Gewerkschaft erhöht den Druck

Werks- oder Leiharbeitsverträge sind den Gewerkschaften schon lange ein Dorn im Auge. Ein Pilotprojekt soll diese Zustände zumindest im Zuständigkeitsbereich der IG Metall ändern.

Die IG Metall Homburg-Saarpfalz startet in diesem Herbst eine Aktion für faire Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung bei Beschäftigten mit Werkverträgen in den regionalen Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie (wir berichteten). Wichtigste Ziele dieses Pilotprojektes, das von Professor Stefan Sell von der Hochschule Koblenz wissenschaftlich begleitet wird, sind dabei Mitbestimmungsrechte für Betriebsräte beim Einsatz von Werkvertragsfirmen und die Wahl von Betriebsräten in Unternehmen, welche als externe Dienstleister für Betriebe im Zuständigkeitsbereich der Gewerkschaft tätig sind, sowie der Abschluss von Tarifverträgen. Startschuss für diese Kampagne war eine Vertrauensleutekonferenz der Gewerkschaft am Samstag im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel, an der annähernd 100 Betriebsräte und Vertrauensleute teilnahmen.

Mit Professor Sell hatte man einen kompetenten Referenten eingeladen, der zum Thema "Prekäre Beschäftigung wie Leiharbeit und Werkverträge und ihre Auswirkungen" aus wissenschaftlicher Sicht Stellung bezog. In der Vergangenheit seien es vor allem Leih-Arbeitnehmer gewesen, die von den Unternehmen in der Region zum Teil über Jahre hinweg als billige Arbeitnehmer eingesetzt worden seien, betonte der erste Bevollmächtigte der IG Metall Homburg-Saarpfalz, Werner Cappel. Bei dieser Form der Arbeitsverhältnisse seien jedoch der Ausbeutung kaum Grenzen gesetzt, was die Einkommen und Arbeitsbedingungen angehe, wies Cappel auf das Entstehen einer Zwei-Klassen-Gesellschaft hin.

Die IG Metall beobachte eine zunehmende Zahl von Werkverträgen und andere Formen der prekären Beschäftigung in den Industrie-Unternehmen in der Region, so Cappel. Dieser Entwicklung wolle man mit einer Kampagne für faire Arbeit begegnen. Werkverträge seien "die konsequente Versachlichung der Ware Arbeitskraft", erklärte Professor Sell. Nach der erfolgreichen Regulierung der Leiharbeit falle diese zunehmend als Lohndumping-Instrument aus. Mit Werkverträgen sei eine neue Strategie eines Teils der Arbeitgeber zu beobachten, Personalkosten einzusparen und betriebliche Mitbestimmung zu umgehen. Allerdings müsse man auch sehen, so Sell, "dass Werkverträge immer Bestandteil einer arbeitsteiligen Wirtschaft waren und es eben auch viele Werkverträge gibt, die völlig in Ordnung sind." Viele Berichte aus der Praxis zeigten jedoch, dass bei der Nutzung von Werkverträgen in der betrieblichen Landschaft Schein und Sein weit auseinander klafften. Die zunehmend missbräuchliche Nutzung arte immer weiter aus und brauche eine gesetzgeberische Regulierung, meinte der Experte von Werkverträgen. "Erste Vorschläge zur Regulierung liegen auf dem Tisch, die es nun umzusetzen gilt."