Ein großes Thema in Brasilien

Viele Menschen leiden in Brasilien unter den Folgen von Staudammprojekten. Bei seinem Besuch der Gemeindewerke Kirkel informierte sich der brasilianische Bischof Santin umfassend über das Thema Wasser.

"Das Recht ströme wie Wasser" - unter diesem Motto läuft in diesem Jahr die Fastenaktion des katholischen Hilfswerks Misereor. "Dahinter verbirgt sich die Solidarisierung mit den Menschen in Brasilien, die dort unter den sozialen Folgen von Staudamm-Projekten leiden." Mit dieser kurzen Erläuterung schuf Steffen Glombitza, Umweltbeauftragter im Bistum Speyer und Seelsorger in der Pfarreiengemeinschaft Heilige Familie in Blieskastel, die Grundlage für einen ganz besonderen Besuch im Wasserwerk in Kirkel-Neuhäusel. Dort konnte Michael Schneider, Geschäftsführer der Gemeindewerke Kirkel , am Donnerstag Bischof Wilmar Santin aus Brasilien begrüßen. Santins Absicht: Sich eingehend über das System der Wasserversorgung in Deutschland und dessen rechtliche und technische Grundlagen zu informieren.

Begleitet von einer Reihe von Vertreterinnen der Blieskasteler Pfarrei wurde der Besuch dabei mehr als eine Formalität. Dafür sorgten die detaillierten Erläuterungen von Schneider und die sehr genauen Nachfragen des Bischofs. Eine Frage aber, die den Beginn des Besuchs jenseits vieler technischer Erklärungen dominierte, drehte sich um ein Reizthema: Wer besitzt das Wasser? Stichwort hierbei: eine mögliche Privatisierung . Hier konnte Michael Schneider auf Nachfrage von Ulla Schwarz Entwarnung geben, er sehe hier auf Sicht keine Gefahr, dass in Deutschland Wasser ein privates Handelsgut werde. Ausführlich begründete Schneider diese Einschätzung auch mit einer Erläuterung, wer welche Anteile an den Gemeindewerken Kirkel habe. Das Bild, das er zeichnete, verdeutlichte eine maximale Einflussmöglichkeit der öffentlichen Hand. Schneider: "Wir haben in Deutschland keine Privatisierung . Und ich gehe davon aus, dass es auch nicht dazu kommen wird." Gleichwohl, so der Geschäftsführer der Gemeindewerke Kirkel , bestehe vor diesem Hintergrund für die kommunalen Versorger die Pflicht, effizient zu arbeiten.

Ebenfalls ein Thema: Die Sicherheit der Wasserversorgung. Hier schilderte Schneider ein komplexes System, das jederzeit den nötigen Wasserbedarf in der Gemeinde decke, angefangen beim Wasserwerk in Kirkel-Neuhäusel über zusätzliche Einspeisungen aus dem Bereich der Kommunalen Energie- und Wasserversorgung (KEW) Neunkirchen bis hin zur Möglichkeit von Noteinspeisungen im Bereich Altstadt. Die Besuchergruppe um Bischof Santin hatte viele Fragen zu den technischen Aspekten der Wassergewinnung: Wie viele Brunnen gibt es? Müssen diese je nach Grundwasserstand auch mal tiefer gebohrt werden? Wer darf überhaupt Brunnen bohren? Und: Wie sieht es mit der Wasserqualität aus? Auf all diese Fragen gab Schneider gerne und kundig Auskunft. So sei es gesetzliche Vorgabe, nur so viel Wasser aus dem Brunnen zu entnehmen, wie sich das Grundwasser selbst in der Menge regeneriere. Damit sei es nicht nötig, die Brunnen in ihrer Tiefe zu verändern, um auf ein Absinken des Grundwassers zu reagieren. Das für eine Brunnenbohrung nötige Wasserrecht werde vom zuständigen Landesamt für Umwelt und Arbeitsschutz vergeben, die Qualität selbst werde regelmäßig und kontinuierlich überwacht.