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Leidenschaft für die Hüte der Frommen

Leidenschaft für die Hüte der Frommen

Klerikale Kopfbedeckungen und Sammelwut, das passt auf den ersten Blick irgendwie nicht so richtig zusammen. Fußballbilder, Parfümflacons oder Streichholzschachteln: Das sind eher des Sammlers Objekte der Begierde. Bei Dieter Philippi nicht, er hat kombiniert, was so widersprüchlich scheint

Klerikale Kopfbedeckungen und Sammelwut, das passt auf den ersten Blick irgendwie nicht so richtig zusammen. Fußballbilder, Parfümflacons oder Streichholzschachteln: Das sind eher des Sammlers Objekte der Begierde. Bei Dieter Philippi nicht, er hat kombiniert, was so widersprüchlich scheint. Angefangen hat alles im Jahr 1999, erinnert sich der 47-Jährige, der einer der Gründer eines in Kirkel ansässigen Unternehmens der Informations- und Telekommunikationstechnologie ist und in Saarbrücken lebt. Damals stand er in Rom vor dem Laden der Familie Gammarelli, traditionell die Schneider des Papstes. Dort lag ein Kardinalsbirett aus schimmernder roter Seide im Schaufenster - kurz entschlossen trat er ein, rechnete aber nicht wirklich damit, dass er hier kaufen könnte. Zu Unrecht wie sich herausstellte, ohne Umstände wurde sein Kopfumfang gemessen, und so wurde für damals 45 000 Lire (das wären heute umgerechnet etwa 23 Euro) dieses Birett zum ersten Stück seiner Sammlung, die inzwischen mit gut 500 Exemplaren die "weltgrößte ist". "Eigentlich habe ich mich gar nicht für Kopfbedeckungen interessiert", sagt er. Das sollte sich ändern, obwohl es noch eine Zeit lang dauerte, bis Philippi 2006 voll ins Sammeln einstieg, denn, so sagt er, es gebe wenige Leute, die sagen, sie sammeln ein bisschen. Bei ihm kamen mehrere Dinge zusammen: Zum einen war er schon immer fasziniert davon, irgendwo die Nummer eins zu sein, "und zwar auf der ganzen Welt". Das war die eine Triebfeder. Auf der anderen Seite machte es ihm "Spaß, sich der Welt des Glaubens durch das Objekt anzunähern". Zudem "wollte ich schon immer einmal in meinem Leben ein Buch schreiben". Und viertens hatte er plötzlich viel Zeit für Recherchen, da sein Sohn geboren wurde, was ihm zahlreiche schlaflose Nächte bescherte. Nach drei Jahren, 2009, hatte er sein Ziel erreicht: Das Buch über seine "Sammlung von Kopfbedeckungen aller größeren Weltreligionen und Glaubensgemeinschaften" kam auf den Markt. Wie er die einzelnen Stücke in die Finger bekam, ist beinahe noch spannender als die unterschiedlichen, häufig farbenfrohen Hüte, Kappen und Schleier aus seinem Bildband. Bei der Suche hat er immer wieder auf Bekannte zurückgegriffen, vom Priester über den Rabbi bis zum ehemaligen Pizzaboten. Sie halfen ihm weiter, wenn er nicht wusste, wo er ein bestimmtes Stück überhaupt herbekommen könnte. Es hat ihm aber auch neue Freunde beschert. Und er hat gemerkt: "Manchmal muss man die Leute überzeugen, dass man ernsthaft sammelt und dies nicht aus Jux und Tollerei tut."In New York etwa wollte er einen Schtreimel erstehen. Diesen jüdischen Fellhut kauft allerdings normalerweise der Schwiegervater dem Schwiegersohn. Nur auf Umwegen und mit der Hilfe eines Rabbi kam er in die Werkstatt des Hutmachers. Der war erst misstrauisch, doch als Dieter Philippi ihm versprach, den "Hut nicht zu tragen, sondern nur zu sammeln", suchte er unter den Modellen das passende heraus und bürstete das Fell sogar noch in Form. Beim Bezahlen per Kreditkarte verzichtete der Mann auf die Unterschrift: "Wir nehmen keine von Freunden." Und der Pizzabote? Der kam ins Spiel, als es darum ging, die Hüte des Caodaismus zu beschaffen. Er war früher Pizzabäcker in Köln und hatte mittlerweile eine Pizzeria in Saigon eröffnet. Von dort fuhr er für ihn nach Tây Ninh, den Hauptsitz dieser in Vietnam gegründeten Religion. Bis heute bekommt Philippi täglich mehrere Reaktionen auf das Buch und seine ausführliche Internetseite. Theatermodisten sind ebenso darunter wie Priester, die für sich selbst ein bestimmtes Modell suchen.