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Löschbezirke in Kirkel
Feuerwehr zeigte, was sie drauf hat

 Als einer der eingesetzten Atemschutz-Geräteträger war Thorsten Klaus, Löschbezirksführer von Kirkel-Neuhäusel, mitverantwortlich für die Rettung von insgesamt vier „Opfern“.
Als einer der eingesetzten Atemschutz-Geräteträger war Thorsten Klaus, Löschbezirksführer von Kirkel-Neuhäusel, mitverantwortlich für die Rettung von insgesamt vier „Opfern“. FOTO: Thorsten Wolf
Kirkel. Insgesamt 60 Einsatzkräfte nahmen an der gemeinsamen Übungen der drei Kirkeler Löschbezirke teil. Von Thorsten Wolf

Eine funktionierende Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Löschbezirken einer Wehr ist die Grundlage für den erfolgreichen Einsatz bei solchen Ereignissen, die die Möglichkeiten eines einzelnen Löschbezirks übersteigen. Wer macht was wie und wann? Wie ticken die anderen Löschbezirke? Was für ein Mensch steckt hinter dem Namen und der Funktion? Um all diese und ein paar mehr Fragen zu beantworten, und um die Löschbezirke an ein einheitliches und damit für alle gültiges Vorgehen heranzuführen, übt die Freiwillige Feuerwehr Kirkel seit langem immer wieder mit ihren drei Löschbezirken Kirkel-Neuhäusel, Limbach und Altstadt gemeinsam, zuletzt am vergangenen Freitag auf dem Gelände des „Reifen Service Saar“ in Kirkel-Neuhäusel.


Die Lage für das erste Einsatzfahrzeug unter der Gruppen-Führung von Carsten Hussong: In der Werkstatt des Unternehmens gab es eine Verpuffung. Als „Überraschung“ für die ersten Einsatzkräfte am Ort hatte sich Thomas Kessler, einer von zwei stellvertretenden Wehrführern in Kirkel, als Verantwortlicher der Übung etwas Besonderes einfallen lassen. Als sich Carsten Hussong der Werkstatt näherte, stürmte ein brennendes „Opfer“, Günter Schwan von der „Lagedarstellung Saarland“, real in Flammen stehend auf den Feuerwehrmann zu. Da galt es dann ganz fix und mit echtem Körpereinsatz, das „Feuer am Mann“ zu löschen. Nachdem diese Übungsaufgabe gelöst war, ging es darum, vier vermisste Personen aus Werkstatt und Lager zu retten. Und auch hier hatte sich Kessler etwas einfallen lassen. So wurden die Masken der Atemschutz-Geräteträger mit Klebeband fast sicht-dicht gemacht. Das sollte die Sehfähigkeit zusätzlich einschränken. In der eh schon dunklen Halle mussten sich die Zweier-Teams dann fast schon wie beim „Topfschlagen“ tastend voranarbeiten – bis zu den Opfer-Darstellern der „Realistischen Unfalldarstellung“ des DRK Quierschied – seit langem Partner der Kirkeler Wehr, wenn es darum geht, Übungen realitätsnäher und stressiger zu machen.

Auch diese Aufgabe lösten die Einsatzkräfte mit großer Routine. Rund um die Rettung etablierte sich mit dem Eintreffen der Fahrzeuge aus den drei Löschbezirken eine komplette Infrastruktur. Es wurden Einsatzabschnitte gebildet, ein Trupp sorgte mit dem Einsatz von Löschwasser aus einer so genannten „Riegel-Stellung“ heraus dafür, dass benachbarte Gebäude nicht von der angenommenen Einsatzlage bedroht wurden.



Kirkels Wehrführer Gunther Klein, der im Laufe die Einsatzleitung übernommen hatte, bewertete den Verlauf des Übungseinsatzes als positiv. „Übungen sind da, um zu lernen und um Gutes und Schlechtes im Ablauf zu reflektieren.“ Dabei gehe es, wie Klein verdeutlichte, auch darum, die im Januar eingeführten „Standard-Einsatzregeln“ in der Praxis anzuwenden. Diese Einsatzregeln sollen gerade über Tag, also in der erfahrungsgemäß personalschwächeren Zeit von Freiwilligen Feuerwehren, dafür sorgen, dass Löschbezirke im gemeinsamen Einsatz die Aufgaben sicher meistern können. In Kirkel, wie Gunther Klein erklärte, bedeute dies, das eben über den Tag hinweg und auf Basis einer zwischenzeitlich angepassten Alarm- und Ausrückordnung zwei Fahrzeuge aus unterschiedlichen Löschbezirken zum Einsatz kämen, im Bedarfsfall auch drei.

Was Gunther Klein vor allem durchweg positiv stimmte, dass war die große Anzahl an Übungsteilnehmern. „Ich bin begeistert, dass die Kirkeler Wehr an einem Freitagabend mit fast 60 Einsatzkräften an der Übung teilnimmt. Da können wir uns schon ‚von‘ schreiben.“

Auch Thomas Kessler beurteilte den Übungsverlauf aus Sicht des Verantwortlichen für das Training durchaus als gelungen, auch wenn er an der einen oder anderen Stelle Verbesserungsbedarf sah. „Gut war, dass Carsten Hussong als erster Einheitenführer vor Ort direkt versucht hat, die brennende Person zu löschen.“ Dass das in der Hektik auch auf Kosten der Weste von Hussong ging (die stand kurzzeitig auch in Flammen) sei weniger günstig gewesen, man werde deswegen eine solche Situation in der Zukunft erneut üben, so Kessler. „Ansonsten war alles sehr schnell aufgebaut. Das erste Fahrzeug am Einsatzort war gut aufgestellt, die anderen nicht so toll.“

Testen wollen habe man auch die Zusammenarbeit zwischen Kirkel-Neuhäusel und Limbach im Bereich des Atemschutzeinsatzes sowie die Einbindung des Einsatz-Leitwagens (ELW) mit nicht nicht so geschultem Personal. In der Summe sei die gestellte Aufgabe ruhig und ohne Hektik gelöst worden.