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Theater zum Reformationstag: Lebenseinsichten einer starken Frau

Theater zum Reformationstag : Lebenseinsichten einer starken Frau

Ökumenische Frauengruppe widmete Katharina von Bora zum Reformationsjubiläum einen eigenen Theaterabend. In dem Bühnenstück kam die „Lutherin“, herausragend gespielt von Silvia Bervingas, einmal selbst zu Wort.

Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke
Frau. Das galt auch für Martin Luther und seine Ehefrau, Katharina von Bora. Ihr widmete die ökumenische Frauengruppe anlässlich des Reformationsjubiläums einen eigenen Theaterabend, an dem die Lutherin selbst zu Worte kam. Über eine Stunde lang hätte man in dem großen Gemeindesaal des Jochen-Klepper-Hauses in Kirkel-Neuhäusel jede Stecknadel fallen hören können. Mucksmäuschen still und gebannt, verfolgten mehr als 60 Zuschauer die One-Woman-Aufführung der Zweibrücker Schauspielerin Silvia Bervingas als Katharina von Bora und des Jazz-Bassisten Mathias Wolf.
Bei der Inszenierung der fiktiven Tischrede „Bist du sicher, Martinus?“ aus dem Buch „Wenn du geredet hättest, Desdemona - Ungehaltene Reden ungehaltener Frauen“ der Schriftstellerin Christine Brückner (1921-1996), bannte Silvia Bervingas ihr Publikum mit eher
leiser Stimme und ihrer herausragenden Mimik.

Mit enormer Authentizität verkörperte sie die Gefühle der lebenstüchtigen Frau, die als ehemalige Nonne mit ihrem Familienmanagement damals zur Vorzeige-Pfarrfrau erwuchs: Sie versorgte nicht nur ihre fünf Kinder, Gäste, Studenten und Dienstboten, sondern betrieb dazu ein Brau- und ein Waschhaus, eine Art Studentenwohnheim sowie eine große Landwirtschaft. Anders als Martin Luther, den sie, entgegen seiner Predigten, als oft jammernd und mit Gott hadernd empfand, klagte die „Lutherin“ nicht an, sondern stellte Fragen, mal weise, mal spitzfindig, manchmal humorvoll, doch immer mit ausgefeilten Wortspielen. Darin verpackt sie ihre Wünsche, Sorgen und Lebenseinsichten. Schnell zeigte sich: Was sie bewegte, ist durchaus zeitlos. So sinnierte sie darüber, dass Martin Luther oft „mein Sohn“, „mein Haus“ und auch „mein Gott“ sage, wo es doch ihr gemeinsamer Besitz, ihr gemeinsames Kind und der Gott aller sei. Andererseits kenne er durchaus ein „wir“. „Wenn er zu mir sagt, wir müssen wieder Bier brauen, Käthe, bedeutet das, ich muss mich kümmern.“

Völlig ohne Requisiten nutzte Silvia Bervingas den gesamten Raum, um sich immer wieder aus einer anderen Perspektive zu Wort zu melden: Sie ging zwischen die Sitzreihen, sprach die „Studiosi und Scholaren“ an, die eifrig jedes seiner (Luthers) Worte mitschrieben und an seinen Lippen hingen, während sie gar nicht bemerkten, welch gutes Essen sie von seiner Frau vorgesetzt bekamen. Scheinbar mit dem Bassisten in Vertretung für Martins Zwiesprache haltend, sinnierte sie über Frieden.

„Kann man Frieden finden wie Pilze im Wald? Man muss ihn machen und halten.“ Wäre es in jedem Haus friedlich, herrsche Frieden im ganzen Land. Umrahmt und stimmungsmäßig aufgegriffen wurden die Szenenabschnitte von Mathias Wolf. Er zupfte, klopfte, schlug und strich seinen Kontrabass und sorgte damit für völlig unbekannte Töne, in denen er über die bekanntesten Choräle Martin Luthers improvisierte.
Donnernder Applaus belohnte das Duo für einen unvergesslichen Abend. „Man findet sich als Frau sofort in vielem wieder“, stellte Ursel Hofmann im Gespräch mit unserer Zeitung fest. Das habe man auch am Lachen der Leute gemerkt.

Sie war im Sommer in Wittenberg und hatte so viele Szenen an den Originalschauplätzen vor Augen. Annerose Betz aus Kirkel schwärmte: „Fantastisch, dieses Zusammenspiel zwischen der Musik und der Inszenierung.“ So etwas habe sie noch nie erlebt, und auch die schauspielerische Leistung sei einmalig, die Texte überaus feinsinng und nachdenkenswert. „Ein rundum gelungener Abend“, freute sich auch Sabine Grützner, die bereits die zwölfte Aufführung mit Silvia Bervingas und Mathias Wolf organisiert hatte.