Kreativ sein und nah an der Natur

Altstadt. Selbstständig sein, das ist der Traum von vielen. Sei es, um einem ungeliebten Anstellungsverhältnis zu entkommen, sei es, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen oder auch nur mit Blick auf vermeintlich höhere Ertragsaussichten. Doch selbstständig bedeutet in diesem Zusammenhang nicht selten, "selbst" und "ständig" zu arbeiten

Altstadt. Selbstständig sein, das ist der Traum von vielen. Sei es, um einem ungeliebten Anstellungsverhältnis zu entkommen, sei es, um der Arbeitslosigkeit zu entgehen oder auch nur mit Blick auf vermeintlich höhere Ertragsaussichten. Doch selbstständig bedeutet in diesem Zusammenhang nicht selten, "selbst" und "ständig" zu arbeiten. Eine, die sich Ende der 80er Jahre in dieses Abenteuerland aufgemacht hat, ist die Floristin Bärbel Geiger aus Altstadt. Nach einer klassischen Ausbildung und zwei Anstellungsverhältnissen erfüllte sie sich den Wunsch, ihre eigene Chefin zu sein, heute führt sie ein Fachgeschäft für Floristik in der Altstadter Ortsstraße. Und das an vielen Stunden des Tages, weit über die eigentlichen Öffnungszeiten hinaus. "Im Schnitt arbeite ich zwölf Stunden am Tag", sagt sie. Auch heute, es ist deutlich nach 21 Uhr. Gerade jetzt, in der Weihnachtszeit, haben Floristen wie Bärbel Geiger Hochkonjunktur. Adventkränze, weihnachtliche Gestecke, Geschenke werden von der Kundschaft gewünscht, dazu haben sich in den vergangenen Tagen noch die Vorbereitungen und die Durchführung einer eigenen Weihnachtsausstellung gesellt. Das hat Bärbel Geiger in den zurückliegenden Tagen viel Einsatz abgenötigt, auch in dieser Nacht arbeitet sie an ihren floristischen Exponaten und in ihrem zweiten Arbeitsfeld, der kaufmännischen Abwicklung ihres eigenen Betriebs. Trotz der teils recht hohen Arbeitsbelastungen: Bärbel Geiger macht das, was sie macht, mit Herzblut, großem Verständnis und Engagement. Fragt man sie, was den Beruf ausmacht, dann sagt sie: "Kreativität und Nähe zur Natur." Und mit einem Lachen fügt sie hinzu: "Und die Liebe zum Dreck." Das kann man nachvollziehen. Hinter jedem Exponat steckt viel Arbeit, der Umgang mit natürlichen Rohstoffen und auch mit dem, was nach der Kreation als Abfall zurückbleibt. "Mit dreckigen Händen sollte man keine Probleme haben."Während Bärbel Geiger an diesem Abend letzte Hand an ein Weihnachtssternensemble anlegt, erinnert sie sich an die Anfänge ihrer Selbstständigkeit. "Nach meiner Lehre und zwei Anstellungsverhältnissen habe ich mir gesagt 'komm, jetzt probierst du es selber'." Nach einer Phase, in der sie vom Schreibtisch aus mit dem Telefon Blumenarrangements anbot, eröffnete sie 1991 ihr Ladengeschäft im Haus ihres Großvaters. Heute gilt für Geiger "am Ball bleiben". Denn die Floristik ist auch ein Trendmarkt. Auf Messen der Branche gilt es für sie, neue Entwicklungen aufzuspüren und, mit eigener Kreativität versehen und aufgewertet, ihren Kunden zu präsentieren. Und das bedeutet: Arbeiten teils bis spät in den Abend.

Und wenn sie nicht an ihren Blumenkunstwerken arbeitet, muss sie, zusammen mit ihrem Mann, die kaufmännischen Geschicke lenken. Doch bei aller Arbeit, einen anderen Beruf und eine andere Art, ihn auszuführen, kann sich Bärbel kaum denken - weder an diesem Abend noch sonst irgendwann. < wird fortgesetzt

Hintergrund

Arbeit ist ein Räderwerk, das niemals still steht. Rund um die Uhr wird irgendwo gearbeitet. Viele Tätigkeiten greifen ineinander, um die Wirtschaft und unser tägliches Leben am Laufen zu halten.Die SZ geht an den Ort zu den Menschen, die Tag und Nacht arbeiten. So entsteht ein Mosaik der Berufswelt in unserer Region rund um die Uhr.

Und das im Stundentakt: SZ-Journalisten besuchen Männer und Frauen für je eine Stunde an ihren Arbeitsplätzen und berichten anschließend darüber. red