Ein neuer Weg zum Abitur

Limbach/Homburg. Im Raum Homburg und Kirkel wird die Schullandschaft erweitert, denn es kommt ein Oberstufengymnasium hinzu, das es in dieser Form bisher noch nicht gegeben hat (wir berichteten)

Limbach/Homburg. Im Raum Homburg und Kirkel wird die Schullandschaft erweitert, denn es kommt ein Oberstufengymnasium hinzu, das es in dieser Form bisher noch nicht gegeben hat (wir berichteten). Möglich wurde diese Einrichtung durch den Vorstoß der saarländischen Kultusministerin Annegret Kramp-Karrenbauer, die vor zwei Monaten den Weg freigemacht hatte für ein so genanntes Oberstufengymnasium. Das nimmt nun im Raum Homburg Form an: Die Erweiterte Realschule Kirkel, die beiden Homburger Erweiterten Realschulen Robert Bosch und Sandrennbahn, das BBZ sowie das Saarpfalz-Gymnasium werden künftig eng zusammenarbeiten, um diese neue Oberstufenklasse möglich zu machen. "Wir hoffen, dass sich genügend Schülerinnen und Schüler finden, die dieses Angebot auch nutzen", hofft Ulrike Luckscheiter, die Schulleiterin der ERS Kirkel. Wenn aus jeder der vier an der Kooperation beteiligten Schulen mindestens vier oder fünf Schüler kämen, "dann hätten wir eine richtige Abiturklasse", so Luckscheiter.Bisher seien die Realschüler, sofern sie Interesse an einer weiterführenden Schule hatten, vielfach an die Fachoberschule gewechselt. Nun hätten sie als Alternative die allgemeine Hochschulreife, ausgestellt vom Saarpfalz-Gymnasium. Denn hier wird die künftige Oberstufenklasse angedockt. Zunächst besuchen alle ERS-Schüler die zehnte Klasse am Saarpfalz-Gymnasium und bleiben in dieser Zeit mehr oder weniger unter sich. Die Lehrer können entweder von der ehemaligen ERS kommen, sofern sie eine Oberstufenlehrbefähigung haben, die Übrigen stammen aus dem Kollegium des Saarpfalz-Gymnasiums. Die zehnte Klasse sei wichtig, um die Schüler gemeinsam über die Schwelle des klassischen Gymnasiums zu führen, sagt Jürgen Helwig, Direktor des Saarpfalz-Gymnasiums. Danach, in den Klassen elf und zwölf, würden die ERS-Schüler in den ganz normalen Schulbetrieb eingegliedert. Karl-Peter Ranker, der Schulleiter der Homburger Erweiterten Realschule an der Sandrennbahn, findet diese Maßnahme sehr sinnvoll: "Es erlaubt den Jugendlichen, doch noch ihr Ziel zu finden, auch wenn sie durch persönliche oder pubertäre Probleme kurzfristig aus der Bahn geworfen wurden." Außerdem bekämen junge Leute, denen das achtjährige Gymnasium Schwierigkeiten bereite, am Oberstufengymnasium jetzt eine zweite Chance geboten. "Wir hoffen, dass sich genügend Schüler finden, die dieses Angebot nutzen."Ulrike Luckscheiter, ERS KirkelMeinung

Mehr Zeit für Zukunftspläne

Von SZ-RedakteurinChristine Maack Nur rund 40 Prozent eines Jahrgangs kommen ohne Umwege in einem klassischen Gymnasium zum Abitur. Die Übrigen nehmen einen Umweg oder drehen eine Schleife, warum auch immer. Ihnen darf man aber nicht den Weg verbauen, nur, weil sie mit 13 oder 14 Jahren mal das Pedal verloren haben. Dennoch: Das Abitur ist nicht das allein selig machende Abgangszeugnis. Das Rückgrat unserer Wirtschaft sind Handwerker, Mittelständler und schlaue Tüftler. Die brauchen nicht notwendigerweise ein Abitur. Deshalb sollte man sich nicht um jeden Preis auf diesen Schulabschluss fixieren. Wer es dennoch möchte, hat jetzt eine weitere Chance auf dem Weg dorthin. Außerdem bietet das neue Oberstufengymnasium die Möglichkeit, die G-8-Regelung am klassischen Gymnasien zu umgehen. Für viele Eltern sicher eine wichtige Möglichkeit. Da die Klasse zehn jetzt unter neuen Gesichtspunkten wiederholt wird, haben Jugendliche Zeit, Luft zu holen und sich eingehend Gedanken über ihre Zukunft zu machen. Dies geschieht zwischen 15 und 16 Jahren, wenn man sich entscheiden muss, was man will.