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Das Prinzenpaar der Burgnarren Kirkel war in der Redaktion Homburg

Burgnarren Kirkel : Nach der Hexennacht ein Prinzenpaar

Die heiße Phase der närrischen Zeit steht bevor. Deswegen haben Akteure der hiesigen Fastnachtsvereine die Redaktion besucht. Heute ist es das Prinzenpaar der Kirkeler Burgnarren Jessica I. und Mario I. .

Was hat das Hexenfeuer in der Nacht zum 1. Mai mit einem Prinzen und einer Prinzessin zu tun? In Kirkel jede Menge. Denn genau da fiel im vergangenen Jahr die Entscheidung, wer in dieser Session das Erwachsenen-Prinzenpaar der Burgnarren werden wird – ganz unspektakulär. Man saß in geselliger Runde zusammen, da fragte der Vorstand des Karnevalsvereins bei Mario Dein locker an, ob er denn nicht gerne mal den Fastnachtsprinzen geben wolle. Der rief das kurz seiner Jessica zu, die da gerade nicht so richtig bei der Sache war und nur schnell ein „Ja, ja, machen wir“ zurückrief. Am nächsten Tag hatte es sich schon rumgesprochen, und sie wurde mit „da kommt ja unsere Prinzessin“ begrüßt. So schnell kann es gehen in Kirkel in der Hexennacht.

Heute sitzen Jessica Ostermayer, 24, und Mario Dein, 30, in der Homburger Redaktion und haben seit der schicksalhaften Nacht, die sie zu närrischen Hoheiten machte, so einiges erlebt – und zwar jenseits der Fastnacht: Kirchliche Hochzeit im August, Umzug im Januar, und dazu kommen nun die närrischen Verpflichtungen. Ein ziemlich atemloser Takt und dabei steht der Höhepunkt der tollen Tage erst noch bevor. Da ist es gut, dass es die Oma gibt, die zu Hause auf den kleinen Sohn, 1 Jahr alt und ihr „Juniorprinz“, aufpasst, wenn die Eltern in Sachen Fastnacht unterwegs sind.

Wenn aus Jessica eine Prinzessin wird, dann gehört dazu natürlich auch das passende Outfit. Umhang, Mütze, Zepter bekommen sie vom Verein. Fürs Kleid und die Prinzentracht sind die Auserkorenen jeweils selbst zuständig. Da brauchten die beiden gar nicht erst lange auf die Suche zu gehen, schließlich hatten sie von ihrer Hochzeitsfeier noch die passenden Roben im Schrank hängen. Der blaue „Hochzeitsanzug hat farblich gut gepasst“, sagt Prinz Mario. Und da Jessica ihr Kleid, das ihr eine Freundin extra angefertigt hat, darauf abgestimmt hatte, konnte sie das Hochzeits- in ein Prinzessinnenkleid verwandeln. Dass ihr Mann für seinen Anzug im vergangenen Jahr gerade die Farbe blau aussuchte, macht sie heute ein bisschen misstrauisch: War der Fastnachts-Prinzen-Coup tatsächlich so spontan, wie er sagt? Hose und Jackett passen einfach zu gut zu den königsblauen Umhängen, die sie als Repräsentanten der Burgnarren tragen, fügt sie augenzwinkernd hinzu. Kennengelernt haben sich die beiden übrigens bei der Arbeit: Sie war damals Auszubildende, lernte Bäckereifachverkäuferin, er ihr Chef. Sie arbeitete dann später in der Kantine beim Zoll in Saarbrücken. Er leitet die Filiale eines Lebensmittelmarktes im Ort.

Bei allem, was auf die beiden als Prinzenpaar zukam, gab es für Jessica I. eine Sache, die bei ihr richtig Lampenfieber auslöste: das Sprechen vor großem Publikum. Das sei für sie eben ungewohnt. Am Ende klappte das aber doch richtig gut, etwa bei der großen Kappensitzung. „Ich habe es mir viel schlimmer vorgestellt.“

Für Prinz Mario ist weder das Reden vor Publikum – das kennt er durch den Job – noch das närrische Treiben von der Bühne aus eine neue Sache. Letzteres allerdings bisher in anderer Rolle und zu Beginn auch in einem anderen Verein. Bevor er nämlich zu den Burgnarren kam, gehörte er zu den „Eicherte“ in Hüttigweiler. Schließlich wechselte er aus beruflichen Gründen den Wohnort. Und da kam auch schon einmal das Hexenfeuer ins Spiel. Vor drei Jahren traf er dort die Trainerin der Burgnarren, die ihm zu später Stunde vorschlug, doch ins Männerballett, die Schoppegarde, zu kommen. Er erbat sich Bedenkzeit, aber ohne Erfolg: „Du machst schon dieses Jahr mit, Mittwoch, 19 Uhr, in der Halle“, lautete die klare Ansage. Da er auch in Hüttigweiler das Tanzbein schwang, hatte er schon eine gewisse Übung. Eine Weile sei er noch „zweigleisig gefahren“, aber das war ihm irgendwann zu stressig – und es blieb bei den Burgnarren.

Seine Prinzessin ist zwar fastnachtsbegeistert, hat „schon immer gerne gefeiert“, bei Kappensitzungen zugeschaut, war aber nicht im Verein aktiv. Das kann aber noch werden. Zumindest denkt sie daran herum, ebenfalls zu tanzen. „Ich habe aber eher zwei linke Füße“, und es wäre wirklich Neuland. Mit Tanz hatte sie bislang nichts am Hut – bis sie 15 Jahre alt war spielte sie Handball.

Jetzt geht es für die beiden in den Endspurt, ein Höhepunkt dabei: die Burgerstürmung am fetten Donnerstag. Dann werden sie wieder in ihre royalen Kleider schlüpfen. Seit am Hochzeitskleid die aufwendige Schnürung durch einen Reißverschluss ersetzt wurde, geht das bei der Prinzessin richtig flott, für Haare und Make-up muss sie aber doch eine Stunde rechnen.

Sie haben Gefallen gefunden an ihrer neuen Rolle – und es muss nicht unbedingt das letzte Mal gewesen sein, dass sie sich auf den Thron setzen. Jessica Ostermayer ist jedenfalls gerne Prinzessin: „Da könnte man sich dran gewöhnen.“ Und ihr Prinz ergänzt: „Ich könnte mir vorstellen, es nochmal zu machen.“ Zum Beispiel dann, wenn ihr noch ganz kleiner Nachwuchs etwas größer ist und vielleicht zum Kinderprinzen taugt. Denn die Burgnarren haben ja bekanntlich ein royales Quartett: Neben ihren „großen“ Hoheiten krönen sie auch ein Kinder-Prinzenpaar, diesmal sind dies Prinzessin Fatima I. mit ihrem Prinzen Ruben I. zum II.

Was man so braucht als Fastnachts-Prinzenpaar: die Zepter und der Orden der Kirkeler Burgnarren. Foto: Ulrike Stumm

Auch wenn in Sachen Fastnacht am Aschermittwoch Katerstimmung angesagt ist, es gibt einen Termin, den sollte man sich in Kirkel vormerken: Am 30. April ab 18 Uhr ist wieder Hexenfeuer. Und in der Nacht kann ja bekanntlich vieles passieren, da werden auch schon mal Prinzen und Prinzessinnen erwählt.