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Liturgie und Lieder fast ausschließlich in Mundart

Liturgie und Lieder fast ausschließlich in Mundart

Einmal ohne Batschkapp, aber mit der gewohnten Sprache sorgte Günther Hussong für eine vergnügliche Gottesdienst-Stunde in der Kirkeler Friedenskirche: Der Mundart-Kabarettist hatte Lieder und Texte umgeschrieben.

Eine mehr als vergnügliche Stunde erlebten die Besucher einer ganz besonderen Form des Gottesdienstes am vergangenen Samstag in der Friedenskirche. Zum ersten Mal hielt der Kirkeler Mundart-Kabarettist und Mundartautor Günther Hussong - einmal ohne Batschkapp - einen Gottesdienst in Mundart. Liturgie und Lieder waren von ihm fast ausschließlich in Mundart verfasst.

Unterstützt wurde er vom Hochdeutsch sprechenden Pfarrer Falk Hilsenbek, dem evangelischen Kirchenchor sowie dem neuen Organisten Reiner Oster. Mit Blick auf das Thema "Babel babbelt" beschäftigte sich Günther Hussong in seiner Predigt augenzwinkernd und dennoch hintergründig mit dem Bau von Türmen, also dem menschlichen Streben ganz nach oben ("Alle wolle hoch enaus") und die daraus resultierenden Verständigungsprobleme zwischen den oberen Zehntausend und denen ganz unten.

"Mer schwätze heit immer mee annenanner vorbei, ned mitenanner", kritisierte Hussong. Er wies auf den "Huddel mit den Fremdspooche" hin und kritisierte die zunehmende Verwendung von Anglizismen. "Frieher hann mer gemobbt, fa die Wohnung sauber se mache, heit mobbt man, um Mensche weh se dun". Gemäß dem Thema "Babel babbelt" forderte Hilsenbek die Besucher auf, das Segenslied ruhig in den fünf Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch, Polnisch oder Schwedisch zu singen. "Ein schönes Beispiel babylonischer Sprachverwirrung", stellte Hilsenbek am Ende trocken fest.

Awei iss zabbe

"Jetzt ist Schluss", sagte der Pfarrer nach dem Segen. "Awei iss zabbe", ergänzte Hussong und beendete mit diesem Spruch diesen etwas anderen Gottesdienst in der Friedenskirche. "Er hat's nedd gelernt, er kanns awwer", dankte Hilsenbek dem Mundartkabarettisten Hussong am Ende eines Gottesdienstes, den man so schnell nicht vergessen wird.

Sehr gut angekommen

Bei den Besuchern kam diese Art des Gottesdienstes sehr gut an. "So etwas müsste es öfters geben, dann kämen auch wieder mehr Leute in die Kirche", war die übereinstimmende Meinung mehrerer Besucher, die sich nach dem Gottesdienst noch ein Gläschen Sekt oder Wein gönnten. "Das ist einfach bombig", zeigte sich auch Karl-Friedrich Strohmaier, Vorsitzender des Kirchenbauvereins der Friedenskirche, ganz begeistert über die Zahl der Besucher in einer vollen Friedenskirche: "Normalerweise kommen zwischen 40 bis 50 Gottesdienstbesucher". Der Erlös des Mundartgottesdienstes werde für die Sanierung der Kirchenglocken verwendet, berichtete Strohmaier. Geht es nach Hussong, soll es nicht bei der einzigen Veranstaltung dieser Art bleiben. Er könne sich durchaus vorstellen, einen Gottesdienst in Mundart auch in anderen Gemeinden durchzuführen.