Baumfällung an der Gustavsburg in Jägersburg ist verboten

Kostenpflichtiger Inhalt: Ärger um Baum in Jägersburg : Der Eschenahorn darf nicht weichen

Es klingt wie eine Posse, ist aber keine: Der Ortsrat Jägersburg will unbedingt einen Baum fällen, die Stadt Homburg erlaubt dies nicht.

Zu Jägersburg gehört die Gustavsburg und zu Homburg der Wald. Wer nun allerdings auf die Idee kommt, damit gehöre jeder Baum auch automatisch zur Gustavsburg, der hat diese Gleichung ohne den Ortsrat Jägersburg gemacht.

Der hatte in einer Sitzung im vergangenen Jahr mehrheitlich bei acht Ja- und zwei Nein-Stimmen per Beschluss gefordert, einen der Bäume rund um das Jägersburger Wahrzeichen zu fällen – konkret einen Baum, der sich im Bereich des früheren Wassergrabens der Burg befindet. Passiert ist seither jedoch noch nichts. Stattdessen geht es zwischen Ortsrat und Verwaltung derzeit hoch her, denn im Rathaus sieht man keine Grundlage, um den Baum zu fällen.

Auf den folgerichtig negativen Bescheid der Stadt folgte ein Widerspruch von Ortsvorsteher Jürgen Schäfer (SPD). Das Schicksal des Baumes pendelt nun zwischen ganz unterschiedlichen Rechtsansichten und Auslegungen der Homburger Baumschutzsatzung. Auch beteiligt sind, so die Pressestelle der Stadt gestern in ihrer schriftlichen Stellungnahme, der Heimat-, Kultur und Verkehrsvereins Jägersburg unter Vorsitz von Gustl Altherr, das Landesdenkmalamt und das Amt für Umwelt und Arbeitsschutz.

Warum nun soll der Baum aus Sicht des Ortsrates fallen? Mehrheitliche Meinung im Gremium und so geäußert anlässlich einer Ortsratssitzung im November 2019 ist vor allem, dass der Baum den wichtigsten Blick auf das Ensemble der Gustavsburg einschränke.

Das sah man bei der Stadt anders und ließ dem Ortsrat einen so genannten „Versagungsbescheid“ zukommen, sprich eine formale und negative Reaktion auf den Beschluss. Jürgen Kruthoff, Pressesprecher der Stadt, dazu auf Anfrage unserer Zeitung: „In diesem Bescheid heißt es, dass unter Berücksichtigung des Paragrafen fünf der Satzung zum Schutz von Bäumen in der Kreisstadt eine Erlaubnis nicht erteilt werden kann. Da der Baum, bei dem es sich um einen Eschenahorn handelt, aufgrund seiner Art und Größe die Anforderungen der Baumschutzsatzung erfüllt, ist es verboten, diesen zu entfernen, zu zerstören, zu schädigen oder im Aufbau wesentlich zu verändern. Weiter heißt es in dem Schreiben, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Gründe für eine Ausnahme vorliegen.“

Auch das Landesamt für Umwelt und Arbeitschutz gab mangels Zuständigkeit kein grünes Licht. Vielmehr verwies man den Vorgang nach Homburg zurück. Die Begründung, so Jürgen Kruthoff: Gemäß der entsprechenden Satzung liege Pflege und Sicherung von Bäumen einzig im Aufgabenbereich der Stadt.

Dem folgend konnte dann auch das Landesdenkmalamt dem Jägersburger Ansinnen nicht entsprechen, fehle es doch „der Denkmalpflege an einer ausreichenden Begründung, einen so schwerwiegenden Eingriff wie das Fällen eines Baumes zu verlangen. Das Landesdenkmalamt sieht sich also nicht in der Lage, das Anliegen auf Fällen des Baumes zu unterstützen, so jedenfalls der Inhalt eines entsprechenden Schreibens des Landesdenkmalamtes an Gustl Altherr“, wie Kruthoff den Vorgang schilderte.

Damit, so der Pressesprecher weiter, „ist die Sachlage klar, und es ist einzig Sache der Stadt Homburg, die eigene Baumschutzsatzung anzuwenden und diese auch umzusetzen“.

Nun könnte die Geschichte erzählt sein. Ist sie aber nicht. Denn, wie Kruthoff weiter ausführt, habe Ortsvorsteher Jürgen Schäfer für den Ortsrat Widerspruch gegen den Versagungsbescheid eingelegt. In diesem Widerspruch führe er für ein Fällen des Baumes überwiegend öffentliche Interesse an und stelle in Frage, ob ihm überhaupt ein Versagungsbescheid zugestellt werden könne, da es sich um einen Vorgang auf einer städtischen Parzelle handele.

Das Bauamt der Stadt Homburg seinerseits sieht eben kein öffentliches Interesse. Und im Rathaus stellt man sich zudem die Frage, ob ein Ortsrat überhaupt einen Beschluss fassen kann, der einer städtischen Satzung nicht entspricht. „Der Beschluss zum Fällen des Baums verstößt schließlich gegen geltendes Satzungsrecht“, verdeutlichte der Stadtpressesprecher den Standpunkt der Verwaltung.

Und da es eben ein Beschluss sei und kein Antrag, so wie ihn jeder Bürger stellen könne, habe es folgerichtig auch einen schriftlichen Versagungsbescheid gegeben. Der könne zurückgenommen werden, wenn der Ortsrat Jägersburg seinen Beschluss wieder aufhebe. Und was nun? Da der Widerspruch des Ortsrates noch nicht beschieden ist, ist das Verfahren noch schwebend. Und genau deswegen wollte sich Ortsvorsteher Jürgen Schäfer auch gestern zu diesem Thema nicht äußern.