Frühförderung geht weiterFranzösisch lernen im Zeichen des Crêpes

Kirkel. In der gestrigen Gemeinderatssitzung in Kirkel war die Stimmung deutlich gereizter als üblich, polemische Äußerungen fielen auf allen Seiten des großen Tisches im Feuerwehrhaus in Limbach

 Aus den Händen von Julien Burgun und Johanna Éderle gibt's in der Kita Pusteblume bei den französischen Projektwochen auch mal ganz traditionelle Crêpes. Foto: Thorsten Wolf

Aus den Händen von Julien Burgun und Johanna Éderle gibt's in der Kita Pusteblume bei den französischen Projektwochen auch mal ganz traditionelle Crêpes. Foto: Thorsten Wolf

Kirkel. In der gestrigen Gemeinderatssitzung in Kirkel war die Stimmung deutlich gereizter als üblich, polemische Äußerungen fielen auf allen Seiten des großen Tisches im Feuerwehrhaus in Limbach. Die erste Einigkeit nach einem einstündigen, teils heftig geführten Schlagabtausch, betraf die Vorschulkinder: Die Gemeinde Kirkel übernimmt mit 70 000 Euro den Anteil der Kosten an der Französisch-Förderung, die ansonsten Eltern und Träger hätten erbringen müssen. Das wurde gestern Abend im Gemeinderat ausnahmsweise ohne Schuldzuweisungen und peinliche Diskussionen - und ohne Gegenstimme - beschlossen. Damit finanziert die Gemeinde bereits im zweiten Jahr diese ursprünglich vom Land angestoßene Initiative, schon im Vorschulalter mit den Kleinen Französisch zu sprechen. Diese Frühförderung Französisch in den Kindergärten, die zunächst vom Land mit Hilfe von EU-Geldern eine Anschubfinanzierung bekommt, erfreut sich bei Eltern und Kindern großer Beliebtheit. Deshalb hatte die Gemeinde schon vor einem Jahr - nach Auslaufen der Gelder - für diese Maßnahme in die Gemeindekasse gegriffen. "Wir können es nicht hinnehmen, dass die Frühförderung ausläuft", sagte Bürgermeister Armin Hochlenert gegenüber der SZ, "wir wohnen hier an der Grenze, unsere französischen Kindergärtnerinnen kommen alle aus Lothringen, das heißt, sie sind Muttersprachlerinnen. Und das soll man nun einfach aufgeben?" Außerdem sei es "völlig absurd", Französisch einzustellen, zumal in der Grundschule die Förderung der Partnersprache verstärkt aufgenommen würde. "Dazwischen darf es keine Lücke geben", betonte der Bürgermeister. Dieser Meinung waren ausnahmsweise einhellig die Kommunalpolitiker aller Parteien aus dem Gemeinderat, so dass gestern die Fortführung der Maßnahme beschlossen wurde. Derzeit gibt es in Kirkel fünf französische Kindergärtnerinnen, das heißt, für jede Einrichtung eine. An den Kindern dürfe man nicht sparen, und wenn Kirkel sich einerseits als kinderfreundliche Gemeinde ausgebe und andererseits an der Frühförderung Französisch herumknausere, "wirft das kein gutes Licht auf uns", betonte der Bürgermeister. > Bericht folgtKirkel. Die kleine Ciara, drei, hält die goldene Münze ganz fest in ihrer Hand, in der anderen die Pfanne mit dem Crêpes. Zusammen mit Julien Burgun beschwört sie den "goldenen Crêpes zu springen" und lässt ihn auf drei in der Pfanne durch die Luft wirbeln - alles auf Französisch natürlich. "Bienvenue à la Crêperie" begrüßt ein Plakat neben dem verführerischen Duft alle, die gestern die Kindertagesstätte Pusteblume in Limbach betreten, denn es ist Projekttag. Alle fünf französischen Mitarbeiter, die sonst auf die verschiedenen Kirkeler Kindergärten und Kindertageseinrichtungen verteilt sind, stehen heute gemeinsam hier. Deswegen sind deutsche Worte nur selten zu hören. Konsequent sprechen die Fünf, neben Julien Burgun sind das Johanna Éderle, Anne-Laure Michel, Elodie Debus und Caroline Fath, Französisch. Die Kleinen verstehen so gut wie alles - das merkt man schnell, vor allem bei so wichtigen Dingen, wie der Frage, ob sie nun Marmelade, Zucker oder lieber Nutella auf ihre Crêpes haben möchten. Bei Antworten oder dringenden Anliegen greifen sie allerdings auf das Deutsche zurück.Zwei Mal im Jahr tun sich die fünf zusammen, suchen einen besonderen französischen Brauch aus, den sie umsetzen. Jeden Tag sind sie dann gemeinsam in einer anderen Einrichtung. Diesmal haben sie sich das Fest Maria Lichtmess (Fête de la chandeleur) ausgesucht, das in Frankreich jeden 2. Februar gefeiert wird. Pilger, die an diesem Festtag in Frankreich unterwegs waren, bekamen kleine Kuchen serviert, die den Crêpes sehr ähnlich waren. Deswegen darf heute jeder in Frankreich seinen eigenen Crêpes backen, wird dieser dann wie oben beschrieben mit der Münze in der Hand in die Luft geworfen und dreht sich verspricht dies dem Werfer Glück und Segen. Begonnen hat der Tag gestern für die Kleinen mit einem Theaterstück, erläutert die Leiterin Martina Heinzelmann (Foto: thw). Neben dem Backen und Essen, lernen sie auch in Gedächtnisspielen, bei kleinen Tänzen und beim Malen mehr über das Thema. Natürlich geht es hier bei allem Spaß auch ums Lernen. Eine Fremdsprache erwerben die Kleinen, sagt sie, am besten im Alltag. "Sozusagen im täglichen Sprachbad werden die Grundlagen gelegt", erläutert Heinzelmann. Projekttage sind Sahnehäubchen, ansonsten ist im Rahmen des bilingualen Projekts immer eine französische Mitarbeiterin in jeder Kita, die in den Alltag integriert ist. So kommen die Kinder täglich mit der französischen Sprache in Berührung. Und dass dies jede Menge Spaß macht, daran zweifelte gestern in der Kita Pusteblume wohl niemand mehr.