. Im 14. Jahrhundert war die Gustavsburg allerdings noch kein hübsches Schlösschen, sondern eine Wasserburg mit Wehrtürmen und einer Zugbrücke. Einen abgebrochenen Turm kann man heute noch sehen. Pfalzgraf Johann ließ die mittelalterliche Wasserburg 1590 zu einem Renaissance-Schloss umbauen, nach der Zerstörung im 30-jährigen Krieg wurde daraus ein Wohnhaus mit Scheuer und Stallungen. Herzog Gustav Samuel Leopold von Pfalz-Zweibrücken ließ schließlich nach Plänen des schwedischen Hofarchitekten Jonas Erikson Sundahl 1720 eine Kapelle und einen Wohntrakt errrichten und benannte das Schloss nach sich: Gustavsburg.

Über 80 Jahre diente die Gustavsburg als Jagdschloss, hier trafen sich der Herzog und seine Gäste zu den beliebten Parforcejagden, es wurden sogar Zäune errichtet, um das Wild auf dem herzöglichen Grund zu halten, damit ja kein Hirsch verloren ging.

Als die Revolution der feudalen Jagdlust schließlich ein Ende setzte, wurde die Gustavsburg bürgerlich, 1803 ersteigerte sie ein Förster, der sie später der bayrischen Forstverwaltung übergab. 1973 kam sie in Besitz der Gemeinde Jägersburg, von 1978 bis 1981 wurde sie mit Landesmitteln restauriert und gehört heute der Stadt Homburg.

Im ersten Stock der Burg befindet sich ein kleines Museum, das von dem ehemaligen Redakteur und Hobbyhistoriker Gustl Altherr kenntnisreich – und natürlich ehrenamtlich – betreut wird. „Wir sind kein Heimatmuseum“, betont er, „wir wollen einen Abriss der Geschichte des 18. Jahrhunderts geben, aus der Zeit der Herzöge von Pfalz-Zweibrücken.“ Dazu gehören alte Stiche und ein Modell des längst verschwundenen Schlosses, Gartenpläne, Wappen und Kopien von Porträts der Herzöge. Interessant ist auch der Raum, der dem Régiment d’infanterie de Royal Deux-Ponts gewidmet ist.

Das war das Königliche Infanterieregiment Zweibrücken. In ihm dienten angeworbene junge Männer aus der heutigen Saarpfalz dem König von Frankreich. Die Soldaten kämpften nachweislich im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg 1781 in Amerika und siegten gegen die Engländer in der Schlacht von Yorktown.

Neben einer original nachgeschneiderten Uniform hängen in diesem Raum auch auch eine Kopie der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung und die Fahne des Regiments. Das Museum in der Gustavsburg ist nur sonntags geöffnet, dann führt Gustl Altherr durch die Räume und lässt die Geschichte des 18. Jahrhunderts der Herzöge wieder aufleben. Angesichts der alten Stiche werden die Besucher immer etwas melancholisch, dass von der barocken Pracht der Schlösser – neben Schloss Jägersburg stand auch in Homburg ein bedeutendes Schloss, nämlich Schloss Karlsberg – so gut wie nichts mehr übrig ist. Aber es ist im Grunde ja der Sinn von Museen: Geschichte vor dem Vergessen zu bewahren. Und dafür ist das kleine Museum in der Jägersburger Gustavsburg ein hervorragendes Beispiel.

So sahen die Soldaten des Zweibrücker Regiments aus, die im amerikanischen Yorktown mithalfen, für die Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten zu kämpfen. . Foto: Christine Maack
Direkt hinter der Mauer der Gustavsburg liegt der romantische Schlossweiher, um den ein Spazierweg herumführt. Gustl Altherr ist Museumsleiter und führt sonntags kenntnisreich durch die Räume des kleinen Museums. Foto: Christine Maack
Teile des alten Wehrturms stehen noch. Dort, wo der Wehrturm an das gelbe Gebäude stößt und ein Efeu an der Wand hochwächst, war früher die Zugbrücke befestigt. Foto: Christine Maack

Alle Serienteile finden sich im Internet unter www.saarbruecker-zeitung.de/museen-im-saarland