Herzerwärmende Geschichten für kalte Tage : Ein Buch voller Trost und Erinnerungen

Statt einer Feier zum zehnten Geburtstag, die wegen Corona ausfiel, hat der Hospizverein Saarpfalz nun ein kostenloses kleines Buch mit schönen Geschichten zum Schmunzeln und zum Nachdenken herausgegeben.

  Schöne Geschichten, die das Leben schrieb: die kann man jetzt lesen und hören. Doch wie so oft, begann erst einmal alles mit einer Absage. Eine schöne Feier war geplant, mit einem Konzert, einer Autorenlesung und einer Bilderausstellung. Aber nichts von alledem konnte im vergangenen Corona-Jahr verwirklicht werden.

Der Hospizverein Saarpfalz beging sein 10-jähriges Bestehen und hätte diese Gelegenheit gerne genutzt, mal wieder auf seine Arbeit hinzuweisen. Aber wegen des Coronavirus’ mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden. Innerhalb des Vereins war man sich schnell im Klaren darüber, dass sich während des ganzen Jahres 2020 wohl kaum eine gute Gelegenheit bieten würde, die Feier irgendwie nachzuholen.  Und so enststand während des Lockdowns im Frühjahr die Idee, ein Büchlein mit tröstenden, lustigen und zum Gespräch anregenden Geschichten herauszugeben.

Der Hospizverein Saarpfalz hat sich also zusammengesetzt, Bilder besorgt, Geschichten selbst geschrieben oder von Autoren gesammelt - und so entstand während der Pandemie das kleine Buch „Webfäden“. Mitglieder des Vereins, aber auch bekannte und weniger bekannte Künstlerinnen und Autorinnen und Autoren haben an dem Buch mitgewirkt.

Geschrieben und teilweise auch gemalt haben die Vorstandsmitglieder Monika Scholz-Bauer, Meta Lermann und Jürgen Grötschel. Bekannte Autoren wie Max Feigenwinter, Manfred Kelleter und Annette Gonserowski haben den Abdruck ihrer Gedichte erlaubt.

Die Künstlerin Sabine Franke aus St. Ingbert hat Bilder aus ihrem Zyklus Fadenlauf und einen Text dazu zur Verfügung gestellt. Unterstützung gab es auch von den Stadtarchiven der Städte Homburg und St. Ingbert.

Kurz vor Weihnachten konnte das Buch dann endlich fertiggestellt und aus der Druckerei abgeholt werden. „Es steckt viel Herzblut und viel Arbeit in dem Buch und es wurde sehr schön von dem Verlag und der Druckerei gestaltet. Die verschiedenen Beiträge sind wie lose Fäden miteinander verknüpft und verwoben und ergeben zum Schluss ein Muster, nicht ohne Webfehler, Knoten und gerissenen Fäden“, erklärt dazu Jürgen Grötschel, der erste Vorsitzende des Hospizvereins.

Das Buch ist gedacht als Lese- und Vorlesebuch für die vom Ökumenischen Hospiz- und Palliativberatungsdienst Saarpfalz begleiteten Menschen und deren Angehörige, für Hospizmitarbeiterinnen, für die Vereinsmitglieder, für die Unterstützer des Vereins und alle an der Hospizarbeit Interessierten.

Aber natürlich ist es auch wunderbar geeignet als Vorlesebuch in Seniorenheimen und als Anregung für Seniorennachmittage, an denen gerne über die alte Zeit, also über „sellemols“, gesprochen wird.

Schon jetzt sind Leser miteinander ins Gespräch gekommen, Erinnerungen wurden aufgefrischt und ausgetauscht. Genau das ist die Intention des Buches und in der Zeit der starken Kontaktbeschränkungen besonders wichtig.

Da ist zum Beispiel die Geschichte der wohlhabenden jüdischen Familie Beer in St. Ingbert, bei denen „das Lottchen“ eine Anstellung als Kindermädchen fand, reizend sei die Familie gewesen, kinderlieb und großzügig. 1935 verließen die Beers St. Ingbert für immer, denn sie mussten in die USA emigrieren. Doch nach dem Krieg nahmen die inzwischen großen Beer-Kinder wieder Kontakt zu „ihrem“ Lottchen auf, sie kamen zu Besuch zu ihrem Kindermädchen und wollten dann nur „Dengmatta Platt“ schwätzen. Bis zu ihrem Tod erinnerte sich Lottchen an die liebenswerte Familie.

Ziemlich verrückt klingt die Geschichte der Spieser Mühle, denn quer durch die Gastwirtschaft lief nach dem Mai 1945 die Grenze zwischen französischer und amerikanischer Besatzungszone. Der Tanzsaal der Spieser Mühle, der auf Neunkircher Grund stand,  unterstand den Amerikanern, die Gaststube mit Restaurant gehörte aber zu St. Ingbert und wurde von den Franzosen kontrolliert. Man wechselte quasi von einer Tür zur anderen das Hoheitsgebiet, es wurde natürlich auch geschmuggelt  – ein bizarrer Zustand, der 1947 sein Ende fand.

Vielleicht erinnern sich noch die älteren St. Ingberter ans Tanzcafé Astoria, wo man gerne auf Partnersuche ging, man betrieb „Marktbeobachtung“, wie es Jürgen Grötschel im Rückblick ironisch nennt. Von ihm stammen einige Beiträge, in denen sich Altersgenossen wiedererkennen können: Die Freude über die erste Modelleisenbahn zu Weihnachten 1958, oder seine ersten Besuche auf dem Historischen Marktplatz in Homburg, wenn gerade Markttag war. Alles Vergangenheit, doch die Erinnerungen bleiben. Im Buch sind einige historische Fotos aus der Saarpfalz zu sehen, ebenso private Fotos und Abbildungen von Gemälden.

So sah der Marktplatz in Homburg in den 50er Jahren aus. Die vielen Stände erschienen den Kindern damals wie ein Wunder. Foto: Stadtarchiv Homburg Foto: Archiv Homburg

Das Buch kann kostenlos beim Hospizverein Saarpfalz bestellt werden. Der Verein bittet um eine kleine Spende um die Druck- und Portokosten zu finanzieren. Wer das Buch bestellen möchte, kann sich an den Hospizverein Saarpfalz e. V., wenden, Friedrichstraße 24, 66450 Bexbach oder per E-Mail juergengroetschel@gmx.de