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Deutsche Gesellschaft für Kardiologie schreibt Offenen Brief

Deutsche Gesellschaft für Kardiologie : Herzpatienten sind in Corona-Zeiten gefährdet

Aus Angst vor Ansteckung und überfüllten Krankenhäusern trauen sich viele Patienten, die an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, nicht mehr dorthin. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie warnt in einem Offenen Brief vor diesem Kollateralschaden der Pandemie.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) hat einen Offenen Brief an den Gesundheitsminister gesendet. Der Grund: Die Sterblichkeitsraten und die Zahlen der Wiederbelebungen außerhalb des Krankenhauses sind in Ballungsgebieten der Covid-19-Erkrankungen auf das Zweifache angestiegen, berichtet Professor Michael Böhm, Direktor Klinik für Innere Medizin III, Kardiologie, Angiologie und Internistische Intensivmedizinam Universitätsklinikum des Saarlandes.

Böhm ist außerdem Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie und  weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass eine „Verschiebung von Krankenhausversorgungen kritisch kranker Patienten und insbesondere von kardiovaskulär erkrankten Patienten, auch wenn sie momentan stabil sind, nicht herausgezogen werden darf“.

Die so erfolgreiche Kontrolle der Infektionszahlen in der ersten Welle der Pandemie in unserem Land sei mittlerweile einer Sterblichkeit gewichen, die so hoch ist wie in den USA und anderen Europäischen Staaten, bemerkt Böhm in dem Offenen Brief weiter.

Damit verantworte Covid 19 jetzt auch in Deutschland Übersterblichkeit. Die begrenzte Verfügbarkeit von Impfstoff werde auch in den kommenden Monaten mitverantwortlich dafür sein, dass die Pandemie unser Gesundheitssystem weiter beherrschen wird, heißt es in dem Offenen Brief.

Entsprechend essenziell sei eine Prognose der Patienten-adjustierten Allokation der zur Verfügung stehenden Ressourcen im deutschen Gesundheitssystem.

Die DGK hat in der Vergangenheit wiederholt auf die Bedeutung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen für Prävalenz, Morbidität und Mortalität von Covid-infizierten Patienten hingewiesen. Hinzu kommen „Kollateralschäden“ bei durch Covid verunsicherten Patienten, die dringlich notwendige kardiovaskuläre Therapien nicht in Anspruch nehmen bzw. nehmen können.

Jüngere Untersuchungen für Mitteldeutschland zeigten, dass in der Pandemie nicht nur bedeutend weniger Patienten invasiver Diagnostik zugeführt würden, sondern auch die kardiovaskuläre Mortalität erhöht war. Kurzum, viele an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidenden Menschen trauen sich wegen der Ansteckungsgefahr oder einfach wegen Angst vor überfüllten Krankenhäusern erst gar nicht dorthin und bezahlen dies nicht selten mit ihrem Leben.

Eine diese Hochrisikopatienten nachrangig berücksichtigende Impfstrategie mache die Situation für kardiovaskulär erkrankte Patienten nicht besser, so Professor Böhm.

Im Unterschied hierzu, sagt er weiter,  sei allerdings für die Therapie kardiovaskulär Erkrankter in Deutschland zuletzt richtig entschieden worden: Bei einer 30-Tages-Sterblichkeit von Covid-erkrankten Patienten mit nicht behandelter struktureller Herzerkrankung von bis zu 50 Prozent, wurde Ende des Jahres 2020 die Zahl kathetergestützter Eingriffe zum Beispiel zur Behandlung der Aortenklappenstenose nicht mehr reduziert, was eine  deutliche Fallzahlreduktion bei diesen Patienten zur Folge hatte.

Dieses Vorgehen mit Präferenz minimalinvasiver Interventionen nicht zuletzt zur Schonung von Ressourcen in der Intensivmedizin stehe im Einklang mit den Empfehlungen der Fachgesellschaften in Europa und den USA, heißt es weiter. Die DGK halte die Aufrechterhaltung von Ressourcen für die kardiovaskuläre Medizin für alternativlos, diese Strategie müsse auch in den kommenden Monaten weiter kraftvoll umgesetzt werden.

Eine Beschneidung dieser prognoserelevanten Eingriffe würde die gegenwärtige Übersterblichkeit in Deutschland fördern, so wie es die bisher fehlende Impf-Priorisierung von kardiovaskulär erkrankten Patienten mit besonders hohem Risiko riskiert. Die DGK biete den detaillierten Austausch mit den politischen Entscheidungsträgern und den im Gesundheitssystem Verantwortlichen hiermit noch einmal ausdrücklich an.

Der derzeitige Präsident der DGK, Professor Andreas Zeiher, appelliert darüber hinaus an die Herz-Patientinnen und -Patienten: „Nehmen Sie die Symptome von akuten Herzerkrankungen und auch von Verschlechterungen einer bestehenden Herzerkrankung ernst und begeben sich, wenn nötig zeitnah in ärztliche Behandlung oder rufen den Rettungsdienst!“ Die Notfallversorgung sei flächendeckend sichergestellt, betont der Herzmediziner.

Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz und Kreislaufforschung e.V. (DGK) mit Sitz in Düsseldorf ist eine gemeinnützige wissenschaftlich medizinische Fachgesellschaft mit mehr als 10.500 Mitgliedern. Sie ist die älteste und größte kardiologische Gesellschaft in Europa. Ihr Ziel ist die Förderung der Wissenschaft auf dem Gebiet der kardiovaskulären Erkrankungen, die Ausrichtung von Tagungen die Aus-, Weiter- und Fortbildung ihrer Mitglieder und die Erstellung von Leitlinien.

Weitere Informationen unter www.dgk.org

Wichtige Informationen für Nicht-Mediziner stellt die DGK auf den Seiten ihres Magazins „HerzFitmacher“ zu-

Angst vor vollen Krankenhäusern hält Herzpatienten nachweislich davon ab, den Rettungsdienst anzurufen. Foto: dpa/Petr David Josek

sammen: www.herzfitmacher.de