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Eisheilige in Homburg fallen mild aus

Wintereinbrüche im Mai werden seltener : Die Eisheiligen sind milde gestimmt

Früher waren sie gefürchtet, doch inzwischen haben sie ihren Schrecken verloren: die Eisheiligen, die in dieser Woche beginnen.

Der April war sonnig und warm, wenn auch mit kühlen Ostwinden, aber richtig gefroren hat es in den Nächten in unserer Region nicht. Teilweise fielen Anfang April die Temperaturen in der Nacht zwar stundenweise unter Null Grad Celsius, was empfindlichen Pflanzen wie Hortensien und frühen Kirschblüten auch durchaus zu schaffen machte, aber größere Flurschäden wurden nicht angerichtet.

Das bestätigt auch Harry Lavall, Obstbaumexperte und Mitarbeiter des Saarpfalz-Kreises beim Amt für Landwirtschaft und Gartenbau. Doch Entwarnung wird traditionell erst nach dem 15. Mai gegeben, dann sind die so genannten Eisheiligen vorbei, und man kann dann mit ruhigem Gewissen Geranien und anderen Sommerflor pflanzen.

 Bis zum 15. Mai, dem Tag der heiligen Sophie, wird es laut Bauernregel noch einmal kalt. Jeder Tag der Eisheiligen ist nach einem Heiligen benannt, das Ende markiert eben jene „kalte Sophie“. Wenn man die Wettervorhersage bemüht, so scheinen die Bauernregeln so verkehrt nicht zu sein, denn prompt soll zum Auftakt der Eisheiligen, am Montag, 11. Mai (Mamertus), die Temperatur deutlich fallen - auf drei Grad nachts und auf acht Grad tagsüber, noch dazu mit Regen. Regen ist sicher nicht verkehrt, und unter Null Grad wird’s auch nicht, aber wer sich gerade in den vergangen Tagen an die wohlige Wärme gewöhnt hat, wird den Umschwung deutlich spüren.

So ungemütlich soll es auch weitergehen. Am 12., 13. und 14. Mai (Pankratius, Servatius, Bonifatius) wird es nicht mehr unbedingt regnen, die Temperaturen liegen nachts bei vier beziehungsweise acht Grad, tagsüber zwischen 14 und 17 Grad. Und ausgerechnet am Tag der kalten Sophie, Donnerstag, 15. Mai, geht es wieder aufwärts mit dem Frühlingswetter. Sophie zeigt sich laut Voraussage also gnädig bei 19 Grad und Sonnenschein.

Das sind deutlich bessere Aussichten als im vergangenen Jahr, denn da fielen die nasskalten Temperaturen nicht nur genau in die Zeit der Eisheiligen hinein - es herrschten schon in der Woche davor Nachttemperaturen unter Null Grad. Darunter haben die Neutriebe alter Bäume und Sträucher ebenso gelitten wie auch die Blüten der Quitte, und von den Äpfeln und Kirschen blieb nicht viel übrig.

Das wird in diesem Jahr anders sein, sagt Lavall: „Die Obstbäume haben gut angesetzt, sie sind jetzt auch robuster als in der Vollblüte, die vor zwei Wochen war. Ich denke, da wird nicht mehr viel passieren.“ Es habe den Bäumen gut getan, dass es vor einer Woche ein paar Tage lang kräftig geregnet hatte, „das war notwendig und hat das Fruchtwachstum vorangebracht“.

Ein Problem stellten lediglich die Gespinstmotten dar, deshalb sei es ratsam, die Bäume häufig zu kontrollieren, „denn so lange die Bäume klein sind, kann man diese Motten ganz leicht mit den Fingern abmachen.“ Gespinstmotten haben weißgraue Flügel mit schwarzen Punkten, ihre Flügelspannweite beträgt etwas über zwei Zentimeter. Gespinstmotten sind von den gefürchteten Eichenprozessionsspinnern zu unterscheiden, sie sind für Menschen ungefährlich. Allerdings können sie, sollten sie in Massen auftreten, ganze Pflanzen einspinnen und kahl fressen.

Vor Ende Mai, rät Lavall, sollte man die erfrorenen Triebe an den Blumen und Sträuchern noch nicht abschneiden, denn falls es noch einmal kalt werden sollte, sind die Pflanzen der Kälte erst recht schutzlos ausgeliefert und werden dadurch so geschwächt, dass sie womöglich eingehen.

Harry Lavall kann über die Apfelernte speziell in der Biosphäre noch keine Prognosen machen: „Ich habe noch keinen Überblick über die Entwicklung auf unseren Streuobstwiesen. Das hängt immer von der Lage und von der Sorte ab. Aber ich denke, die Schäden halten sich in Grenzen. Es herrschten im Bliesgau zwar in einigen Nächten Temperaturen um den Gefrierpunkt, aber nicht deutlich darunter.“

Auch das gab es vor zehn Jahren noch: Schnee zum Auftakt der Eisheiligen am 11. Mai im Schwarzwald Foto: dpa/Rolf Haid

Bodenfrost mache kräftigen Obstbäumen nicht viel aus: „Je besser ein Baum ernährt ist und je mehr Mineralien er enthält, desto größer ist seine Widerstandkraft. Der friert nicht so leicht und kann die jungen Früchte gut versorgen.“ Einerseits braucht man Regen, aber allzu viel davon, ist auch nicht gut: „Die Pollen verkleben, wenn es zu lange in die Blüte hineinregnet, dann können sie nicht mehr befruchtet werden.“ Abgesehen davon, dass auch die Bienen nicht fliegen, „die mögen auch keinen Regen.“ Nun, dass es in diesem Frühjahr zu viel geregnet hätte, kann man wahrlich nicht sagen. Auch wenn es zwischenzeitlich ein paar Schauer gibt: Nach den Eisheiligen ist wieder Sonnenschein zu erwarten, und so werden auch die Bienen ihre Arbeit tun.