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Missbrauchskandal erschüttert das Uniklinikum in Homburg

Schlimme Vorwürfe : Missbrauchs-Skandal erschüttert das Uniklinikum

Ende Juni wurde am Universitätsklinikum erstmals ein Verdacht auf Kindesmissbrauch publik, der die Verantwortlichen auch 2020 noch beschäftigen wird und noch lange nicht ausgestanden ist. Ganz abgesehen von der Rufschädigung für das Uniklinikum, die stets mit solch einem Skandal einhergeht.

Ein Assistenzarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie hatte möglicherweise im Zeitraum von 2010 bis 2014 junge Patienten im Alter von fünf bis 15 Jahren sexuell missbraucht. Die Klinikleitung erstattete Ende  2014 zwar Strafanzeige gegen den Assistenzarzt, sah aber davon ab, die Erziehungsberechtigten über den Missbrauchsverdacht zu informieren, was in den Augen der Betroffenen der zweite Skandal war. Der Arzt Mathias S., den die Uniklinik Ende 2014 fristlos feuerte, ist 2016 verstorben. Nach SZ-Informationen soll S. insgesamt mehr als 300 Patienten behandelt haben und dabei in ungewöhnlich vielen Fällen Untersuchungen im Genitalbereich durchgeführt haben.

Anlass dafür, dass die Vorfälle aus den Jahren 2010 bis 2014 erst jetzt ans Licht kamen, war ein Vermisstenfall, der die Polizei  kurzzeitig beschäftigte. Eltern hatten ein 13-jähriges Kind vermisst gemeldet. Bei der polizeilichen Aufnahme sollen sie eher beiläufig erfahren haben, dass der Name bereits vor Jahren in Zusammenhang mit möglichem Missbrauch aktenkundig wurde. Die Eltern fielen aus allen Wolken. Der verstorbene Assistenzarzt S. hatte, dafür spricht einiges, am Uniklinikum Förderer und Unterstützer. Obwohl 2011 bereits eine anonyme Anzeige aus der Belegschaft eingegangen war, stellte sein Chef, der Leiter der Kinder- und Jugendpsychiatrie, ihm Ende 2013 ein herausragendes Zeugnis aus. Dieser Leiter ist nun bis auf Weiteres vom Dienst suspendiert worden. Neben möglichen Missbrauchsfällen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie soll es auch in der HNO-Klinik zu einem Missbrauch eines sechsjährigen Mädchens gekommen sein. Hier laufen noch die Ermittlungen.