Moderner Jazz in der Alten Mühle

Limbach. Zwar zu viert, aber scheinbar viel vielstimmiger, vital und vor allem virtuos - so präsentierte sich das Markus Hollinger Quartett bei seinem Gastspiel in der Limbacher Mühle. Jazz feinster Sorte war angesagt bei dem Auftritt des Ensembles, das seine Adresse in Würzburg hat, aber eigentlich aus jungen Musikern besteht, die in verschiedenen süddeutschen Gefilden zu Hause sind

Limbach. Zwar zu viert, aber scheinbar viel vielstimmiger, vital und vor allem virtuos - so präsentierte sich das Markus Hollinger Quartett bei seinem Gastspiel in der Limbacher Mühle. Jazz feinster Sorte war angesagt bei dem Auftritt des Ensembles, das seine Adresse in Würzburg hat, aber eigentlich aus jungen Musikern besteht, die in verschiedenen süddeutschen Gefilden zu Hause sind. Markus Hollinger, der Namensgeber und Kopf der Gruppe, gab sich gar als waschechter Homburger zu erkennen, und so löste sich das Rätsel denn schließlich schnell, wie die Kapelle den Weg in das Baudenkmal an der Blies gefunden haben könnte. Veranstaltet wurde die furiose Soirée vom Förderverein der Mühle. Dessen Vorsitzender Uwe Oldenburg stellte bei seiner Begrüßung das vielköpfige Publikum ganz behutsam auf ungewohnte Töne ein: "Wir riskieren einfach mal modernen Jazz in der alten Mühle", baute er vor. Es stellte sich freilich postwendend heraus, dass der Versuch, Alt und Neu zusammenzubringen, ein durchaus gelungenes Experiment war. Was zwischen massiven und rissigen alten Eichenbalken, den knarrenden Dielen und historischen Utensilien des Müllers zu Gehör gebracht wurde, überzeugte selbst jene Besucher, die sich nicht unbedingt als ausgewiesene Jazz-Fans sehen wollten. Es gelang den vier Musikern aber auch geradezu mühelos, ihre Zuhörer ganz klammheimlich in den Bann zu ziehen und über melodiöse Mainstream-Fragmente immer wieder in urplötzlich explodierende Jazzelemente weit abseits ausgetretener Pfade zu entführen. Wer sich im sicheren Hafen vermeintlich bekannter Klangfolgen wähnte, wurde in schöner Regelmäßigkeit wie aus heiterem Himmel in unbekannte, ungewohnte Geräuschkulissen katapultiert - um dann wieder ganz sanft und beinahe hypnotisch hinüber in die wohlvertraute Harmonie geleitet zu werden. Hohe tonale Türme, leise schnurrende Streicheleinheiten für die Instrumente hier, poppig-rockig-groovende Rhythmen, romantisch verträumte Sentenzen da - das waren die Eckpunkte, zwischen denen die vier jungen Instrumentalisten nachgerade beschleunigungslos hin und her eilten. Den einzelnen Stücken, fast ausnahmslos Eigenkompositionen von Markus Hollinger, war durchweg ein meditativer Unterton eigen, und so nahm es denn kaum Wunder, dass sie die Gehörgänge des Publikums im Sturm eroberten. Die Titel gaben aber auch schon einmal die Richtung vor, und so konnte, wer denn wollte, eine rasante Autofahrt durch die nächtlichen Straßen einer neonhellen Großstadt erleben ("That's why you'll never be a hero") oder einfach seiner Fantasie freien Auslauf gönnen - "Tagein, nachtaus" ließ da etwa viele Spielräume. Gefällig war das lockere Zusammenspiel des Quartetts, das jedem Instrument viel kreativen Raum ließ. Die Tasten des E-Pianos bediente der Augsburger Tobias Reinsch mit leidenschaftlicher Energie, während Bassist Thomas Hauser aus München scheinbar ganz eins war mit seinem Kontrabass, den er zeitweise mit gesanglichen Phrasen unterstützte. Drummer Fabian Hönes aus Stuttgart streichelte sein Schlagzeug gleichermaßen sensibel. An der E-Gitarre folgte schließlich Markus Hollinger souverän den Vorgaben auf den Notenblättern oder improvisierte fernab von Festlegungen nach Gusto. "Wir riskieren einfach mal Jazz in der alten Mühle."Uwe Oldenburg