Die Welt vom Traktor aus betrachtet

Die Welt vom Traktor aus betrachtet

Mit einem Gespann aus Traktor und Wohnwagen entdeckte Horst Kissel aus Kirkel Deutschland für sich neu. Mit der Reise erfüllte er sich einen Kindheitstraum. Im Bildungszentrum liest er am 7. April, aus seinem Reisebuch.

Er erfüllt sich einen Kindheitstraum und startet zu seinem bislang größten Abenteuer: Horst Kissel aus Kirkel bereist mit einem Traktor, Baujahr 1958, und einem modernen Wohnanhänger im Jahr 2015 auf Nebenstraßen 107 Tage lang Deutschland (wir berichteten). Mit Hilfe seines Bruders, der Elektromeister ist, baute er einen Wohnwagenanhänger komfortabel aus und fuhr mit der außergewöhnlichen Kombination probeweise erste kleine Touren im Saarland. Dabei stellte er in philosophischer Manier fest, dass "alleine fahren eine Meditation, ist fast wie Yoga".

Seine große Deutschland-Tour startete Kissel am 21. Mai in Kirkel . Sie führte ihn zunächst 600 Kilometer nach Oberbayern zu seinem Bruder, wo ein befreundeter Mechaniker den Traktor-Motor überprüfte und das Getriebe generalüberholte. Anschließend lenkte der passionierte Motorsportfan sein Gefährt nach Sachsen zum Motorrad-Grandprix am Sachsenring. Dort besuchte er auch langjährige Freunde. Nach Stationen in Brandenburg und Berlin landete er am Müritzsee inmitten der Mecklenburgischen Seenplatte, wo er sich in Anlehnung an Goethes Faust dachte: "Augenblick verweile doch! Du bist so schön". Der See markierte obendrein den Wendepunkt seiner Reise. Von dort ging es wieder ganz gemächlich zurück ins Saarland. Beinahe 3000 Kilometer legt er in dieser Zeit zurück, im Wortsinn "entschleunigt". Horst Kissels Ziel war es, jeden Tag frei entscheiden zu können, wie weit gefahren, wo angehalten, wo ein Schwätzchen gehalten und wo das müde Haupt zur Ruhe gebettet wird. Keinen Zeitdruck zu haben, im Einklang mit der Natur unterwegs zu sein und zu genießen, zu entdecken und eben zu entschleunigen. Und dabei nicht zu wissen, ob die fast 60 Jahre alte Technik durchhalten würde.

Horst Kissel liest am Donnerstag, 7. April, ab 19 Uhr, im Bildungszentrum der Arbeitskammer in Kirkel aus seinem Reisetagebuch, das ein Abenteuertagebuch wurde, und zeigt dazu die Fotos seiner dreieinhalbmonatigen Entdeckungsfahrt durch die deutsche Provinz. Abenteuertagebuch auch deswegen, weil der Kirkeler Kissel Opfer einer Verwechslung und auch verhaftet wurde.

Der Eintritt ist frei. Aus organisatorischen Gründen muss eine Anmeldung unter Tel. (0 68 49) 90 90 oder online über www.bildungszentrumkirkel erfolgen.

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