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Störche im Saarpfalz-Kreis: In warmen Wintern bleiben Störche hier

Störche im Saarpfalz-Kreis : In warmen Wintern bleiben Störche hier

Viele Störche, die in der Saarpfalz heimisch sind, fliegen gar nicht mehr in den Süden. Die Winter sind so mild geworden, dass sie hier genügend Nahrung finden.

In diesem Jahr ist der Winter ausgefallen. Die Tage, an denen das Thermometer unter die Null-Grad-Linie fiel, konnte man an einer Hand abzählen. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Tierwelt. Einerseits überlebt der Borkenkäfer unbeschadet, um sein zerstörerisches Werk an den Bäumen im Frühjahr wieder aufzunehmen. Andererseits sehen Zugvögel es offensichtlich nicht mehr ein, weite und strapaziöse Strecken auf sich zu nehmen, wenn es hier kaum noch kalt wird.

Von den 100 saarpfälzischen Störchen fliegen nur noch 60 wirklich ins Winterquartier. Und dann noch nicht einmal besonders weit. Von Afrika, wie in alten Kindermärchen erzählt wird, kann keine Rede mehr sein, „Südfrankreich, Spanien, maximal Portugal“, sagt der Beeder Storchenexperte Karl Theo Dzieia, „das kann man anhand der Beringung leicht feststellen.“

Im Beeder Biotop gebe es derzeit zwei Storchenpaare, wovon eines an der Fischerhütte ohnehin ortsansässig ist und auch gefüttert wird. Das zweite habe sich dort als „wildes Paar“ niedergelassen und soll nicht an Menschen gewöhnt werden, denn „wir wollen ja nicht, dass die Tiere ihre natürlichen Instinkte verlieren,“ so Dzieia. Doch Instinkt hin oder her, auch dieses Paar hat erkannt, dass sich Fernflüge nicht lohnen, denn die beiden bleiben auch in der Nähe ihrer Brutgebiete und ziehen außerhalb der Brutzeit nur noch relativ kleinräumig umher. Wichtig sei, dass die Sumpfgbiete, aus denen die Storche ihre Nahrung beziehen, nicht zugefroren sind. Und das war im Beeder Biotop an keinem Tag in diesem Winter der Fall.

Denn das eigentliche Problem für Störche sei nämlich nicht die Kälte, denn sie seien in der Lage, kurzfristig auch hohen Minustemperaturen zu trotzen, da sie nur wenig Körperwärme verlieren. Aber sie müssen immer noch Nahrung und vor allem Wasser finden, was nur geht, wenn die Temperaturen über einen längeren Zeitraum nicht unter den Gefrierpunkt rutschen und damit die Bäche vereisen.

Nur noch wenige Vertreter der nordeuropäischen Zugvogelpopulationen legen jährlich noch 20 000 Kilometer zurück, um Winterquartiere auf der anderen Seite des Mittelmeeres zu erreichen, etwa in Ägypten oder im Senegal. Noch nicht einmal mehr die Kraniche fliegen so weit: „Ich habe schon einige Schwärme zurückkommen sehen“, so Dzieia, „das bedeutet, dass sie auch nicht wirklich weit weg waren, wenn sie so schnell schon wieder in ihre  Brutgebiete zurückkehren können.“

  Auch in diesem Jahr hoffen die Storchenväter aus dem Saarpfalz-Kreis, dass vor allem auch von den  20 Jungvögeln vom vergangenen Jahr  der eine oder andere wieder den Weg zurück in die Geburtsheimat finden möge. Deshalb tut man alles, um ihnen das Leben in der Saarpfalz so angenehm wie möglich zu machen, zum Beispiel durch Bereitstellung von Brutstätten.

Seit über sechs Jahren werden im Kulturpark Bliesbruck-Reinheim auf der deutschen Seite Störche beobachtet. Das heute ansässige Paar gehört zur Nachkommenschaft eines Storchenpaares, das schon vor Jahren sesshaft geworden war und in der Bliesaue überwinterte. Ein Verhalten, das die Nachkommen übernahmen.

Schorch – so heißt der Storch –  und seine Gattin haben seit dieser Woche im Europäischen Kulturpark  nun auch wieder ein komfortables Nest.  Am Morgen des 21. Februar rückten die Pfalzwerke mit Bagger, Hebebühne und einem komplett neuen Storchenhorst mit Mast an, um in wenigen Stunden den alten Mast abzuschlagen und das neue Storchenheim zu errichten.

Der alte Nestkorb, der vornehmlich aus Holz bestand, war morsch geworden, im Dezember schon zur Hälfte heruntergefallen und musste vor zwei Wochen abmontiert werden. Das fiel auch Naturschützern und aufmerksamen Parkbesuchebesuchern auf, die sich um die Zukunft des Storchenpaares sorgten. Wie zu beobachten war, ließen sich Schorch und sein Weibchen aber nicht so schnell von der „Leere“ abschrecken und nutzten den noch stehenden Mast auf ihre Weise.

Doch nicht zuletzt aufgrund der bevorstehenden Brutzeit war Eile geboten, das nicht mehr vorhandene Nest zu ersetzen. Auf jeden Fall musste diesmal auch etwas Langlebigeres her, das war allen Verantwortlichen klar. So fertigte ein Schlosser aus Niederwürzbach im Eiltempo einen neuen Horst aus Edelstahl und einer passenden Hülse als Aufsatz auf den Mast. Auch der neue Mast besteht jetzt aus robusten, beständigen Materialien.

„In einer Gemeinschaftsaktion von Pfalzwerken, Europäischer Kulturpark, Biosphärenzweckverband, Saarpfalz-Kreis und der unteren Naturschutzbehörde beim Landesamt für Umwelt- und Arbeitsschutz  konnten wir noch rechtzeitig vor Beginn der Brutzeit dafür Sorge tragen, dass es unser Storchenpaar nun wieder bequem hat,“ betonte Landrat Theophil Gallo.

Bleibe zu hoffen, dass das Reinheimer Storchenpaar auch diesen Restwinter unbeschadet überstehen möge und sich Parkbesucher an den Störchen bei der Aufzucht ihrer Jungen, bei ihrer Nahrungsaufnahme und bei ihren Gleitflügen erfreuen könnten, wünschte sich der Landrat abschließend.

In der Biosphäre finden Störche genügend Nahrung, ebenfalls  Holz und Reisige als Baumaterial, denn Störche statten damit gerne zusätzlich ihr Nest aus, das ihnen die Menschen bereits hingestellt haben. Anhand der Beringung kann man den Zug der im Südwesten ansässigen Störche gut nachvollziehen, denn die Storchenpopulation bildet ein Band vom Elsass über Lothringen bis in den Bliesgau. „Das ist ein großes Siedlungsgebiet“, sagt Norbert Fritsch, der Neunkircher Zoodirektor, der jedes Jahr die Storchenjungen im Auftrag der deutschen Vogelwarte in Radolfzell beringt.

Oftmals findet auch in diesem Großraum die Partnersuche statt, so dass sich elsässische oder lothringische Störche mit saarländischen Storchendamen paaren und umgekehrt. Vor Jahren konnte man sogar anhand der Beringung verfolgen, dass ein Bliestal-Storchenweibchen ihren angestammten saarländischen Gatten aus dem Nest verbannt hatte, weil ihr ein Heiratskandidat aus dem nahen Frankreich besser gefiel. Was bei Störchen eher selten vorkommt, denn sie sind im Grunde treue Vögel. Nicht nur untereinander, sondern auch gegenüber ihrer Heimat.

Die Jungstörche werden jedes Jahr vom Neunkircher Zoodirektor Norbert Fritsch im Nest beringt. Foto: Christine Maack
Der Nestbau im neuen Storchenheim im Kulturpark Reinheim kann beginnen. Das alte Nest war morsch geworden, so dass ein stablireres Exemplar her musste. Foto: Gerhard Mörsch

Und wie Zugvögel mit traumhafter Sicherheit immer wieder ihre Ziele finden, hat die Forschung noch nicht ganz geklärt. Wenn also ein Storch durch die Wiesen stakst, sollte man daran denken, dass sich ein sehr komplexes Verhalten in dem schmalen Kopf verbirgt