Entführung in die 20er Jahre

Kirkel-Neuhäusel. Ein bisschen Kreisler, ein bisschen Valentin, ein bisschen Tucholsky und ein bisschen Kästner: Mit solch erlesenen Zutaten servierte der Völklinger Theaterverein Titania am vergangenen Samstagabend seine kabarettistisch-musikalische Revue "So oder so ist das Leben" im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel-Neuhäusel

Kirkel-Neuhäusel. Ein bisschen Kreisler, ein bisschen Valentin, ein bisschen Tucholsky und ein bisschen Kästner: Mit solch erlesenen Zutaten servierte der Völklinger Theaterverein Titania am vergangenen Samstagabend seine kabarettistisch-musikalische Revue "So oder so ist das Leben" im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel-Neuhäusel.

Vor vollem Haus lieferten die Akteure mit Wort und Gesang ein humoristisches Stimmungsbild der 20er Jahre. Auch wenn nicht jedes Werk tatsächlich aus dieser goldenen Ära stammte. Walter Mehrings "Rattenfänger" führte die Zuhörer schon gleich zu Beginn in die Zeit nach der Weltwirtschaftskrise, die Anfänge des Nationalsozialismus und den aufkommenden, öffentlichen Antisemitismus. Und schon damit bewies Titania, das wahrlich nicht alles glänzte, was golden schien. Und den Akteuren gelang es so auch nachdrücklich, die seltsam endzeitliche Stimmung dieser Epoche zwischen trunkenem Aufbruch und Apokalypse, charakteristisch für die 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, wiederzugeben.

Mal mit Gedichten dadaistischer Prägung, mal mit echten Schlagern, mal mit theaterhaften Einlagen oder auch im Chanson ging es in einem Ritt durch die Kultur einer Zeit, die zwischen nonsens-geprägter Ablehnung der gesellschaftlichen Bedingungen und dem Wunsch nach augenverschließender Harmonie pendelte. Kurt Tucholskys "Ein Ehepaar erzählt einen Witz" fand sich als Humoreske mit Tiefgang gleich neben Ringelnatz' Kuriosgedicht "Der Bandwurm" in unmittelbarer Gesellschaft zum "Kleinen, grünen Kaktus" der legendären Comedian Harmonists. "Die Abwechslung und die Bandbreite faszinieren mich", gab Elke Krämer in der Pause ihrem ersten Eindruck Worte. "Ich glaube, bei dieser Revue erhält man, obwohl Vieles schlichtweg lustig ist, schon einen Einblick in die verzweifelte Sorglosigkeit dieser Zeit."

Mit Karl Valentins "Das Aquarium" bewiesen die "Titanen" aus Völklingen abseits ihres Sittengemäldes der 20er Jahre so ganz nebenbei auch, dass selbst Komödiantisches aus Zeiten, als der allgegenwärtige Hype um die Fernsehcomedy der Jetztzeit noch nicht einmal geträumt werden konnte, durchaus heute noch relevant ist und ohne Schwierigkeiten die Zeit überdauert hat. So schloss sich am Ende ein Kreis des Lachens, der auf die heutige Zeit mit ihrer fast schon zwanghaften Gier nach Lachhaftem ein etwas anderes Licht wirft.

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