Beatmaker-Treffen in Homburg : Wenn Musik am Computer gebaut wird

Beatmaker erzeugen ihre Werke auf elektronischem Weg, zehn dieser Tonkünstler trafen sich jetzt in der Galerie von Julia Johannsen in der Homburger Altstadt.

Sie stehen mit dem, was sie erschaffen, in der Regel nicht auf Bühnen und nicht in der Öffentlichkeit: Was so genannte „Beatmaker“ auf elektronischem Weg erzeugen – vom reinen Beat bis zu kompletten Arrangements – sind oft Werke, die im stillen Kämmerlein entstehen, am Laptop, am PC oder auch auf dem Smartphone. Mit dem, was sie tun, sprengen diese Beatmaker den Rahmen dessen, was man in rein analogen Zeiten und auch noch heute so gerne als Musik definierte: Das Ergebnis der gekonnten Handhabung eines klassischen Instruments. Hier gehen Beatmaker andere Wege. Sie spielen, auch wenn viele von ihnen durchaus instrumentensicher sind, nicht ein Instrument im klassischen Sinn, sondern bauen aus vorgegebenen Tonelementen vieler bekannter Instrumente mittels so genannter Digital Audio Workstations (DAW) ihre Musik. Das wird in den Kreisen traditioneller Musiker gerne belächelt, nicht selten hört man den Satz „Ist doch nur mit dem Computer gemacht, die sollen mal ein ordentliches Instrument lernen.“ Wer auf diesem Standpunkt beharrt, der irrt aber ganz gewaltig. Denn Beatmaker beherrschen ihr Instrument. Nur ist das eben keine Gitarre, kein Schlagzeug, kein Bass – sondern ein Computer. Und: Auch wenn diese Tonarchitekten selten im Rampenlicht stehen, ohne ihr Können wären viele Musikgenres der Neuzeit wie Rap und Hiphop schlicht nicht denkbar.

Am vergangenen Samstag trafen sich zehn dieser Beatmaker aus unserer Region in der Galerie von Julia Johannsen in der Saarbrücker Straße in Homburg. „Cook Up Session“ nannte sich dieses Event, das den Elektronik-Musikern die Möglichkeit geben sollte, vor Ort zu produzieren, das Ergebnis in der Runde vorzustellen, ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen.

Initiator dieser Premieren-Veranstaltung war Christian Weick. Zusammen mit seinen Brüdern Manuel und Lukas gab er dem Teilnehmer-Kreis den Rahmen für ein wahrhaft einzigartiges Ereignis: Nach einer kurzen Vorstellungsrunde ging es für die Teilnehmer erstmal darum, innerhalb einer Stunde ein eigenes Werk zu produzieren. Das wurde dann präsentiert, es gab zahlreiche Nachfragen zur genutzten Software, zum Produktions-Workflow, zu den musikalischen Ideen und vielem mehr. Und was da an Musik zu hören war, das ließ aufhorchen: Mal chillig, mal düster, mal aggressiv, mal eingängig und mal eher sperrig mischten sich Drumbeats mit Basslines, Basslines mit melodischen Elementen und alles zusammen zu, und das mag so manchen Traditionalisten überraschen, echter und auf diesem Weg handgemachter Musik. Und das im Gewand ganz unterschiedlicher musikalischer Genres. Und wer den Fachsimpeleien bei der Vorstellung der Werke zuhörte, der begriff ganz schnell: Auch wenn hier keine Saiten gezupft und Snares geschlagen werden: Beatmaker sind echte Profis, ganz gleich, auf welchem Platz sie auf der Erfolgsleiter der öffentlichen Wahrnehmung rangieren.

Nach der ersten Produktionsphase gab’s eine kleine Pause, danach wurde – nicht unbedingt üblich – in Zweier-Teams weiter produziert. Mitten drin: Christian Weick, nicht nur Beatmaker, sondern auch Medizinstudent im fünften Semester auf dem Homburger Campus. „Die Musik lebt vom musikalischen Austausch“, begründete Weick die Organisation des Beatmaker-Treffens in der Galerie von Julia Johannsen. „Das war meine Grundidee. Mit der bin ich dann zu Julia gegangen, die mir ihre Galerie zur Verfügung gestellt hat.“ Spannend, so Weick, sei dabei das Aufeinandertreffen von Musik und bildender Kunst. „Solche Events gibt’s eigentlich nur in Großstädten. Jetzt bringen wir die Großstadt nach Homburg.“

Dass es gerade Julia Johannsen war, die „Cook Up“ ein Zuhause gab, das passt zum stetigen Netzwerken der Malerin und Galeristin. „Es ist genau das: Man begegnet sich, bringt etwas in Rollen, verbindet sich. Das bringt einen weiter.“ Dabei sei es bei diesem Event das Besondere, dass man an einem Entstehungsprozess teilnehmen könne, dies sei in der Musik und Kunst nicht unbedingt üblich. „Und das gibt mir Inspiration.“

Wer sind nun die, die sich auf so hohem Niveau mit elektronischer Musik befassen. Stellvertretend kann man hier den Blick auf Daniel Arndt aus Erbach richten, der unter dem Künstlernamen „Danny Clean“ firmiert und am Samstag, wie alle anderen auch, Beeindruckendes ablieferte. „Ich war immer musikbegeistert. Ich bin aber nie auf die Idee gekommen, selbst was zu machen.“ Über eine Smartphone-App habe er dann den Zugang zum Beatmaken und zur elektronischen Musik gefunden. Dann folgte ein richtiger Laptop.

„Am Anfang war es sehr schwer. Aber je mehr man reingekommen ist, umso mehr Spaß hat es gemacht.“ Diesen Spaß konnte man am Samstag auf vielerlei Art hören – und nicht nur bei Daniel Arndt.