Facettenreicher Blick auf Europa

Kirkel-Neuhäusel. Ohne Zweifel, die Kirkeler Künstlerin Trudl Wohlfeil ist eine überzeugte Europäerin. Und als solche ist sie auch eine Überzeugungstäterin, wenn es um ihre Kunst geht. In diesen Tagen präsentiert Wohlfeil in ihrem Atelier beziehungsweise in ihrer Malschule in der Kaiserstraße 97 die Ausstellung "Wir bauen auf Europa 2"

Kirkel-Neuhäusel. Ohne Zweifel, die Kirkeler Künstlerin Trudl Wohlfeil ist eine überzeugte Europäerin. Und als solche ist sie auch eine Überzeugungstäterin, wenn es um ihre Kunst geht. In diesen Tagen präsentiert Wohlfeil in ihrem Atelier beziehungsweise in ihrer Malschule in der Kaiserstraße 97 die Ausstellung "Wir bauen auf Europa 2". Und wer die umtriebige und vielschichtige Wohlfeil kennt, der kann sich schon denken, dass sich die Künstlerin nicht bei europäisch blau-gelb gefärbten Plattitüden aufhält. Ihre künstlerische Adaption des übergroßen Begriffes Europa ist so unglaublich vielschichtig, wie es der kulturelle, soziale und wirtschaftliche Raum selbst ist. "Europa ist alles. Das kann man gar nicht getrennt betrachten. Europa ist ein historischer Raum, es ist ein gewachsener Raum, ein Wirtschaftsraum."

Geht es darum, Europa vor Kritikern zu verteidigen, nimmt sie alle - sich eingeschlossen - in die Pflicht. "Man muss an Europa arbeiten. Man hat doch in der Vergangenheit nichts geschenkt bekommen!" Wohlfeils Arbeiten greifen so auch die dunklen Jahre des Kontinents auf, treiben den Europa-Begriff durch alle möglichen Definitionen. Ohne Zweifel: Wenn sie fordert, für Europa zu arbeiten, dann geht sie mit ihrem künstlerischen Schaffen voran, arbeitet sich ab an diesem für viele immer noch suspekten Staatenbund, der mit seiner Bürokratie und gefühlten Ferne oft zu abstrakt wirkt. Bei Wohlfeil wird dieses Europa an der Basis griffig. Und im guten Sinne alltäglich.

Die Städtepartnerschaften zwischen Kirkel und den beiden Gemeinden Mauleon in Frankreich und Torrox in Spanien sind ebenso Bestandteil von Einzelwerken und Buchexponaten wie Geschichten aus der eigenen Heimatgemeinde, politisch brisanten Themen wie Umweltschutz oder die eigene, durchweg europäisch geprägte Biografie der Künstlerin. Und so wenig leicht sich Europa für denjenigen erschließt, der nur ein billiges, schnelles Vergnügen zum eigenen Vorteil sucht, so wenig leicht ist auch Wohlfeils komplexe Aufbereitung des Ausstellungsthemas. Dabei ist Wohlfeils Ansatz des "Bauens" durchaus zwangsläufig. Denn ein tragfähiges Europa muss auf einem Fundament stehen, das sich im Leben jeden Europäers findet. Und so wird Wohlfeils facettenreicher Blick auf das tägliche Europa auch zu einem Appell - in Malerei, Installation, Collage, Buch, Fotografie und an sie selbst.