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Besonderer Falter spanische Flagge in Kirkel

Ein seltenes Tier : Die spanische Flagge im Aufwind

Eine seltene, südliche Falter-Art ist nun Haustier in Kirkel geworen. In der Biosphäre sind sowieso viele besondere Falter-Arten zu finden.

Der Saarpfalz-Kreis ist reich an seltenen Tieren und Pflanzen. Bei Pflanzen fallen einem sofort die Orchideen ein, bei Tieren Steinkäuze oder Turmfalken. Aber es gibt auch ganz kleine seltene Tiere. Als einzige saarländische Region beherbergt der Bliesgau beispielsweise alle aktuell im Saarland nachgewiesenen FFH-Arten (FFH steht für Flora, Fauna, Habitat) der Tagfalter: Dunkler Wiesenknopfameisenbläuling, Thymian-Ameisenbläuling, Großer Feuerfalter, Goldener Scheckenfalter.

Steffen Casparis vom Zentrum für Biodokumentation im Saarland bittet darum, diese seltene Tierarten zu schützen. Zum Beispiel die Spanische Flagge, auch Russischer Bär genannt: Dieser Schmetterling sei eine „Lichtwaldart“, sagt Caspari, der helle, warme, aber nicht zu heiße Plätze schätze. Waldweg-Ränder etwa, deren Pflanzen erst den Raupen, dann den Faltern Nahrung lieferten. Spätes Mähen der Wegränder genüge, um der Spanischen Flagge den Lebensraum zu bewahren. „Tut niemandem weh“, sagt Caspari – aber den Schmetterlingen, auch anderen Arten, ausgesprochen wohl.

Vor sechs Jahren staunte der damals 73-jährige Rentner Manfred Näher aus Kirkel nicht schlecht, als sich an einem Thermometer auf seinem Balkon am Schlossberg ein besonderer Schmetterling verirrt hatte. Das Tier war eben diese „Spanische Flagge“, ein seltener Schmetterling. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Er habe das Tier, das ruhig an einem runden Thermometer saß, eine Zeit lang beobachtet. „Zuerst dachte er es sei ein Nachtfalter. Als es die Flügel spreizte, habe er diese ungewöhnliche Färbung entdeckt. Dann schaute er sofort in einem Bestimmungsbuch nach und entdeckte „den Schmetterling mit Namen Spanische Flagge“.

Er konnte kaum glauben, dass sich so ein Schmetterling in seinem Garten mit Wiese, Sträuchern, Obstbäumen aufhalte. „Dieser Schmetterling ist ganz, ganz selten. Er steht auf der Roten Liste der bedrohten Tierarten“, weiß er zu erzählen. Er habe sofort Bilder gemacht. Später sei der Schmetterling fortgeflogen.

Dachte Manfred Näher. Doch dem ist nicht so. Vor einigen Tagen kontaktierte er erneut unsere Zeitung, denn die „Spanische Flagge“ ist sozusagen sein Haustier geworden,. „Zur Zeit ist der Falter fast jeden Abend auf unserer Terrasse zu sehen. Es ist ein Nachtfalter mit einer Flügelspannweite von 42 bis 52 Millimeter“, schriebt er uns.

Die Spanische Flagge ist ein Schmetterling aus der Unterfamilie der Bärenspinner, deshalb wird er auch manchmal „Russischer Bär“ genannt. Diese seltenen Falter haben schwarzblaue Vorderflügel mit weißen oder gelblichen Streifen. Diese bilden an den Flügelspitzen ein markantes „V“. Die orangefarbenen Hinterflügel haben bis zu vier schwarze Flecken. Im Gegensatz zu anderen Bärenspinnern besitzen sie einen sehr guten Saugrüssel, der es ihnen ermöglicht, Nektar von Blüten zu saugen. Sie kommen meist in Südeuropa vor, haben sich aber augenscheinlich bis ins Saarland vorgearbeitet. Sie bevorzugen als Lebensräume Steinbrüche, Flussränder und felsige Täler. Sie sind nach Forscherangaben in sonnigem, trockenem als auch in feuchtem, halbschattigem Gelände zu finden.

Und noch ein bisschen Schmetterlingskunde: Der Schmetterling des Jahres 2020 ist der Grüne Zipfelfalter. Die Zipfelfalter als Artengruppe gehören zur Familie der Bläulinge und haben oft einen kleines „Schwänzchen“ als Verlängerung einer Flügelader auf dem Hinterflügel. Beim Grünen Zipfelfalter ist das aber kaum zu sehen, informiert das Biosphärenreservat Bliesgau.

Der Grüne Zipfelfalter bewohnt verschiedene Biotope, nur offen und mager müssen sie sein. Man sieht aber meist nur einzelne Tiere, im Gegensatz zum Schmetterling des Jahres 2019. Denn das Schachbrett kann man im Hochsommer auf blütenreichen, mageren Wiesen oft massenweise antreffen. Die ersten Grünen Zipfelfalter kann man Ende März/Anfang April beobachten, die letzten meistens im Juni. Die Art fliegt nämlich nur in einer Generation, während der Flugzeit werden die Eier gelegt, die erst im kommenden Jahr wieder neue Falter ergeben.

 russischer Bär
russischer Bär Foto: Manfred Näher

Die Raupen sind dabei nicht sehr wählerisch: von verschiedenen Brombeer-Arten über Färberginster, Esparsette und Faulbaum bis zum Sonnenröschen fressen die Raupen verschiedene Pflanzen.