Gliberrige „Waldmonster“

Sie sind weder Tier noch Pflanze, genau genommen noch nicht einmal Pilze: Trotzdem heißen die seltsamen Kreaturen Schleimpilze. Expertin Marion Geib aus Altstadt stellte die Einzeller jetzt bei einer Exkursion vor.

Schleimpilze - das klingt zugegebenermaßen nicht unbedingt einladend. "Nach vielen in der Vergangenheit zumeist gut besuchten Vorträgen wollte ich im Mai auch bei der VHS in Saarbrücken einen Vortrag zu dem Thema halten, doch der fiel dann leider mangels ausreichender Hörerzahl aus", erzählt Marion Geib, die sich seit vier Jahren intensiv mit diesen eigenartigen Lebewesen befasst. "Besser hätte ich einen Titel wie 'Kleine Monster im Wald' gewählt", meint sie.

Zur Exkursion im Wald bei Altstadt waren am vergangenen Sonntag aber immerhin 14 Teilnehmer gekommen - und sie alle sollten eine Menge dazulernen. Geib ist zuvor zweimal eine ausgiebige Runde durch den Wald gelaufen und hat ihre Fundstellen mit Fähnchen markiert. Zunächst informiert sie die Anwesenden, um was es sich bei diesen skurrilen Lebensformen handelt: Die Schleimpilze sind nämlich weder Tier noch Pflanze, und, überraschend, sie gehören noch nicht einmal zu den Pilzen. Sie sind schlichte Einzeller, deren Zellkerne sich alle acht Stunden teilen. Als glibberige Masse wandern sie über den Untergrund und nehmen dabei alles Organische in sich auf, das sie finden können.

Mit Geschwindigkeiten von bis zu einem Zentimeter pro Stunde gehören sie bestimmt nicht zu den schnellsten Lebewesen der Erde; es reicht jedoch dazu aus, neben der Nahrungssuche auch noch den Standort vom Dunkel-Feuchten ins Hell-Trockene zu wechseln. Denn gegen Ende der nur wenige Tage dauernden Existenz möchten Schleimpilze austrocknen und dabei ihre Sporen freisetzen. Während ihres kurzen Lebens ändern die Einzeller Farbe und Form so rasch, dass die Exkursionsleiterin an manchen Fundstellen zweimal nachschauen muss, bis sie den "Pilz" entdeckt. In der Anfangsphase leuchten Schleimpilze zuweilen in verschiedenen Farben, etwa wie der Blutmilchpilz, der aussieht, als habe man winzige rote Gummibälle an einen Baumstumpf geklebt - er ist eines der ersten Exemplare, die den Teilnehmern gezeigt werden. Die Enteridien wiederum erinnern zuweilen an einen Klecks Maisgries, der an der Baumrinde klebt.

Leuchtend gelb präsentiert sich die Gelbe Lohblüte in kleineren und größeren Klecksen auf bemoosten Baumstümpfen, während die Anfangsstadien der Ceratiomyxa schlichtweg vermuten lassen, jemand habe seinen Kleister vom Tapezieren im Wald entsorgt. All diese Exemplare finden sich im Altstadter Wald, einem wahren Paradies für Schleimpilze: von den etwa 500 in Europa bekannten Arten habe sie ganze 70 schon hier gefunden, erzählt Marion Geib, die sich neben den Schleimpilzen auch für Greifvögel interessiert. Auf ihrer Webseite im Internet www.schleimpilze.com erschließt sich dem Betrachter die volle Faszination, die von diesen Lebewesen ausgeht: Geib hat dort hoch professionelle Fotos hochgeladen, die sie selbst mittels eines komplizierten Fotografie-Verfahrens hergestellt hat. Gestochen scharf und im Großformat präsentiert sie dort die bizarren Gebilde - die jedoch auch jeder aufmerksame Spaziergänger, am besten mit einer Lupe bewaffnet, entdecken kann.