Enten, die Geschichten erzählen

Sulzbach/Kirkel. "Eine Ente zu fahren, ist eine Lebenseinstellung." Benni Amann aus Ravensburg lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Leidenschaft für den Citroën 2CV

Sulzbach/Kirkel. "Eine Ente zu fahren, ist eine Lebenseinstellung." Benni Amann aus Ravensburg lässt keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit seiner Leidenschaft für den Citroën 2CV. Der junge Mann, Automechaniker und hauptberuflicher Enten-Reparateur, verbindet mit seinem "Döschevo" eine Lebensgeschichte - und auch das teilt er mit vielen von denen, die am vergangenen Wochenende beim großen Ententreffen in Kirkel teilnahmen. "Ich bin in genau diesem Auto groß geworden", sagt Amann und zeigt auf seine Ente. "Als ich 16 wurde, war diese Ente fertig und sollte eigentlich auf den Schrott. Da hab' ich sie übernommen, weil ich genau sie haben wollte und keine andere." Amann machte aus Schrott ein geliebtes Liebhaberfahrzeug. Aber keines für die Garage. "Meine Ente muss alles mitmachen, jeden Tag, bei jedem Wetter." Da kann es schon mal passieren, dass zehn Bierbankgarnituren transportiert werden müssen, "für die Ente kein Problem". "Kein Problem" ist auch das, was die Beziehung von Jürgen Schmitt und Sohn Claude mit dem Fahrzeug französischer Bau- und Lebensart auszeichnet. "Wir sind in der dritten Generation Entenfahrer, seit den 50er Jahren." Und auch bei den Schmitts wird Wert darauf gelegt, dass die Ente ein Fahrzeug für den täglichen Betrieb ist. "Für uns ist das kein Oldtimer, keine Schicki-Micki-Kiste oder ein Freizeitfahrzeug, sondern ein echtes Alltagsauto." Acht Enten in vierzig Jahren ist Jürgen Schmitt gefahren. "Das ist meine letzte", sagt er mit Blick auf eine schicke "Charlston". Und auch Schmitts Ente hat eine Geschichte zu erzählen: Dass sie heute wie aus dem Ei gepellt aussieht, verdankt sie dem Umstand, dass sie als "Reseve-Ente" jahrelang versiegelt in der Garage gestanden hat. "Als 1990 der Bau der Ente eingestellt worden ist, hab' ich mir gleich zwei Stück gekauft." Die eine fuhr er "runter", dann wurde die Schwester aus der Garage geholt, "als Ente für die Rente". Die "alte" übernahm sein Sohn Claude und machte daraus eine "Alte". Stück für Stück ersetzte der junge Entenfan baujahr-neue Teile gegen alte, heute ist sein bereiftes Federvieh Stand 1964. Jürgen Schmitt: "Möglich wird das dadurch, dass über alle Baujahre hinweg die Teile zwischen den Fahrzeugen austauschbar sind." Die Geschichten von Amann und den Schmitts rund um ihre 2CV's sind exemplarisch für das Leben mit diesem einzigartigen Auto. Und da Geschichten vor allem dann ihren Wert bekommen, wenn sie weitererzählt werden, erfreuen sich Enten-Treffen großer Beliebheit. Roland Reichert aus Sulzbach, "Präsi" der ausrichtenden Action-Ents-Saar: "Es war schon heftiges Treiben auf dem Platz. Es kamen deutlich mehr Entenfahrer als ursprünglich angenommen. Vor zwei Jahren waren es 72 Enten, die den Weg nach Kirkel gefunden hatten, in diesem Jahr 104." "Für mich ist die Ente auch ein echtes Alltagsauto." Jürgen Schmitt

 Für Jürgen Schmitt und seinen Sohn Claude (links) ist die Ente Familientradition, tägliches Fortbewegungsmittel und Lebenseinstellung. Letzteres teilten beide beim großen 2 CV-Treffen in Kirkel mit vielen anderen Entenliebhabern. Foto: Thorsten Wolf
Für Jürgen Schmitt und seinen Sohn Claude (links) ist die Ente Familientradition, tägliches Fortbewegungsmittel und Lebenseinstellung. Letzteres teilten beide beim großen 2 CV-Treffen in Kirkel mit vielen anderen Entenliebhabern. Foto: Thorsten Wolf

Auf einen BlickDer 2CV (deux cheveaux), in Deutschland üblicherweise als Ente bekannt, war ein populäres Modell des französischen Autoherstellers Citroën. Zwischen 1949 und 1990 wurden 3 868 631 viertürige Limousinen und 1 246 335 Lieferwagen, die so genannte "Kastenente", hergestellt. Von 1961 bis 1966 und 1971 wurde zusätzlich in kleiner Stückzahl auch eine Ausführung mit zwei Motoren und Allradantrieb gebaut, die bereits 1958 vorgestellt worden war. thw