In der Niederbexbacher Jakobuskirche gab es Bergmannslieder

Grubengeschichte : Bergleute hatten Lieder, die Mut machten

In der Niederbexbacher Jakobuskirche konnten Besucher die bewegte Bergmannsgeschichte mit Hilfe von Liedern aus aller Welt erfahren.

Für alle, denen der Erhalt der Bergbautradition im Saarland am Herzen liegt, war es ein echtes Highlight des Musikjahres: das Konzert des „Gemischten Saarbrücker Herrenchores“ und dem „Projekt Musikandes“ in der Niederbexbacher Jakobuskirche. Unter dem Motto „Schuften. Bangen. Freuen. Kämpfen.“ gab es Bergbau-Geschichten aus vielen verschiedenen Ländern zu hören.

Neben echten Klassikern der Bergbaumusik gesellten sich auch Werke dazu, die in unseren Gefilden vielleicht nicht ganz so bekannt sind. Doch ein Gedanke zog sich wie ein roter Faden durch alle Lieder: Bergleute, egal ob aus Deutschland, Südafrika, Sibirien oder Chile, halten zusammen und bilden eine Gemeinschaft. Wie wichtig der Bergbau für unsere Region war, machte der Vorsitzende des Saarländischen Bergbaumuseums in Bexbach, Wolfgang Imbsweiler, zu Beginn des Konzerts noch einmal deutlich. „250 Jahre hat der Bergbau unsere Region geprägt und uns viel Wohlstand gebracht. Es ist wichtig, dass wir dieses Erbe bewahren und pflegen.“

Wie um Imbsweilers Worte zu unterstreichen, war der Chor zuvor unter den Klängen des „Steigerliedes“ in die Kirche eingezogen, das wohl ohne Zweifel als das bekannteste Bergbaulied bezeichnet werden kann und bis heute die Menschen bewegt, ob nun Bergmann oder nicht.

Aber im Laufe des Abends ging es nicht nur um die Arbeit unter Tage. Auch das Leben der Industriearbeiter wurde besungen. Konkret mit einem Werk von Bruce Springsteen, der in seinem Werk „Factory“ das harte Leben seines Vaters in der Fabrik verewigte. Die Schattenseiten des Bergbaus beleuchtete das Stück „A la mina no voy“, das aus Venezuela stammt. „Es handelt von venezolanischen Bergarbeitern, die gegen ihre Herren aufbegehren“, erläuterte Amei Scheib, die die künstlerische Leitung des Konzerts übernahm, Hintergründe zum Stück.

Dementsprechend entschlossen in Mimik und Gestik trug der Chor, die Verse vor, in denen immer wieder die Worte „Yo no quiero morirme“ - „Ich will nicht sterben“ die Willensstärke der Arbeiter verdeutlichten. Von Venezuela ging es dann mit dem „Eckstein-Warken-Lied“ wieder ins Saarland. „Dieses Lied entstand im Zuge des Bergarbeiterstreiks von 1889 und setzt dem Streikführer Nikolaus Warken ein Denkmal, der im Laufe des Streiks verhaftet wurde“, so Scheib.

Worum es den Streikenden damals ging, wurde schnell ersichtlich: die Forderung nach einem Rechtsschutzverein und der Appell zu Einigkeit unter den Bergleuten wurde vom Chor eindringlich vorgetragen. Bis heute lassen sich die Hierarchien bei den Bergleuten am Hausbau ablesen: größere Doppelhäuser mit Gauben für die preußischen oder französischen Beamten, kleinere Häuser für Steiger und Hauer. Um Einigkeit ging es ebenso im folgenden Vortrag, der „Cantata St. Maria de Iquique“. Es zwar zweifellos „der Höhepunkt des Abends“, wie es Scheib ausdrückte. Eine halbe Stunde wurde mittels Chorgesang, Instrumentalpassagen vom „Projekt Musikandes“ und kurzen Wortbeiträgen die Geschichte der Bergarbeiteraufstandes im chilenischen Iquique erzählt, der im Jahr 1907 über 3600 Arbeiter das Leben kostete.

Dabei legte nicht nur die Musik beredtes und bedrückendes Zeugnis von der Entwicklung und Niederschlagung des Aufstandes durch die Armee ab. Ebenso wurden mittels Bildern die erschütternden Zustände in den chilenischen Salpeterminen den Besuchern deutlich vor Augen geführt. Es war ein eindringlicher Vortrag, der wohl kaum einen Besucher unberührt ließ.

Übrigens: Bald darauf gelang es dem deutschen Chemiker Fritz Haber, Ammoniak aus der Luft zu isolieren. Als 1913 die BASF erstmals eine größere Anlage zur Ammoniak-Herstellung errichte, hatte sich der   Salpeter-Bergbau erledigt, man konnte nun Dünger künstlich herstellen. So dient die Wissenschaft auch der Humanität.

Umso fröhlicher war schließlich das Abschlusslied „Shosholoza“, das mit südafrikanischer Lebensfreude die Gäste dann doch noch mit einem Lächeln nach Hause gehen ließ.

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