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Kleines Kraftpaket im Heizungsraum

Kleines Kraftpaket im Heizungsraum

Spannende Einblicke erhielten Besucher eines Vortrags im Rahmen der Kampagne „Hände hoch fürs Handwerk“ in Limbach. Bürgermeister Frank John, Pionier in Sachen Blockheizkraftwerk, öffnete sein Haus für interessierte Besucher.

Die besten Partys enden bekanntlich in der Küche - oder im Heizungsraum. Kuschelig warm ist es hier, ein sanftes Brummen erfüllt die Luft. Neugierig scharen sich die Besucher um ein kleines, weißglänzendes Kraftpaket, das rote Honda-Schild darauf ist gut erkennbar. Doch es geht mitnichten um ein Motorrad. Obwohl, ein "heißer Ofen" ist es irgendwie schon, den Bürgermeister Frank John da beherbergt. Seit fünfeinhalb Jahren versorgt John sein Haus mittels Mikro-Blockheizkraftwerk. Und gehört damit zu den Pionieren einer Technologie, die bislang eher größeren Objekten wie Hotels oder Krankenhäusern vorbehalten blieb.

"Früher war das Blockheizkraftwerk kein Thema für Privathaushalte, das hat sich sehr geändert", erklärte Doris Gaa, Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz. Nun geht es den Herstellern verstärkt darum, BHKWs auch für Privatnutzer attraktiv zu machen.

Und dass sich da einiges getan hat, wurde bei einer Infoveranstaltung am vergangenen Montagabend in Limbach deutlich.

Im Rahmen der Kampagne "Hände hoch fürs Handwerk" hatten die Handwerkskammer des Saarlandes, vertreten durch Lisa Schuster, und die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Saarpfalz, in Person von Geschäftsführerin Doris Gaa, eingeladen.

Gastgeber war - für den Vortragsteil des Abends - Michael Schneider, Geschäftsführer der Gemeindewerke Kirkel, der die gut 25 Zuhörer begrüßte. "Erdgas hat aus unserer Sicht sehr große Bedeutung und das wird noch zunehmen", zeigte sich Schneider überzeugt - auch als Brennstoff für ein BHKW. Dass man für die Investition in ein Blockheizkraftwerk mit einer Förderung von bis zu 11 000 Euro rechnen könne, sei ein zusätzlicher Anreiz.

Mit Stefan Müllers und Torsten Kohl waren zwei Vertreter großer Herstellerfirmen vor Ort, um die Fragen der Besucher zu beantworten. Rasch entspannen sich lebhafte Gespräche über verschiedene Modelle, technische Daten und Steuern. Wer nämlich Strom im eigenen BHKW erzeugt, und dafür Einspeisevergütung erhält, hat nämlich Einkünfte aus Gewerbebetrieb, die entsprechend versteuert werden müssen.

"Das BHKW erzeugt Strom und Wärme dort, wo sie gebraucht wird, vor Ort im eigenen Haus", erklärte Torsten Kohl. Mini-BHKW seien in der Regel auf den Grundenergiebedarf des Hauses ausgelegt. Überschüssiger Strom kann mit Batteriemodulen gespeichert oder ins öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Eine bestehende Heizungsinstallation könne bei Umstellung auf ein Mini-BHKW meist mit geringfügigen Änderungen weitergenutzt werden. Wichtig sei, dass die Anlage an die Größe des Hauses und den Wärme- und Strombedarf angepasst werde - Beratung durch Fachbetriebe ist da sinnvoll.

Auch ganz praktische Tipps gab es: "Die Geräte sind zwar erheblich kleiner geworden, brauchen aber trotzdem vier bis fünf Quadratmeter Platz wegen der Wartung: deshalb überprüfen, ob der Raum wirklich dafür geeignet ist - und ob die Module auch durch die Tür passen", erklärte Stefan Müllers - damit das Projekt BHKW im eigenen Haus nicht zur unliebsamen Überraschung wird.

Frank John hat mit seinem BHKW insgesamt gute Erfahrungen gemacht. Rund 18 000 Euro hat er in die Anlage investiert, das kleinste Modell, das es damals gab - heute muss man mit 20- bis 30 000 Euro rechnen. Im Winter laufe die Anlage 24 Stunden am Tag, im Sommer nur ein oder zwei Stunden. "Man muss sich schon ein bisschen mit der Funktionsweise befassen", räumt John ein, "das hat mich von Anfang an sehr interessiert. Und mittlerweile habe ich auch die Prokura, den Reset-Knopf zu drücken, wenn die Anlage mal nicht anspringt", fügt er schmunzelnd hinzu.

Zum Thema:

Moderne Haustechnik Ein BHKW erzeugt mittels Kraft-Wärme-Kopplung aus Brennstoffen wie Erdgas zugleich Strom und Wärme. Dadurch wird die Energie des eingesetzten Brennstoffs bis zu 95 Prozent verwendet. Viele Motoren für Blockheizkraftwerke stammen aus dem Fahrzeugbau. Hände hoch fürs Handwerk Termine: Mittwoch, 29. März, 16 bis 18 Uhr, Rathaus Kirkel, Hauptstraße 12, Nebengebäude (Eingang Polizei), Energiesparberatung (Kostenbeitrag fünf Euro), Anmeldung: Tel. (0 68 94) 130. Donnerstag, 30. März, 18 bis 19.30 Uhr, Goethestraße 66c, Kirkel-Neuhäusel, "Finanzierungs- und Fördermöglichkeiten bei energetischer Gebäudesanierung", Anmeldung: Tel. (06 81) 5 80 92 08. www.saar-lor-lux-umweltzentrum.de/HaendehochfuersHandwerk