Großübung der Feuerwehr in Bexbach

Gemeinschaftsübung : Großübung der Feuerwehr in Bexbach

Deutlich über 100 Helfer meistern das komplizierte Unfallszenario bravourös. Jetzt steht eine Nachbesprechung an.

  Vergangenen Samstag um 20.30 Uhr in der Nähe der Bexbacher Kompostieranlage: Ein Auto scheint mit einem Linienbus zusammengestoßen zu sein. Der Wagen ist stark eingedrückt, und der Bus sogar umgekippt. Einige Meter weiter befindet sich noch ein weiteres Auto in Schräglage. Die vielen „Verletzten“ versuchen allerdings nicht, aus den Wrackteilen herauszukommen, sondern klettern in sie hinein. Sie scheinen stark zu bluten und schlimme Verletzungen aufzuweisen. Manche humpeln am Pressevertreter der Saarbrücker Zeitung vorbei, der sich mehrmals dabei ertappt, fast seine Hilfe anzubieten.

Nein, es sind keine Zombies, die hier zur Nachtstunde ihr Unwesen treiben. Vielmehr handelt es sich um eine Mimengruppe, die professionell geschminkt und perfekt vorbereitet ihre Positionen einnimmt. Wer kurz darauf an der „Unfallstelle“ vorbeikäme und die blutenden sowie schreienden Personen wahrnehmen würde, müsste seinen ganzen Mut zusammennehmen. Man könnte fast meinen, hier wird gerade eine neue Folge der Fernsehserie „Alarm für Cobra 11“ gedreht, wo es fast minütlich zu heiklen Unfallszenen auf der Autobahn kommt. Die gesamten Vorbereitungen haben allerdings einen ernsten Hintergrund. „Ich habe hier zusammen mit dem Wehrführer die Übung geplant. Als Szenario haben wir einen Massenanfall von Verletzten. Sämtliche Löschbezirke der Stadt Bexbach nehmen teil, es kommen rund 100 Feuerwehrmänner zusammen“, berichtete Sascha Schmid von der Feuerwehr Bexbach.

Im Einzelnen waren das die Kameraden von Bexbach Mitte, Oberbexbach, Frankenholz, Höchen, Kleinottweiler und Kirkel-Limbach. Hinzu kamen das THW Homburg, die Notfallseelsorge Saar sowie die schnelle Einsatzgruppe des DRK-Kreisverbandes Homburg. Die Lage wurde in Zusammenarbeit mit der Lagedarstellung Saar und dem THW St. Ingbert vorbereitet. „Wir haben hier einen Verkehrsunfall mit zwei Pkw und einem Linienbus. Der Bus hat sich auf die Seite gelegt. Die beiden Autos sind frontal beziehungsweise seitlich in den Bus hineingefahren“, beschrieb der erfahrene Feuerwehrmann das dargestellte Unfall-Szenario. Eine solche Übung könne nur alle zwei, drei Jahre durchgeführt werden – da nicht immer ein Bus zur Verfügung stehe. Um exakt 21.30 Uhr löste dann die Leitstelle Saar auf dem Saarbrücker Winterberg den Alarm aus. Bereits einige Minuten später trafen in Bexbach die ersten Feuerwehrmänner ein.

Und dann hieß es sofort, vor Ort die richtigen Entscheidungen zu treffen und sich um die vielen Verletzten zu kümmern. Ein „Schauspieler“ lief sofort auf die Männer in Uniform los und schrie sie scheinbar panisch an: „Kommt sofort mit, da hinten ist meine Freundin eingeklemmt. Macht schon, sie stirbt sonst.“ Auch diese Nachstellung gehörte zum Szenario dazu und simulierte den Erstfall. Und da es bereits dunkel war, musste auch schnellstmöglich das gesamte Unfallgelände gut ausgeleuchtet werden. Als Pressevertreter durfte man ganz nah an die Verletzten und die Unfallstelle heran, um Fotos zu machen – ein Bild, dass es bei einem „normalen Unfall“ in dieser Form nie geben würde. Und dennoch musste man dabei aufpassen, die schier unzähligen Helfer nicht bei ihrer Arbeit zu stören. Es war verblüffend, wie schnell und gut Hand in Hand zusammengearbeitet wurde. Die Autowracks mussten teilweise aufgeschnitten oder Scheiben abgetrennt werden, um an die Verletzten heranzukommen. Trotz der gespenstischen Atmosphäre kam keinerlei Hektik auf.

Bereits eine Stunde nach der Ankunft hatte sich die Lage spürbar beruhigt. Dennoch gibt es natürlich immer wieder gewisse Sachen, die noch perfektioniert werden können. Daher werden in einer großen Nachbereitung sämtliche Punkte genau analysiert und allen eingesetzten Helfern vermittelt. Man hat nun Gewissheit darüber, dass man bei einem realen Unfall dieser Größenordnung gewappnet wäre – dennoch besteht natürlich die Hoffnung, dass es möglichst nie dazu kommt.