Bildungszentrum Kirkel: Umbau bis Ende 2020 fertig

Kostenpflichtiger Inhalt: Über elf Millionen Euro in Kirkel investiert : Bildungszentrum: Umbau bis Herbst 2020

2016 begannen die Maßnahmen bei der Einrichtung der saarländischen Arbeitskammer in Kirkel. Ein Teil ist umgesetzt, ein großer Konferenzsaal entsteht noch. Insgesamt soll alles knapp elf Millionen Euro kosten.

Warum muss ein Weiterbildungszentrum eigentlich wie ein Top-Hotel aussehen und sogar über eine Sauna verfügen? Wer einen Rundgang durch das in der Renovierung befindliche Bildungszentrum der Arbeitskammer (BZK) in Kirkel macht, dürfte sich diese Frage stellen. So modern wie der Neubau daherkommt.

„Wir wollen Bildung ganzheitlich betrachten und neben der reinen Wissensvermittlung auch den Horizont für andere Dinge erweitern. Dazu gehören neben unserem Kulturprogramm mit Konzerten, Theater, Kabarett und Ausstellungen auch der Gesundheits- und Fitnessaspekt und die Entspannung mit Massage und Sauna“, erklärt Ralf Haas, der Chef der Einrichtung. Heutzutage werde eine solche Ausstattung von Tagungsteilnehmern gefordert. Veranstalter führten ihre Bildungsmaßnahmen in Hotels und Bildungsstätten durch, die bereits seit Jahren einen ähnlichen Standard etabliert haben. „Vor der Baumaßnahme haben größere Veranstalter ihre Seminare bewusst nicht mehr im BZK durchgeführt, da wir die Anforderungen hinsichtlich Zimmerniveau und Freizeitbedingungen nicht mehr erfüllt haben. Also ein klarer Wettbewerbsnachteil, den wir beseitigen mussten, um wieder attraktiv zu werden“, erläutert Haas weiter. Auch für den Seminarerfolg sei es wichtig, wenn die Teilnehmer eine Woche im BZK blieben und nicht nach Hause führen. Nach den Seminarzeiten werde weiterdiskutiert und Netzwerke geknüpft, nennt er Vorteile.

Was die Sauna angeht: Die habe unterm Strich sogar das Projekt verbilligt. Ein Architektenwettbewerb habe das möglich gemacht. „Wir hatten in den Auslobungsunterlagen für den Wettbewerb einen Sauna- und Freizeitbereich im Untergeschoss gefordert. Dies haben alle Einreicher – mit Ausnahme des Saarbrücker Architekturbüros 3bstoff – auch genauso planerisch umgesetzt. 3bstoff hat den ganzen Bereich kurzerhand auf das Dach verlegt und die Anforderungen aus den Auslobungsunterlagen zu niedrigeren Kosten umgesetzt.“

Die umfangreiche Modernisierung war bereits im Frühjahr 2016 angelaufen. Im ersten, rund 7,5 Millionen Euro schweren Bauabschnitt, der inzwischen abgeschlossen ist, wurden laut Beatrice Zeiger, Geschäftsführerin der Arbeitskammer, 71 Teilnehmerzimmer und –bäder modernisiert, dazu bis zum Rohbau abgerissen. Dann entstand ein zweistöckiger Empfangsbereich mit Büros und neuem Aufzug, ebenso der neue Fitness-, Freizeit- und Saunabereich innen und außen. Dazu ein Multifunktionsraum geschaffen, die Aufenthaltsräume und Umkleiden fürs Personal und die Außenanlage neu gestaltet.

„Trotz erheblicher Probleme wegen des Bauens im Bestand und während des laufenden Betriebs sind wir im Budgetrahmen geblieben und haben den Zeitrahmen nur ganz unwesentlich überschritten“, erklärt Zeiger. Ralf Haas, der seinen Dienst in Kirkel Anfang 2017 aufnahm und einem pädagogischen Team vorsitzt, erklärt:  „Die Sanierung der Zimmer und der Neubau des Eingangsbereiches haben zu immer neuen Wegen und Umleitungen geführt, da die Sanierung abschnittsweise im laufenden Betrieb stattgefunden hat. Die Gäste haben es meist mit Humor genommen  – im Bewusstsein, dass sie zukünftig bessere Rahmenbedingungen für ihre Veranstaltungen haben.“  Wie bei jeder Sanierung eines älteren Gebäudes seien „immer mal wieder unvorhergesehene Schwierigkeiten“ aufgetreten, für die man aber Lösungen „im finanziellen Rahmen“ habe. Insgesamt zeigten sich die Seminarteilnehmer erfreut über die Maßnahmen. Haas: „Wir hören immer wieder die Forderung, dass die Sanierung auch in den anderen Bereichen fortgeführt werden muss. Dies werden wir – abhängig von den finanziellen Möglichkeiten der Arbeitskammer – auch in den Folgejahren anstreben.“

Seit Juni 2019 läuft der zweite Bauabschnitt, der sich wohl noch bis Spätherbst 2020 hinzieht. Hierbei wurde zunächst der alte Konferenzraum abgerissen, nun werden für rund 3,6 Millionen Euro ein mit 280 Sitzplätzen ausgestatteter, neuer Konferenzsaal gebaut und das Zentraltreppenhaus nebst Aufzug saniert. „Ehrgeiziges Ziel der Planer ist es, die Außenhülle inklusive Dach und Fenster noch in diesem Jahr fertigzustellen. Ob dies gelingt, hängt vor allem vom Wetter ab“, sagt Ralf Haas. Laut ihm sollen im ersten Quartal 2020 die ersten Veranstaltungen im neuen Saal stattfinden.

Gleichzeitig werde der angrenzende Buffetraum neu gebaut, die Außenanlagen um den Konferenzraum neu angelegt, die Fassade optisch und energetisch auf den neusten Stand gebracht – im gleichen Stil wie bei den sanierten Übernachtungstrakten, die Flure, eine Toilettenanlage und das Treppenhaus saniert, der „Kleine Konferenzraum“ modernisiert und vieles mehr.  „Die kostenträchtigen Gewerke wurden bereits allesamt vergeben. Bis heute bewegen wir uns im vorgesehenen Budget. Die Entwicklung bis zum Ende der Baumaßnahme ist dennoch nicht 100 prozentig zu prognostizieren, da wir die Maßnahmen  im Bestand und im laufenden Betrieb durchführen“, sagt Geschäftsführerin Zeiger dazu.

Ursprünglich war angedacht, dass die Maßnahme aus Rücklagen und einem Kredit finanziert wird.  Beim ersten Bauabschnitt habe man auf eine Kreditaufnahme verzichten können, so Zeiger. Denn  die Geschäftstätigkeit im BZK während des Umbaus habe sich „durch eine intensive Belegungsplanung der vor Ort Verantwortlichen deutlich besser als geplant entwickelt“. Man habe also „erheblich geringere Umsatzeinbußen gegenüber Plan realisieren“ müssen. Zeiger: „Im Rahmen der Endabrechnungen sind wir allerdings über eine Kreditermächtigung gegen mögliche Überraschungen abgesichert. In welchem Umfang und in welchem Mix wir letztendlich aus Rücklagen und Krediten über die Runden kommen, hängt sehr stark von der Entwicklung des zweiten Bauabschnitts ab. Alles in allem kann man schon heute sagen, dass wir in einem verantwortlichen Gesamtrahmen geblieben sind und auch mögliche Kreditverbindlichkeiten in unserer Finanzplanung abbilden können.“