Ein ruhiger Tag nach der Wahl

Die Wahl ist gelaufen, das Leben geht weiter - und sogar ohne jegliche Veränderung. Frank John bleibt weiterhin Bürgermeister und Carsten Baus bleibt weiterhin Geschäftsführer eines Verbandes. Die Kinder der beiden Kandidaten freuen sich nach dem Wahlkampf: Papa ist wieder öfter zu Hause.

Gestern war der Tag nach der Wahl oder, wie es gerne hochtrabend heißt: "Der Tag danach" - was sich immer so anhört, als sei jetzt alles ganz anders. Ist es aber nicht, ganz im Gegenteil.

Der jetzige und auch künftige Bürgermeister von Kirkel , Frank John , hatte gestern ein Gespräch mit einem Unternehmer, der sich auf dem Zunderbaum-Gelände ansiedeln wollte, das er auch ohne die Wahl geführt hätte. Und sein Gegenkandidat Carsten Baus (CDU ) war gestern ganz normal an seinem Arbeitsplatz als Geschäftsführer des Landesverbandes Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge in Riegelsberg anzutreffen. Auf die Frage, welche Veränderung die Bürgermeisterwahl mit sich gebracht habe, antworten beide: "Gar keine."

Frank John fügte im Scherz hinzu: "Meine fünfjährige Tochter weiß weiterhin, wo der Schreibtisch vom Papa steht." Und Carsten Baus' vierjähriger Sohn ist froh, dass sein Vater jetzt an den Abenden wieder mehr Zeit für ihn hat: "Ich war sieben Wochen lang täglich zwischen vier Uhr nachmittags bis 21 Uhr unterwegs, die Wochenenden auch ganztags", so Baus. War dies im Rückblick vertane Zeit? "Nein, überhaupt nicht", sagt Baus sofort, "ich hatte persönlichen Kontakt mit über 2000 Leuten. Ich habe die Vorschläge, Anregungen und Kritikpunkte der Bürger aufgenommen und damit einen ganzen Block gefüllt." Da Baus auch weiterhin kommunalpolitisch tätig bleibt - als Gemeinderatsmitglied in Kirkel und als Ortsratsmitglied in Altstadt - kommen ihm diese Aufzeichnungen zugute: "Ich habe damit vermutlich genügend kommunalpolitische Themen für die nächsten acht Jahre." Will er es dann womöglich nochmal versuchen? "Diese Frage stellt sich nicht", sagt Baus, "denn zuvor muss man eine andere, zentrale Frage stellen: Wird es in acht Jahren noch eine selbstständige Gemeinde Kirkel geben?" Eine Frage, die Frank John derzeit nicht ganz oben auf der Agenda stehen hat. "Mir sind jetzt andere Dinge wichtiger", sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung, "zum Beispiel der Umbau des Schulhauses zu einer Kindertagesstätte in Altstadt." Außerdem stehe der Ausbau der Freiwilligen Ganztagsschule in Kirkel und in Limbach an. Ob es Wahlkampf-Schützenhilfe aus dem Landratsamt war oder ob es sowieso gekommen wäre - das Durchfahrtsverbot für Laster über 7,5 Tonnen durch Altstadt wird eines der nächsten Projekte sein, das sich Frank John auf die Fahnen geschrieben hat.

Ansonsten will er es halten, wie er es auch bisher getan hat: "Ich bin immer da und für alle Besucher ansprechbar." Eine Haltung, die bei den Bürgern, insbesondere in Johns Heimatgemeinde Limbach, bestens ankommt, was die große Zustimmung dort beweist. "Die Kirkeler wollten Frank John und sie haben Frank John bekommen", sagt Carsten Baus, der dem alten und neuen Bürgermeister alles Gute wünscht. Während es vor acht Jahren, als Frank John (SPD ) gegen Armin Hochlenert (CDU ) bei der Bürgermeisterwahl angetreten war, zu einer Stichwahl kam, war diesmal das Ergebnis schon nach den ersten Auszählungen mehr als eindeutig. Und wieder konnte John auf seine Hausmacht in seinem Heimatort Limbach vertrauen, die ihm schon vor acht Jahren mit knapp 70 Prozent der Stimmen die entscheidende Mehrheit vor Hochlenert besorgt hatte. Diesmal fuhr John in Limbach das Ergebnis von 86,27 Prozent ein, mehr geht kaum. Aber auch in Kirkel-Neuhäusel, wo es gerne mal zu Vorbehalten gegenüber einem Kandidaten aus Limbach kommt, räumte John immerhin 68,54 Prozent der Stimmen ab, also scheint er auch im größten Ort der Gesamtgemeinde äußerst beliebt zu sein, was im Vorfeld von Gemeinderatsmitgliedern nicht so eingeschätzt worden war. Immerhin hatte er dort bei der Stichwahl im Jahr 2008 nur 37 Prozent bekommen. Selbst in Altstadt, dem Heimatort von CDU-Kandidat Carsten Baus, punktete Frank John mit über 72 Prozent der Stimmen, auch hier legte er gegenüber 2008 (53 Prozent) deutlich zu.