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Burgnarren übernehmen in Kirkel die Macht

Kostenpflichtiger Inhalt: Burgsturm in Kirkel : Burgherr Karl-Heinz kapitulierte am Ende

Ausgelassene Stimmung herrschte am frühen Donnerstagabend unter den Fastnachtern in Kirkel bei der traditionellen Burgerstürmung.

Am Ende wurde es Sabine Crispo, der Chef-Organisationshexe der Kirkeler Burgnarren, dann doch ein bisschen zu lasch und flauschig: Mit einem kurzem, energischen Fingerzeig sorgte sie dafür, dass das Rumgefechtel zwischen Burgnarren-Prinz Mario I. und Graf Karl-Heinz ein für die Narren gutes und vor allem auch schnelles Ende nahm. Also übermannte der Prinz auf Kommando fix den weltlichen Herrscher – ohne Crispos augenzwinkerndes Eingreifen hätten die beiden Kontrahenten sonst wohl noch bis zum nächsten Morgen hin und her geschwertelt. So aber erfüllte sich das Schicksal des Grafen, wie es sich in jedem Jahr erfüllt. Und wer gedacht hätte, ein neuer Burgherr könnte die Geschichte umschreiben, der war ein Narr. Aber kein närrischer.

Karl-Heinz Woitelle, der stellvetretende Ortsvorsteher von Kirkel-Neuhäusel, hatte ebenso wenig eine Chance, wie sie Hans-Dieter Sambach als eigentlicher Ortsvorsteher gehabt hätte. Doch Sambach hatte sich rechtzeitig in den Urlaub „geflüchtet“ und seinen zweiten Mann dem sicheren Untergang überlassen. Immerhin: Woitelle ging stilvoll unter, prächtig gewandet in einem Traum aus royalem Pink. Ihm gegenüber: Das Prinzenpaar Prinzessin Jessica I. und ihr Prinz Mario I. zusammen mit Kinderprinz Ruben I. zum II., die Hexenschar um Sabine Crispo, die Burgnarren-Garden und ein närrisches und auf „Krawall“ gebürstetes Narrenvolk. An seiner Seite: Ritter Peter, der sich erneut den Kriegsnamen „Der Glücklose“ verdiente, eine mehr oder minder standhafte Kämpferschar und sonst nichts als die Gewissheit, dass man am Ende den Kampf mit den Narren um die Herrschaft auf der Kirkeler Burg auch in diesem Jahr wieder verlieren würde. So wie in allen Jahren.

Begonnen hatte der Anfang vom Ende des Kirkeler Grafen mit dem Einzug der Burgnarren-Schar auf der Burg, nach einem ausgiebigen Marsch durchs Dorf. Da hatte sich vor allem auch das Prinzenpaar durch hohes „Engagement“ ausgezeichnet – entsprechend ausgelassen zeigte sich das royale Narren-Duo dann auch inmitten der Gäste. „Ein Bad in der Menge“ war für die beiden genau das Stichwort. Dieses Bad wurde so ausgiebig genossen, dass besagte Sabine Crispo schon hier mal ein bisschen ordnend eingriff und ihren sehr publikumsnahen Prinzen auf die Bühne bugsierte. Immerhn galt es ja, den Grafen Karl-Heinz noch vor Beginn der Session 2021/2022 aus dem Amt zu jagen, und das mit Wort und Schwert und Hexenflüchen.

Eben den Hexen kam da die Aufgabe zu, den Schildwall von Ritter Peter, wir erinnern uns: genau, „der Glücklose“, zu durchbrechen. Tatsächlich ging’s da im Nahkampf ein paar Minuten schwungvoll und auch heftig hin und her. Augenscheinlich hatte den tapferen Kämpfern niemand so richtig deutlich gemacht, dass Verlieren in diesem Moment der Momente zum Kriegshandwerk gehört. Aber bei aller Gegenwehr: Der Widerstand wurde niedergerissen und niedergetanzt, ganz vorne mit dabei Hexe Sandra Austgen. Sie hatte sich schon den ganzen Nachmittag über in Fahrt gehüpft, jeder Duracell-Hase hätte ihr gegenüber alt und stromleer ausgesehen.

Dann kam der große Moment des Prinzenpaars. Im traditionellen Wortgefecht galt es für die beiden, den Grafen schon mal sturmreif zu quatschen. Und das gelang, zeitlich etwas länger als gewohnt, aber durch den verbalen Dauerbeschuss entsprechend wirkungsvoll, unterstützt von den Garden und den fluchenden Hexen. „Ihr fühlt Euch stark und seid ganz schön arrogant, ich bring Euch Manieren bei und mach Euch mit unseren Kämpfern bekannt“, gab sich Graf Karl-Heinz zunächst kämpferisch. Und das Prinzenpaar entgegnete: „Seht her, Ihr Hexen, der Graf will das Gefecht Kommt! Sammelt Euch! Und tretet ihm ins Gemächt.“ Nach dem verbalen folgte dann der Schlagabtausch per Schwert. Und auch hier ging es hin und her – bis eben Sabine Crispo dem Ganzen energisch ein Ende bereitete.

Organisationshexe Sabine Crispo (rechts) gab Prinz Mario nach einigem hin und her dann die klare Anweisung, die Herrschaft von Graf Karl-Heinz auf der Kirkeler Burg zu beenden. Foto: Thorsten Wolf
Mit Kathrin Neuschwander hoch hinaus: Die Garden der Burgnarren im Einsatz. Foto: Thorsten Wolf
Da wogte es zwischen den Burgnarren-Hexen, hier mit Sandra Austgen an vorderster Front, und den Verteidigern ordentlich hin und her. Foto: Thorsten Wolf

Und so ging alles seinen Gang. Der führte den Grafen, eskotiert von Gardemädchen, natürlich nicht ins Verließ, sondern an die Biertränke und das Prinzenpaar und seine Mitstreiter in den siebten Narrenhimmel. Bis zum Aschermittwoch hat die Truppe von Burgnarren-Chefin Irmgard Waidner nun das Kommando auf der Kirkeler Burg. Das wurde am Donnerstagabend dann auch entsprechend ausgiebig gefeiert, betanzt, beklatscht und begossen. So wie es immer war, so wie es ist, so wie es immer sein wird.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Kirkeler Narren außer Rand und Band