Gemeinde : Handlungsbedarf beim Fahrradverkehr

Für Radler ist in der Gemeinde Kirkel vieles gut, aber bei weitem nicht alles. Das war das Ergebnis eines Fahrradgipfels.

Gerade hat der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) Saar dem ausgewiesenen Auto-Land Saarland in Sachen Fahrradfreundlichkeit ziemlich schlechte Noten ausgestellt. Der ADFC Saar führt das schlechte Zeugnis im Saarland darauf zurück, „dass sich die zahlreichen politischen Willensbekundungen der letzten Zeit, mehr in den Radverkehr zu investieren, auf den Straßen noch nicht widerspiegelten“ (wir berichteten).

Es scheint also einiges an Handlungsbedarf zu geben. Genau das hat man auch in Kirkel schon frühzeitig erkannt – und per Gemeinderatsbeschluss nicht nur mit dem Jugendpfleger Armin Jung eigens einen Fahrradbeauftragten für Kirkel ernannt. Auch werden in der nahen Zukunft vier E-Bike-Ladestationen eingerichtet, bislang sind zwei in Limbach und zwei in Kirkel-Neuhäusel vorgesehen, in Altstadt laufen noch die Vorplanungen. Und: Die Gemeindeverwaltung selbst hat drei E-Bikes angeschafft.

Am Dienstagabend nun gab es zudem den ersten Kirkeler Fahrrad-Gipfel. Im Ratsaal der Gemeinde in Limbach hatten sich dazu rund 30 Bürger eingefunden, darunter auch Vertreter aus dem Gemeinderat, den Ortsräten und der Verwaltung selbst. Das Ziel: in Vortrag und Dialog Verbesserungsansätze für den Alltagsradverkehr in Kirkel zu finden, Schwachstellen zu benennen und das Engagement für den Drahtesel auf ein breiterers, dauerhafteres und auch vor allem bürgerschaftliches Fundament zu setzen. „Wir brauchen aber die nötigen Bedingungen, damit die Leute aufs Rad steigen“, so Armin Jung in seiner Begrüßung.

Doch wie sieht es aktuell in Kirkel-Neuhäusel, Limbach und Altstadt für die Alltagsradler tatsächlich aus? Eine erste Orientierung über das, was ist, und das, was sein sollte, gab hier ADFC-Landesvorsitzender Thomas Fläschner. Er attestierte Kirkel eine durchaus gute Ausgangssituation. So biete die Gemeinde aufgrund ihrer sehr flachen Topografie und relativ kurzer Streckenlängen zwischen den drei Ortsteilen förderliche Voraussetzungen. „Auch die Entfernungen zu den Nachbarorten wie Homburg, Neunkirchen, Blieskastel und St. Ingbert sind relativ gut zu bewältigen.“ Auf der Habenseite notierte Fläschner auch zum Teil abgesenkte Bordsteine, eine gute Verkehrsberuhigung in den Ortslagen mit baulichen Maßnahmen und das schon bestehenden Netz an Radwegen.

Zu verbessern seien mitunter die Breite dieser Radwege und deren Zustand. Auch kritisch seien die Bereiche, in denen die Radfahrer auf die Straße ausweichen müssten. Im Zentrum der Betrachtungen lagen zwangsläufig auch die Hauptstraßen in drei Ortsteilen mit ihrer Verkehrsdichte und den damit verbundenen Gefahren für Radfahrer.

Klaus Schäfer aus Limbach, passionierter Alltagsradler, sprach von den Routen in Limbach und Altstadt als „Nadelöhr“ für den Radverkehr. „Da wäre ein Schutzstreifen für Radfahrer schon sinnvoll.“ Und Schäfer kritisierte, dass in der Gemeinde zu wenig gegen Autofahrer getan werde, die verbotener Weise auf Radwegen parkten, „das ist eigentlich schade“. Grundsätzlich empfahl Fläschner hier, als Ausweichrouten auch eigentlich für den touristischen Radverkehr vorgesehene Radwege zu nutzen. Kritik äußerte Fläschner auch an den Möglichkeiten, in der Gemeinde sein Fahrrad angemessen an zentralen Orten abzustellen.

Aus dem Kreis der Teilnehmer kam unter anderem Kritik an fehlenden Markierungen, so entlang des Radwegs an der Hauptstraße in Kirkel-Neuhäusel im Bereich von einmündenden Straßen. Limbachs Ortsvorsteher Max Victor Limbacher mahnte im Zuge der Diskussion an, nicht nur den Blick auf die Radfahrer zu richten. Vielmehr müsse es Ziel der Gemeinde sein, für den gesamten nichtmotorisierten Verkehr gute Bedingungen zu schaffen. Gemeinderatsmitglied Walter Nägle forderte schließlich dazu auf, generell mehr Rücksicht auf den jeweils anderen Verkehrsteilnehmer zu nehmen. „Der öffentliche Verkehr ist angewiesen auf Vorsicht und Rücksicht von allen Teilnehmern. Das betrifft Fußgänger, das betrifft Radfahrer, das betrifft Autofahrer.“ Er, so Nägle, mache die Beobachtung, dass diese Rücksichtnahme immer mehr abnehme. „Wir hätten schon viel gewonnen, wenn wir den Autoverkehr verlangsamen und wenn Radfahrer und Fußgänger mehr aufeinander Rücksicht nehmen würden.“